Anstatt ausgelassen mit Familie und Freunden zu feiern, sollte sich der Ferrari-Star am Montag für seinen umstrittenen Rammstoß gegen seinen WM-Rivalen Lewis Hamilton verteidigen.
Place de la Concorde, Showdown in Paris - am Sitz des Automobil-Weltverbandes FIA wurde über das weitere Vorgehen im Fall Vettel verhandelt. Zu den Details zum Ablauf schwiegen sich beide Parteien aus, aber es sickerte immerhin durch, dass FIA-Präsident Jean Todt Vettel zu einem Gespräch gebeten hatte. Wann genau eine Entscheidung verkündet wird, ist unklar. In einem Statement hieß es lediglich, dass bis zum Grand Prix von Österreich (9. Juli) mit einem Ergebnis zu rechnen ist.

Zu viele Punkte im Strafregister

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"Die Leute wollen doch, dass wir mit Ellenbogen fahren. Dafür sind wir hier", hatte der WM-Führende Vettel nach dem Vorfall in Aserbaidschan gesagt, schon die Zehn-Sekunden-Zeitstrafe für seinen Rempler hatte der Ex-Weltmeister da nicht verstanden. Doch nun könnte es noch unangenehmer werden, denn Vettel gilt bei der FIA als Wiederholungstäter. Der Heppenheimer hat bereits neun Strafpunkte in den vergangenen zwölf Monaten gesammelt, bei zwölf innerhalb eines Jahres folgt automatisch eine Sperre für ein Rennen.
Zudem sind der FIA auch noch die Vorkommnisse vom vergangenen Jahr in Erinnerung, als Vettel beim Großen Preis von Mexiko mit drastischen Beschimpfungen gegen Red-Bull-Fahrer Max Verstappen und Rennleiter Charlie Whiting ("Fuck you Charlie, fuck you") unangenehm aufgefallen war. In Sotschi zeigte er Williams-Pilot Felipe Massa zuletzt aus seinem Cockpit den Mittelfinger. Sollte Vettel in Österreich wirklich fehlen, droht ihm auch der Verlust der Führung in der WM-Wertung - derzeit liegt er 14 Punkte vor Hamilton.
"Aus meiner Sicht ist das Verhalten von Vettel untragbar. Wenn er sich so etwas auf der Straße leisten würde, wäre er seinen Führerschein los", sagte der langjährige FIA-Präsident Max Mosley angesprochen auf die Rambo-Attacke. Ross Brawn aus der Führung der Formel 1 ist da etwas milder:
So etwas hätte nicht passieren dürfen. Sebastian hat etwas getan, das er lieber hätte lassen sollen. Aber er hat seine Strafe erhalten.

Rettet der packende WM-Kampf Vettel vor einer Sperre?

Muss Vettel nun tatsächlich noch eine nachträgliche Sperre fürchten? Das gilt als eher unwahrscheinlich, denn die FIA dürfte kaum aktiv in den WM-Kampf eingreifen wollen, zudem verhängten die Sportkommissare in Baku bereits während des Rennens eine Zehn-Sekunden-Strafe gegen den Deutschen, der Hamilton während einer Safety-Car-Phase ins Auto gefahren war.
Vettel hatte zuvor fälschlicherweise angenommen, Hamilton habe ihn absichtlich ausgebremst - und Vettel war ihm ins Heck gefahren. Danach "revanchierte" er sich für das Manöver. "Die Strafe stand in keinem Verhältnis zu seiner unfairen, überzogenen emotionalen Reaktion", sagte Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams, der Welt am Sonntag:
Ich verstehe nicht, dass Sebastian seinen Fehler trotz der eindeutigen Faktenlage nicht erkennt.
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