Das Dach hebt sich von der Halle, in den spätabendlichen Straßen der 2000-Seelen-Gemeinde Lake Placid explodiert ein gigantischer Schrei aus vielen Tausend Kehlen. 4:3 für die US-Collegeboys gegen die unschlagbare Sbornaja. Und noch zehn Minuten zu spielen. Lichtjahre im Eishockey.
Es ist der 22. Februar 1980, das olympische Eishockey-Turnier geht in die Finalrunde. Dass Sowjets-Trainer Wiktor Tichonow das Spiel gegen den Überraschungsgegner USA nicht ernst nimmt, verrät seine Vorbereitung. Er schont die Stars und lässt die zweite Reihe ein bisschen übers Eis spazieren. Was soll der Eishockey-Weltmacht gegen diesen zusammengewürfelten Haufen schon passieren?
Das erste Drittel gibt ihm recht. Nach neun Minuten lässt Wladimir Krutow US-Goalie Jim Craig keine Chance. Lässig, fast überheblich schlenzt er den Puck ins Netz, selbst das Jubeln der Sowjets fällt arrogant-verhalten aus. Dann der erste Aha-Moment: Buzz Schneider gleicht aus, im Gegenzug bringt Sergej Makarow die drückend überlegene Sbornaja wieder in Führung.
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Und Tichonow begeht einen Kardinalfehler: Er nimmt den besten Torwart der Welt vom Eis. Wjatscheslaw Tretjak räumt seinen Platz zwischen den Pfosten für Wladimir Myschkin. Im zweiten Drittel geht das noch gut, die Sowjets führen 3:2, als sie zum letzten Spielabschnitt zurück aufs Eis kommen. Aber die Uhr tickt. Gegen die Sbornaja.
Im Tor der USA wird aus dem Nichts ein neuer Superheld geboren. Jim Craig, 22 Jahre alt, ein Amateur von der Boston University, ist nach einem brutalen Check von Waleri Scharlamow schwer angeschlagen, aber er wirft sich dem Puck und dem Gegner wieder und wieder mit Todesverachtung entgegen. Die rote Supermacht kommt nicht mehr an Craig vorbei, dafür gleicht Mark Johnson zum 3:3 aus.
Das 4:3 von Eruzione bleibt das letzte Tor der Partie. Die Zuschauer, völlig außer Rand und Band, zählen die letzten Sekunden runter, ABC-Reporter Al Michaels brüllt die legendären Worte in sein Mikrofon, die dem Spiel seinen Namen geben: "Do you believe in miracles?" Das Wunder von Lake Placid war geboren.
Ach ja, Olympiasieger ist das US-Team nach dem Jahrhundertspiel noch nicht. Die Goldmedaille sichern sich die jungen Nobodies zwei Tage später mit dem 4:2 gegen Finnland. "Wenn ihr dieses Spiel verliert", hatte Trainer Herb Brooks seinen erschöpften Spielern mit auf den Weg gegeben, "wird euch das bis in euer verdammtes Grab verfolgen".
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