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Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Russland

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Russland
Von SID

12/10/2018 um 12:10Aktualisiert 12/10/2018 um 12:30

SEBASTIAN VETTEL: Das Positive zuerst: Der viermalige Weltmeister und Ferrari legten endlich ein fehlerfreies Rennen hin.

Taktisch manövrierten die Roten zwei Wochen nach dem Debakel von Singapur den großen Rivalen Mercedes sogar aus. Das Negative daran: Gebracht hat es Vettel nichts. Rang drei - zu mehr reichte es für den Heppenheimer in Russland nicht. Mehr konnte er aber auch nicht erwarten, denn Ferrari war Mercedes das gesamte Wochenende klar unterlegen. Ob im Training oder im Qualifying - teils trennten die beiden besten Autos im Feld Welten. Dass Vettel den Silbernen im Rennen überhaupt so lange Paroli bieten konnte, spricht für ihn. Von seinem WM-Traum muss er sich dennoch sehr wahrscheinlich verabschieden. 50 Punkte auf Lewis Hamilton wird selbst ein Vettel in Topform kaum noch aufholen. Mercedes ist in der entscheidenden Saisonphase einfach zu stark.

LEWIS HAMILTON: Der Weltmeister zeigte in Sotschi erneut keine Schwächen. Dass er den Sieg dank der Stallorder bei Mercedes auf dem Silbertablett serviert bekam, darf darüber nicht hinwegtäuschen. Sein Überholmanöver gegen Vettel war beispielhaft für seine Dominanz. Die Art seines Erfolgs schmeckte dem Briten überhaupt nicht, rückblickend, wenn er seinen fünften WM-Titel perfekt gemacht hat, wird Hamilton wohl besser mit der Team-Entscheidung leben können.

VALTTERI BOTTAS: Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff lobte den Finnen als den schnellsten Fahrer des Tages. Der traurigste war er auch. Sotschi ist seine Strecke, der Kurs kommt seinen Stärken entgegen, hier feierte er im Vorjahr seinen ersten Formel-1-Sieg. Und dann? Nimmt ihn Mercedes mit einem Funkspruch in Runde 25 in Führung liegend an die kurze Leine. Bottas fügte sich, überließ Hamilton den Sieg. Hamilton nannte Bottas anschließend einen außergewöhnlichen Gentleman. Ein außergewöhnlicher Wingman ist er auch.

MERCEDES: Nein, ganz so plump wie Ferrari 2002 in Österreich machten es die Silberpfeile nicht. Damals ließ Rubens Barrichello auf Kommando der Teamführung Michael Schumacher unmittelbar vor dem Zielstrich passieren. Der Aufschrei war groß, die Siegerehrung wurde von einem Pfeifkonzert begleitet. Schumacher wurde in derselben Saison zum fünften Mal Weltmeister. In wenigen Wochen dürfte auch Hamilton diese Marke erreicht haben. Kein Fan, kein Fahrer, kein Verantwortlicher findet Gefallen an einer Teamorder. Manchmal ist sie jedoch ein notwendiges Übel. Der Gewinn der Fahrer- und Konstrukteurs-WM ist für Mercedes das oberste Ziel. Die Gründe für die Entscheidung waren auch angesichts des Rennverlaufs nachvollziehbar. Hätte sich Ferrari in der Vergangenheit ähnlich kompromisslos zu Vettel bekannt, wäre der Abstand wohl geringer.

MAX VERSTAPPEN: Das Geburtstagskind erhielt vor dem Start unzählige Glückwünsche. Nach dem Rennen war die Schlange der Gratulanten erneut lang. Der Niederländer zeigte ein bärenstarkes Rennen im Red Bull. Ohne die Strafversetzung auf Startplatz 19 hätte Verstappen um den Sieg mitgekämpft.

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