Torschütze Lukas Windfeder saß noch Minuten nach dem Schlusspfiff auf dem Platz und wollte partout nicht aufstehen, Kapitän Tobias Hauke starrte reglos in den Nachthimmel von Tokio. Als der Traum vom fünften Olympiagold geplatzt war, spürten die deutschen Hockey-Männer nur eines: Schmerz.
"Wenn man so viel Herz reinschmeißt wie die Jungs, dann läuft man auch Gefahr, dass es zerbricht", sagte Bundestrainer Kais al Saadi nach dem bitteren 1:3 (1:2) im olympischen Halbfinale gegen Australien.
Sie hatten gegen den dreimaligen Weltmeister alles versucht, ihn nach dem Rückstand regelrecht an die Wand gespielt - "aber das hat die Anzeigetafel leider nicht mitbekommen", wie der Chefcoach ernüchtert feststellte. "Der Ball wollte irgendwie nicht rein", ergänzte Stürmer Florian Fuchs frustriert.
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Gleich die erste Strafecke hatte Windfeder zum zwischenzeitlichen Ausgleich (10.) verwandelt, danach blieben fünf weitere Versuche erfolglos. Australien spielte "wahnsinnig effektiv", wie Hauke befand, und greift nach Toren von Tim Brand (7.), Blake Govers (27.) und Lachlan Sharp (59.) im Endspiel gegen Weltmeister Belgien nach Gold. Den Deutschen bleibt am Donnerstag (3.30 Uhr MESZ) im kleinen Finale gegen Rekord-Olympiasieger Indien nur die Chance auf Bronze.

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Hauke: "Tut jetzt wahnsinnig weh"

Sorgen, dass der Trostpreis sein Team nicht mehr motivieren könnte, hat der Kapitän nicht. "Diese Mannschaft geht von Tag eins in die gleiche Richtung", sagte Hauke, der 2008 und 2012 Olympiagold, vor fünf Jahren in Rio aber auch Bronze gewann, "wir haben schon Rückschläge erlitten, sind immer wieder aufgestanden und haben die nächsten Schritte gemacht. Es tut jetzt wahnsinnig weh. Aber wenn wir morgen aufstehen, sind wir bereit, das zu holen, was wir uns verdient haben."
Eigentlich war für die "Honamas" alles nach Plan gelaufen: Australien hatte sich in der ersten Hälfte ausgetobt, der Rückstand von 1:2 war "im Rahmen", wie Hauke meinte. Dann schwanden beim Gegner die Kräfte, die DHB-Auswahl zog sich "aus dem Sumpf" und spielte "den australischen Tank leer", so al Saadi - nur das 2:2 fiel nicht. Auch nicht, als der Bundestrainer Torhüter Alexander Stadler zugunsten eines weiteren Stürmers herausnahm. Im Gegenteil: 92 Sekunden vor Schluss zerstörte der dritte Gegentreffer die letzten Hoffnungen.

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"Wir haben vieles richtig gemacht, halt nur kein Tor mehr geschossen", sagte Windfeder: "Wir haben alles gegeben, hier war keiner auf dem Platz, der jetzt noch Körner hat." Dass die Medaillenserie reißt und die deutsche Mannschaft erstmals seit 2000 ohne Edelmetall von Olympia nach Hause fliegt, glaubt der Torschütze nicht:
"Wir pennen eine Nacht drüber und ziehen uns gemeinsam wieder hoch. Wir wollen das Turnier vernünftig beenden und eine Medaille holen."
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