Seinen Insulin-Pen hat Timur Oruz immer dabei. In Tokio sind es sogar vier, zur Sicherheit. "Das ist mein Zusatzgepäck, aber das kenne ich nicht anders", sagt der Hockey-Nationalspieler im "SID"-Gespräch gelassen. Als er fünf Jahre alt war, wurde bei Oruz Diabetes diagnostiziert, Typ 1, die bedrohliche Variante.
Bei den Olympischen Spielen kann sich der 26-Jährige deshalb nicht nur auf die Medaillen-Mission mit den "Honamas" konzentrieren, sondern muss auch immer ein Auge auf seine Gesundheit haben. "Es ist eine zusätzliche Herausforderung", sagt Oruz, der die Krankheit aber "nicht als krasse Einschränkung" sieht, vielmehr sei sie schon "ein Teil von mir".

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Diabetes mellitus Typ 1, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin nicht ausreichend oder gar nicht produziert. Deshalb muss Oruz täglich Insulin spritzen, zwischen fünf bis zwölf Mal, in die Oberschenkel, die Oberarme oder das Hinterteil.
"Hier eher häufiger", erzählt Oruz, "weil wir ständig etwas snacken." Das Thema Essen ist eine besondere Herausforderung, da die Zutaten der Mahlzeiten in der Mensa im olympischen Dorf oft unbekannt sind. Deshalb muss Oruz immer einen Blick auf sein Smartphone werfen.
Dort checkt er laufend via App seinen Blutzuckerspiegel. "Ich habe einen Sensor am Trizeps im Oberarm sitzen, der sieht aus wie ein Chip und ist via Bluetooth mit dem Handy verbunden", erklärt Oruz.

Oruz versucht Erkrankung positiv zu nutzen

Auch beim Hockeyspielen hat Oruz sein Smartphone auf der Ersatzbank immer griffbereit. Ob das auch mal gefährlich werden könnte? "Ja, auf jeden Fall", sagt er: "Wenn ich zu sehr unterzuckere und das nicht mitbekomme, könnte ich umfallen. Dann wird es schnell lebensbedrohlich, wenn man nicht handelt."
Doch Oruz gibt direkt Entwarnung. Die Gefahr dafür sei gering, "das ist mir in 21 Jahren noch nie passiert". Der Medizinstudent aus Krefeld, mit Rot-Weiss Köln zuletzt deutscher Feldhockey-Meister, versucht eher, "die positiven Sachen rauszuziehen".
Oruz gibt Vorträge, versucht aufzuklären, will Vorbild sein. Mit Diabetes im Hochleistungssport erfolgreich zu sein, das schaffte in der Vergangenheit auch Hockeyspieler Carsten Fischer. Der wurde 1992 in Barcelona Olympiasieger, Oruz will es ihm gleichtun.
In Rio vor fünf Jahren gewann Oruz mit der DHB-Auswahl bereits Bronze, auch in Tokio stehen die Chancen auf Edelmetall nicht schlecht. Trotz und mit Diabetes.
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(SID)
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