"Das ist unglaublich, ich bin überglücklich. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich der erste Deutsche seit 2004 bin, der eine Medaille gewinnt", sagte Harutyunyan, für den es aber durchaus mehr werden darf: "Ich träume jeden Tag von Gold."
Drei Tage nach seinem 26. Geburtstag bereitete sich Harutyunyan selbst ein verspätetes Geschenk. Gegner des EM-Dritten Harutyunyan ist dort der gebürtige Kunbaner Lorenzo Sotomayor Collazo (Aserbaidschan). Beide Verlierer erhalten Bronze.
Edelmetall hatte es für den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) zuletzt 2004 in Athen durch Rustam Rachimow und Vitali Tajbert (beide Bronze) gegeben. Als letzte deutsche Boxer waren Torsten May und Andreas Tews 1992 in Barcelona Olympiasieger geworden.
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Großes Lob von Timm

Halbweltergewichtler Harutyunyan verhinderte durch seinen Medaillengewinn die dritte olympische Nullnummer des DBV in Serie. In London 2012 und Peking 2008 hatte es nur Blech gegeben. Auch in Rio waren die fünf Team-Kollegen von Harutyunyan bereits in ihren Auftaktkämpfen gescheitert. Harutyunyan sagte:
Ich bin froh, dass ich den Fluch beenden konnte.
Der Deutsch-Armenier zeigte gegen Gozgec eine starke Leistung. Als der Türke in der zweiten Runde wegen unsauberer Technik eine Ermahnung kassierte, war der Kampf so gut wie entschieden. Gozgec hätte schon einen "Lucky Punch" gebraucht, um ins Halbfinale einzuziehen.
Bundestrainer Michael Timm ist begeistert von seinem Hoffnungsträger:
Artem ist einer, der konsequent nach vorne geht. Wenn er in den Ring steigt, zieht er in eine Schlacht.
Im Viertelfinale agierte Harutyunyan zunächst allerdings abwartend, setzte aber die deutlicheren Treffer.

Zusätzliches Selbstvertrauen

Mit Gold könnte der Sportsoldat sein ganz persönliches Märchen krönen. Harutyunyan war gerade ein Jahr alt, als seine Familie 1990 aus Armenien nach Norddeutschland übersiedelte.
Die Flüchtlinge hatten nichts, wohnten sechs Jahr lang im Container. Der Vater, der bis heute als Taxifahrer arbeitet, war in seiner Heimat Karatelehrer. Harutyunyan senior führte Artem und dessen Bruder Robert früh in den Kampfsport ein.
Die Geschwister haben nicht vergessen, wo sie herkommen. Im Zuge der Flüchtlingswelle in Deutschland boten sie in Hamburg kostenlose Boxstunden an. "Das Leben eines Flüchtlings kann in der neuen Heimat auch langweilig sein. Das weiß ich noch aus eigener Erfahrung. Deshalb haben wir das gemacht", sagte Artem Harutyunyan dazu.
Der Erfolg von Rio gibt auch Selbstvertrauen für das nächste große Highlight in der Karriere des Weltmeisters der Profiserie PBA. Im kommenden Jahr will Harutyunyan bei den Weltmeisterschaften auftrumpfen. Schließlich finden die in seiner Heimatstadt Hamburg statt.

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