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Formel 1: Ziemlich beste Feinde - Mercedes und Ferrari sticheln im Titelkampf

"Sollte wissen, wie man verliert": Ferrari schießt gegen Mercedes zurück
Von SID

09/07/2018 um 13:56Aktualisiert 09/07/2018 um 14:01

Die karierte Flagge hatte den Auswärts-Triumph von Sebastian Vettel besiegelt, doch beendet war dieser Grand Prix in Silverstone längst noch nicht. Eine Debatte über Rammstöße von Ferrari, über Absicht oder Zufall und schmutzige Tricks im Titelkampf entbrannte, losgetreten von Lewis Hamilton und Mercedes - bei der Scuderia traute man seinen Ohren nicht.

"Man sollte anständig sein, man sollte wissen, wie man verliert", schnaubte Maurizio Arrivabene, Vettels Teamchef bei Ferrari. Die ziemlich zugespitzte Frage "Absicht oder Unvermögen?" aus dem Silberpfeil-Lager hatte den 61-Jährigen derart erzürnt.

Überliefert hatte die provokanten Worte ausgerechnet Mercedes-Motorsportboss Toto Wolff: Sein Technikchef James Allison habe diese Frage in den Raum gestellt, als Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen gerade mit einem tollpatschig-fahrlässigen Crash Hamiltons Siegchancen minimiert hatte. Wolff sagte das flapsig und mit einem Lächeln im Gesicht.

Doch bei Arrivabene kam nur der Inhalt an. "Wenn er das wirklich so gesagt hat, dann sollte er sich was schämen", sagte Arrivabene über seinen früheren Mitarbeiter Allison: "Wir sind doch hier in England, da kann man lernen, wie sich ein Gentleman verhält. Er sollte damit anfangen."

Auch Hamilton kritisiert Ferrari

Schon Hamilton, der so gerne seinen fünften Heimsieg in Serie gefeiert hätte, hatte gleich nach dem Rennen in eben diese Richtung gestichelt - und dabei weit weniger freundlich geschaut als Wolff. "Interessante Taktik", sagte der 33-Jährige in Richtung Ferrari und nahm damit auch Bezug auf das Frankreich-Rennen vor zwei Wochen, als Vettel schon Valtteri Bottas im anderen Mercedes abgeschossen hatte.

Der WM-Spitzenreiter selbst schüttelte angesichts der Andeutungen nur den Kopf. "Albern" und "unnötig" sei es, überhaupt darüber nachzudenken. Und damit hatte der 31-Jährige Recht. Das wird schon beim Blick auf die beiden Vorfälle klar. Vettel hatte in Frankreich einen kleinen Fahrfehler begangen und dann keinen Platz mehr, zudem beschädigte er sich auch den eigenen Flügel.

Räikkönen verlor nun ebenfalls deutlich die Kontrolle über sein Auto, der Unfall des Finnen wirkte noch unnötiger als der seines Teamkollegen, die britische Daily Mail nannte ihn einen "roten Autoscooter". Allerdings hätte auch Räikkönen in dieser Szene mit ein wenig Pech selbst ausscheiden können. Mit absichtlichen Unfällen den Rennausgang positiv zu beeinflussen "wäre ehrlich gesagt ziemlich schwierig", so Vettel.

Mercedes relativiert die Aussagen

Auch bei Mercedes merkte man wohl schnell, dass die in der Hitze des Gefechts getätigten Aussagen nicht wirklich glücklich waren. Hamilton zog seine Andeutungen schon bei der zweiten Nachfrage zurück ("Ich habe keine Bedenken"), und Wolff beharrte darauf, dass seine TV-Interviews überbewertet wurden - und ohnehin alles ein Scherz gewesen sei.

Die Aufregung nach dem Rennen zeigte wohl vor allem eins: Im engsten Titelkampf seit Jahren sind die Nerven angespannt, und gerade Mercedes hat momentan ja durchaus Anlass zur Dünnhäutigkeit. Der direkte Konkurrent verursachte in den vergangenen drei Rennen zwei Unfälle, das kostete wertvolle Punkte. Und dazwischen lag das Debakel von Spielberg mit dem technisch bedingten Ausfall beider Silberpfeile.

Zudem scheint Ferrari nicht mehr das Team der vergangenen Jahre zu sein, die Scuderia hat bislang stets eine Antwort im Entwicklungsrennen mit Mercedes. Vielleicht auch deshalb gab sich Arrivabene am Ende seiner Wutrede schon wieder ein bisschen versöhnlich. "Wenn es ein Witz war, dann werden wir alle darüber lachen", sagte er: "Wenn es keiner war, gilt alles, was ich gesagt habe."

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