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FIA-Gala: Lewis Hamilton spricht von Rücktritt - Betrunkener Kimi Räikönnen sorgt für Lacher

Hamilton spricht erstmals von Rücktritt

07/12/2018 um 23:47Aktualisiert 08/12/2018 um 10:14

Beinahe schon wieder ein "Nico-Rosberg-Moment": Lewis Hamilton spricht in Sankt Petersburg erstmals vom Rücktritt. Die Saisonen seien ihm zulang. Für Lacher sorgte Kimi Räikkönen. Der hat wohl ein paar Drinks zu viel genossen, bevor er auf der Bühne seinen Preis entgegenahm. Auch Niki Lauda wurde ausgezeichnet, konnte seinen Award aber nicht persönlich abholen.

Keine Angst: Bei der FIA-Gala in Sankt Petersburg gab es diesmal keinen Überraschungs-Rücktritt a la Nico Rosberg 2016 in Wien. Aber Lewis Hamilton, der frischgebackene Formel-1-Weltmeister, versetzte seinen Fans einen Schrecken, als er, eben erst mit dem WM-Pokal ausgezeichnet, einen baldigen Rücktritt vom Grand-Prix-Sport in Aussicht stellte!

Von Moderatorin Nicki Shields gefragt, ob nach dem Gewinn des fünften WM-Titels die magischen sieben Weltmeisterschaften von Michael Schumacher sein nächstes Ziel seien, entgegnete er:

"Es war nie ein Ziel für mich. Als Kind war immer Ayrton (Senna; Anm. d. Red.) mein Lieblingsfahrer. Ich wollte immer sein wie er. Aber ich habe noch zwei Jahre Vertrag."

Den habe er in einer "zehnstündigen" Verhandlung mit Teamchef Toto Wolff bis Ende 2020 ausgehandelt. Dann der Moment, in dem die Hamilton-Fans kurz der Schreck in die Glieder fuhr:

"Momentan klingt zwei Jahre gut für mich!"

Im Sinne von: Danach ist Schluss. Denn Hamilton empfindet die immer länger werdenden Saisons als anstrengend - und sagt in Richtung FIA-Präsident Jean Todt: "Jean, du kannst die Saison ruhig verkürzen!" Nur um danach doch etwas zu beruhigen:

"Aber vielleicht fahre ich auch noch viel länger. Wer weiß?"

Bereits bei der Titelentscheidung in Mexiko hatte Hamilton keine allzu große Freude ausgestrahlt. Nach einem schlechten Rennen kamen keine besonderen Emotionen in ihm hoch. Das wirkte in Sankt Petersburg ähnlich. Aber dafür waren die Eindrücke vielleicht zu frisch: "Ich realisiere es noch nicht", so Hamilton. "Ich weiß nicht, wie es den anderen Preisträgern geht, aber mir kommt der heutige Tag vor wie ein ganz normaler Tag."

Hamilton nur bei Gala, nicht bei PK

Die Weltmeister-Pressekonferenz am Nachmittag hatte er kurzerhand ausfallen lassen. "Er hat keine Lust mehr, immer die gleichen Fragen von den gleichen Leuten zu beantworten", entschuldigte ihn sein Teamchef Wolff - und präzisierte dann: "Nein, es geht ihm nicht gut." Während der Gala am Abend war der neue Champion dann jedoch quicklebendig - und strahlte, als er den WM-Pokal aus den Händen von FIA-Präsident Jean Todt überreicht bekam.

Bereits zuvor war er als Persönlichkeit des Jahres ausgezeichnet worden. Von FIA-akkreditierten Journalisten konnten Kandidaten für diese Wahl vorgeschlagen werden. Zehn davon kamen auf die finale Liste, und über die wurde dann in einem finalen Durchgang abgestimmt. Hamilton gewinnt die Trophäe bereits zum zweiten Mal nach 2014. Erster Preisträger war im Jahr 2013 Robert Kubica. Zuletzt hatte sie dreimal hintereinander Max Verstappen gewonnen.

Kimi Räikkönen, der als WM-Dritter ebenfalls geehrt wurde, hatte schon im Vorfeld keinen Hehl daraus gemacht, dass er eigentlich keine Lust auf die FIA-Gala hat. Letztendlich schien er sich dann aber doch gut zu amüsieren - in Begleitung seiner Ehefrau Minttu.

"Ich war schon ein paar Jahre nicht mehr hier. Ist schon irgendwie nett", lachte der Ferrari-Fahrer am roten Teppich - und ergänzte:

"Ist schön, ein paar alte Freunde aus meiner Rallye-Zeit zu treffen!"

Großartig: Betrunkener Räikkönen sorgt für Lacher

Mit denen ließ er es dann offenbar ganz gut krachen. Während der Live-Übertragung war eine Szene zu sehen, in der eigentlich Sebastian Vettel gefilmt wurde - doch aus dem Hintergrund funkte Räikkönen plötzlich absichtlich mit seinen Händen dazwischen. Offenbar genehmigte sich der "Iceman" zur Feier des Tages gerade eine Zigarre. Und danach wohl noch den einen oder anderen Drink.

Denn als er und Vettel für den zweiten und dritten Platz ausgezeichnet wurden, pfiff Räikkönen auf die an dem Abend obligatorischen "Einweiser", die alle Preisträger galant auf die Bühne geleiteten. Ehefrau Minttu lächelte im Publikum etwas verlegen, zahlreiche Smartphones filmten die Szene. Räikkönen fiel einem russischen Funktionär um den Hals, war offensichtlich nicht mehr nüchtern. Vettel hingegen blieb stoisch ruhig.

Ferrari-Neuzugang Charles Leclerc erhielt den Award als FIA-Rookie des Jahres. Allerdings nahm er diesen nicht persönlich entgegen, weil er wegen einer Infektion nicht nach Sankt Petersburg reisen konnte und seinen geplanten Flug kurzfristig absagen musste. Tom Kristensen holte die Trophäe an seiner Stelle ab. Leclerc bedankte sich stattdessen mit einer per Handy aufgezeichneten Videobotschaft (im weißen T-Shirt statt im Smoking) beim Publikum im Saal.

Lauda kann Award nicht selbst abholen

Der von FIA-Präsident Todt vergebene Sonderpreis ging an das Mercedes-Führungsduo Toto Wolff und Niki Lauda. Wolff nahm den Preis in Abwesenheit von Lauda solo entgegen. "Leider kann Niki heute nicht hier sein", bedauerte er.

"Er sendet beste Grüße. Er erholt sich sehr gut von der Operation, mit den üblichen Höhen und Tiefen. Nächstes Mal wird er wieder selbst dabei sein."

Die erstmals via Facebook live ausgestrahlte FIA-Gala bot übrigens vor beeindruckender Kulisse eine professionell durchgeführte Show in der opulenten Sankt Petersburger Philharmonie, aber das Interesse der Fans hielt sich in Grenzen. Laut Facebook-Einblendung verfolgten den Höhepunkt des Abends, die Ehrung der Formel-1-Weltmeister, gerade mal rund 3.700 Menschen live.

Die Kommentare der Fans, die etwas über die Live-Übertragung posteten, waren dann auch überwiegend negativ. "Was für eine furchtbare Show", schrieb ein Fan, ein anderer meinte, er "schlafe gleich ein", und ein weiterer kommentierte, dass er eigentlich ein anderes Formel-1-Video sehen wollte und nun schrecklich enttäuscht sei.

Auf die russisch geprägten Kunsteinlagen zwischendurch hatten die Formel-1-Fans wohl wenig Lust. Nur der betrunkene Räikkönen sorgte auch in den Kommentaren für gute Laune.

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