Oberliga-Eishockey in Erfurt - weiter weg als Kyle Beach kann man von der NHL kaum sein. Doch genau so will er es. Bei den Black Dragons werde alles getan, "damit wir uns sicher und einbezogen fühlen", sagte der 31-Jährige, "und das ist etwas, das ich in meiner jetzigen Karriere sehr schätze".
In der NHL hat er das Kontrastprogramm erlebt, seine schockierende Geschichte erschüttert die nordamerikanische Profiliga. Die Missbrauchsvorwürfe bringen nicht nur Ex-Klub Chicago Blackhawks in die Bredouille. Der Umgang mit dem Fall wirft auf die gesamte Liga ein schlechtes Licht.
Der am Dienstag veröffentlichte unabhängige Untersuchungsbericht lässt den Schluss zu, dass elf Jahre lang versucht wurde, den Vergewaltigungs-Vorwurf unter den Teppich zu kehren. Dafür gab es nun eine offizielle Entschuldigung der Blackhawks und der Spielergewerkschaft NHLPA, eine Geldstrafe für Chicago in Höhe von zwei Millionen US-Dollar und personelle Konsequenzen wie den Rücktritt von Joel Quenneville als Chefcoach der Florida Panthers in der Nacht zu Freitag.
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Für Beach sind das "große Schritte in die richtige Richtung", doch er betont auch: "Mein Kampf fängt erst richtig an." Sein großes Ziel ist eine unabhängige Anlaufstelle für Betroffene wie ihn, er nennt es im großen TSN-Interview "einen sicheren Ort in der Welt des Sports". Auch wolle er Athleten und Athletinnen, die ähnliche Erfahrungen machen würden, Mut zusprechen: "Ich bin ein Überlebender. Und ich weiß, dass ich nicht allein bin."

Beach 2010 sexuell missbraucht

Darum geht es im Fall Beach: Der damals 20-Jährige wurde von den Blackhawks im Jahr 2010 für die Play-offs aus der AHL in den Profikader hochgezogen. In diesem Zeitraum soll ihn ein Assistenztrainer sexuell missbraucht haben.
Der Erstrunden-Pick von 2008 vertraute sich nach eigenen Angaben dem Skating-Coach an, wenig später beriet darüber laut Untersuchungsbericht ein kleiner Kreis von Führungskräften. Dem gehörte der damalige Blackhawks-Trainer Quenneville offenbar ebenso an wie Klubpräsident Stan Bowman, der am Dienstag seinen Hut nahm.
Die Verantwortlichen unternahmen damals: Nichts. Einer von ihnen soll sogar gesagt haben, dass die Chance auf den Stanley Cup wichtiger sei als die Anschuldigung eines sexuellen Übergriffs. Am Ende der Saison 2009/10 machten sich die Blackhawks tatsächlich zum NHL-Champion - und der Beschuldigte feierte munter mit. Beach, der auch ohne NHL-Spiel Teil der Meistermannschaft war, fühlte sich in dem Moment "wie ein Nichts". Und schlimmer noch: "Ich hatte das Gefühl, dass er im Recht war und ich im Unrecht."

NHL räumt Versäumnisse im Fall Beach ein

Erst nach Saisonende wurde der von Beach beschuldigte Assistenztrainer vor die Wahl gestellt: Kündigung oder Untersuchung des Falls. Er entschied sich für den Rücktritt. Ansonsten gab es damals keine anderen Konsequenzen.
Die NHL gibt Versäumnisse offen zu. Er sei "entsetzt" darüber, wie schlecht Beach bei seiner Klage unterstützt wurde und bedauere "alles, was er durchgemacht hat", sagte NHL-Commissioner Gary Bettman: "Ich bewundere Kyle Beach für seinen Mut, sich zu melden."
Der Spieler hatte einst versucht, die Vergangenheit mit Alkohol und Drogen zu betäuben. Die Erfahrung hätte ihn "von innen heraus zerstört". Der Gang an die Öffentlichkeit falle ihm schwer, weil er noch einmal alles durchleben müsse. Es sei aber auch "ein großer Schritt im Heilungsprozess".
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(SID)

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