Ross Brawn erklärte im Gespräch mit "Mail on Sunday": "Im Auto sind beide absolut herausragende Talente. Außerhalb des Autos könnte ich mir keine zwei unterschiedlicheren Personen vorstellen."

Brawn kennt beide Formel-1-Superstars gut: Mit Schumacher arbeitete er schon zu Benetton-Zeiten zusammen und wechselte mit ihm auch zu Ferrari. Später holte Brawn Schumacher beim Mercedes-Comeback in die Formel 1 zurück. Schließlich trat Hamilton Schumachers Nachfolge im Silberpfeil-Rennstall an, unter Teamchef Brawn.

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"Am Anfang", räumte Brawn ein, "war ich schockiert über Lewis. Ich war an Michael und dessen sehr fokussierte Arbeitsweise gewöhnt. Er hatte nur wenige Ablenkungen zugelassen und war ein ziemlicher Familienmensch. Lewis dagegen, mit seiner Reiserei, der Musik, den Modeschauen - das erschien mir seltsam."

Brawn beschrieb Hamilton als "deutlich extravaganter", sagte aber auch: "Er hat aber unter Beweis gestellt, dass das Teil seiner Erfolgsstory ist. Und inzwischen wird das auch so anerkannt."

Brawn: Das zeichnet Hamilton und Schumacher aus

Bei Schumacher habe man diesen Willen, diese Verbissenheit "sofort gesehen", meinte Brawn. "Bei Lewis, von außen betrachtet, war das nicht so sehr der Fall." Hamilton, so sagte Brawn, habe dieser Seite seiner Persönlichkeit "eher versteckt".

"Wenn man aber mal seinen Stil gewohnt war, dann erkannte man ein unbedingtes Verlangen, im Motorsport erfolgreich zu sein. Und beide stellen im Rennauto Sachen an, die nur wenige überhaupt schaffen: die eine herausragende Runde."

Schumacher und Hamilton hätten es in ihrer Zeit mit Brawn am Kommandostand hervorragend verstanden, dann schnell zu sein, als es darauf ankam. "Sie finden immer noch irgendwas, und keine Ahnung wo", erklärt Brawn. "Und das lässt die Gegner in der Boxengasse verblüfft dastehen."

Schumachers "Arroganz" sollte Unsicherheiten überspielen

Ebenso verblüffend sei aber, wie verletzlich Hamilton oder Schumacher als Person seien, abseits des reinen Renngeschehens, meint Brawn. Und Schumacher habe sich in seiner Erfahrung sogar als der verletzlichere von beiden erwiesen.

"Auf den ersten Blick würde man sagen, er war stärker, vielleicht sogar arrogant, aber da gab es viele Unsicherheiten bei ihm. Deshalb war er so besessen von seinem Fahren", so der heutige Formel-1-Sportchef.

Schumacher habe einen "Wohlfühlfaktor" gebraucht, "die richtigen Leute um sich herum, eine Gruppe, die ihm Halt gab", meint Brawn. Das seien "Leute wie Jean Todt, ich, Rory [Byrne]" gewesen. Auch deshalb sei Schumacher in seiner Ferrari-Zeit zu wahrer Höchstform aufgelaufen.

Brawn: "Hamilton ist nicht so sehr von Personen abhängig"

"Lewis dagegen ist nicht so sehr von Personen abhängig, würde ich meinen. Seine weiteren Leidenschaften im Leben mögen ihm mehr Durchhaltewillen verschaffen. Als Michael 2006 bei Ferrari aufhörte, da war er ein bisschen erschöpft. Lewis aber fährt so gut wie eh und je."

Und jetzt hat Hamilton den Formel-1-Siegrekord von Schumacher eingestellt und ebenfalls 91 Grand-Prix-Erfolge erzielt. Mit der Chance, noch in diesem Jahr auch bei der Anzahl der WM-Titel mit "Schumi" gleichzuziehen und den Deutschen in naher Zukunft sogar zu überholen.

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