An der Ostsee ließen sich seine Teamkollegen den Wind um die Nase wehen und die trüben Gedanken nach der ersten WM-Pleite aus dem Kopf blasen. Nur Dominik Kahun strampelte sich allein im Hotel ab. "Das Schlimmste ist, dass man hier auf dem Zimmer sitzt und die Jungs nicht sehen kann", klagte der NHL-Stürmer, der nach seiner Anreise am Mittwoch noch in Einzel-Isolation steckt.
Der WM-Blase, die der Silbermedaillengewinner von 2018 demnächst genauer kennenlernen wird, entfloh am Tag nach dem schmerzhaften 2:3 gegen den starken Aufsteiger Kasachstan die restliche Mannschaft. Mit dem Bus fuhren Kapitän Moritz Müller und Co. für zwei Stunden an den Strand - mit Polizeieskorte und Corona-Abstand.
"Es ist kein anderer Mensch dort", berichtete Sportdirektor Christian Künast, "man kann mal die Seele baumeln lassen, spazieren gehen, ein bisschen joggen." Willkommene Abwechslung nach anderthalb Wochen in der abgeschotteten "Bubble", in der der Essensraum mit Tischtennisplatte und Kickerkasten der einzige Treffpunkt für die Spieler in ihrer freien Zeit ist. "Dieser Raum, unsere Zimmer, das Stadion - das war's", beschrieb Künast den WM-Alltag in Riga.
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Während seine Kollegen Ablenkung nach dem ersten Rückschlag auf dem Weg zur ersten WM-Medaille seit 1953 suchten, saß Hoffnungsträger Kahun im Hotelzimmer auf einem Heimtrainer. "Ich kann ja nicht den ganzen Tag durchschlafen", sagte der 25-Jährige, der nach dem Play-off-Aus mit den Edmonton Oilers "ziemlich spontan" in den Flieger stieg. Von Winnipeg nach Edmonton, dann nach Montreal, von dort nach Frankfurt und schließlich nach Riga, "die Reise war sehr, sehr lang und stressig", berichtete Kahun am Donnerstag, "aber ich bin sehr, sehr heiß auf die WM."

Kahun in Isolation

Noch muss er sich gedulden: Erst nach drei Tagen Einzel-Isolation darf er voraussichtlich am Samstag zum ersten Mal aufs Eis, aber nur zum Training, beim Spiel gegen Titelverteidiger Finnland am Abend muss er noch zuschauen. Wenn alle PCR-Tests negativ sind und die Ergebnisse schnell kommen, könnte der ehemalige Münchner am Montag gegen die USA sein Debüt in Riga geben.
"Ich kann mit meinem spielerischen Können und meiner Geschwindigkeit helfen", ist Kahun überzeugt, "ich bin sicher, dass ich der Mannschaft noch einen Schub gebe." Den kann das Team nach der ersten Enttäuschung nach dem Traumstart mit drei Siegen gebrauchen. Denn noch ist das Viertelfinale nicht sicher, ein Sieg aus den Spielen gegen Finnland, die USA und zum Vorrundenabschluss am Dienstag gegen Gastgeber Lettland noch notwendig.
Den Traum vom ersten WM-Edelmetall nach 68 Jahren träumt auch Kahun. "Eine Mannschaft, die so zusammenhält, hat die besten Chancen zu gewinnen", sagte er, "das erinnert mich an Olympia." Damals in Pyeongchang, als wie bei der jetzigen WM die großen Stars der Szene fehlten, war Kahun mit dem deutschen Team sensationell zu Silber gestürmt.
"Vom Zusammenhalt her", erinnert er sich, "was das die beste Mannschaft, von der ich ein Teil war." Auch damals, vor dem entscheidenden Spiel gegen die Schweiz um den Viertelfinaleinzug, hatten sich die Eishockey-Cracks am Strand den Wind um die Nase wehen lassen - mit silbernen Folgen.

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(SID)

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