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WM-Pflicht nach Olympia-Kür: "Extrem schwierig"

WM-Pflicht nach Olympia-Kür: "Extrem schwierig"
Von SID

02/05/2018 um 11:52Aktualisiert 02/05/2018 um 12:06

68 Tage nach der Silbersensation von Pyeongchang startet die DEB-Auswahl ohne die meisten Olympiahelden in die WM in Dänemark - mit neuen Erwartungen, neuen Spielern und alten Sorgen. Nach den Rücktritten von Kapitän Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer braucht das Team neue Führungsspieler. Eine entscheidende Rolle traut Bundestrainer Marco Sturm NHL-Profi Leon Draisaitl zu.

lois Schloder hat Marco Sturm gewarnt. Der Bronzeheld von Innsbruck erinnerte den Silberschmied von Pyeongchang an einen Albtraum, der beinahe Wirklichkeit wurde. "Sie waren nur 22 Sekunden entfernt von der Zweitklassigkeit", sagt Eishockey-Bundestrainer Sturm im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Das sagt doch alles. Es ist ein neues Turnier, man muss Olympia jetzt abhaken."

Denn ab Freitag (20.15 Uhr), wenn die deutsche Nationalmannschaft 68 Tage nach dem historischen Erfolg bei den Winterspielen gegen Gastgeber Dänemark in die WM startet, soll sich das Beinahe-Debakel von 1976 nicht wiederholen. Schloder und Co. schrammten damals zehn Wochen nach dem Bronze-Wunder von Innsbruck bei der WM in Katowice nur haarscharf am Abstieg vorbei - durch ein ganz spätes Tor von Rainer Philipp gegen Polen.

Ähnliche Situation wie 1976

Schloder erzählte dem Bundestrainer gleich nach dessen Rückkehr aus Südkorea davon - als Warnung. Denn die Situation ist 42 Jahre danach ähnlich. In Pyeongchang fehlten die NHL-Stars, als Sturms Team sensationell ins Finale vorstieß - in Innsbruck waren Kanada und Schweden nicht angetreten. Für die hochgejubelten Medaillengewinner war es damals wie heute schwierig, sich so kurz nach der Sternstunde ihrer Karriere wieder auf den WM-Alltag einzulassen.

Sturm kämpft allerdings nicht nur mit neuen Erwartungen, sondern auch mit alten Problemen. Weil gleich 15 Silberhelden von Pyeongchang in Dänemark fehlen und die Personaldecke in der Nationalmannschaft traditionell dünn ist, muss er improvisieren. Sturm erklärt:

"Es ist ein kleiner Neustart für uns mit sehr vielen jungen Spielern. Den wollen wir meistern."

"Verlängerter Arm" fehlt Sturm

Nach den Rücktritten der Führungsspieler Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer fehlt Sturm "mein verlängerter Arm". In die Bresche sollen vor allem die NHL-Profis Leon Draisaitl, Dennis Seidenberg und Korbinian Holzer springen. Edmontons Stürmerstar Draisaitl traut der Bundestrainer trotz dessen jungen Alters eine Führungsrolle zu:

"Er ist erst 22 Jahre alt, aber er spielt befreit auf. Es interessiert ihn wenig, was die Öffentlichkeit sagt. Leon wird sein Spiel durchziehen, und er wird die Mannschaft mitreißen."

Doch nach den zahlreichen Absagen anderer Olympia-Teilnehmer wie Torhüter Danny aus den Birken, Verteidiger Frank Hördler oder Stürmer Frank Mauer fehlt es der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auch in der Breite. Im Angriff setzt Sturm deshalb auf vier junge "Nordamerikaner". Frederik Tiffels (22), von den Pittsburgh Penguins in die drittklassige ECHL abgeschoben, war schon im Vorjahr in Köln der WM-Shootingstar im deutschen Team. US-Collegespieler Marc Michaelis (22) überzeugte in der Vorbereitung mit drei Toren. Die AHL-Profis Markus Eisenschmid (23) und Manuel Wiederer (21) wollen sich für die NHL empfehlen.

Sie alle müssen damit umgehen, dass die Erwartungen nach Olympia-Silber deutlich gestiegen sind. Der eine oder andere Fan träumt schon vom WM-Titel. "Wer sich im Eishockey auskennt, der weiß, was los ist", mahnt Sturm: "Es ist extrem schwierig, mit dieser Situation umzugehen." Er selbst wäre mit deutlich weniger zufrieden:

"Es wäre super, wenn wir unter den Top Acht bleiben könnten."

Das Viertelfinale haben sich auch die Spieler als erstes Ziel gesetzt. "Dann ist es ein K.o.-Spiel", sagt Silbermedaillengewinner Matthias Plachta und fügt schmunzelnd an: "Das können wir ja."

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