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GP Großbritannien - Sebastian Vettel feiert Ferrari-Sieg in Silverstone

"Grande, Seb!": Vettel wildert in Hamiltons Revier
Von SID

08/07/2018 um 17:24

Sebastian Vettel hat beim Großen Preis von Großbritannien einen Husarenritt im Ferrari hingelegt. Vier Runden vor Schluss zog er an Valtteri Bottas (Mercedes) vorbei, setzte sich an die Spitze und triumphierte. Zweiter wurde Lokalmatador Lewis Hamilton im Mercedes vor Kimi Räikkönen (Ferrari). Damit baut Vettel seine WM-Führung in der Fahrerwertung gegenüber Hamilton weiter aus.

Ein angeschlagener Sebastian Vettel hat im Revier seines großen Rivalen eine Heldengeschichte geschrieben - und Lewis Hamilton damit ein bitteres Heimspiel beschert. Der Ferrari-Pilot gewann den höchst spannenden Grand Prix in Silverstone trotz Nackenproblemen und baute seine WM-Führung aus - Hamilton im Mercedes wurde vor rund 120.000 britischen Fans Zweiter. Ausgerechnet Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari hatte ihn früh von der Strecke gerammt.

"Ich hatte Sorge, ob ich das Rennen beenden kann, aber mit all dem Adrenalin ging es", sagte Vettel, der von Nackenschmerzen gehandicapt war: "Ich bin sehr zufrieden. Was für ein toller Tag."

Hamilton im Mercedes wurde vor rund 120.000 britischen Fans Zweiter. Ausgerechnet Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari hatte ihn früh von der Strecke gerammt.

Sichtlich bedient, suchte Hamilton im Parc ferme das Weite, anstatt sich den obligatorischen Kurz-Interviews zu stellen. Erst auf dem Podium erklärte er: "Wir werden weiter pushen. Ich werde nicht aufgeben. Interessante Taktik von ihrer Seite, würde ich sagen. Aber wir werden tun, was wir können, um sie zu bekämpfen."

Ferrari überlässt nichts dem Zufall

Räikkönen, der sogleich alle Schuld am Unfall auf sich nahm, wurde als Dritter bei der Siegerehrung von einigen Hamilton-Fans ausgebuht. Vettel dagegen erklärte triumphierend: "Ich hatte Sorge, ob ich das Rennen beenden kann, aber mit all dem Adrenalin ging es. Ich bin sehr zufrieden. Was für ein toller Tag."

Der Finne wurde nach einer berauschenden Schlussphase der beiden Topteams Dritter vor seinem Landsmann Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Nico Hülkenberg im Renault holte einen starken sechsten Rang. Vettel reist nun mit acht Punkten Vorsprung auf Hamilton zu seinem Heimspiel nach Hockenheim (22. Juli) - und der Engländer muss nach zuletzt vier Silverstone-Siegen in Serie erst mal diesen unerwarteten Rückschlag verkraften.

Denn vieles sprach für ihn. Im freien Training hatte ein Zwischenfall für "große Schmerzen" bei Vettel gesorgt, "vielleicht eine komische Bodenwelle oder eine ungewöhnliche Lenkbewegung". Seine Physiotherapeuten machten ihn fit genug für das Qualifying und Startplatz zwei.

Mit Spannung wurde aber erwartet, wie er am Sonntag die 300 Rennkilometer auf dem Hochgeschwindigkeitskurs überstehen würde. Und Ferrari überließ nichts dem Zufall. Mit Kinesio-Pflastern auf beiden Seiten des Nackens stieg Vettel in sein Auto, zudem wurde die Cockpitumrandung auf allen Seiten sichtbar ausgepolstert. Das Ziel: Vettels Kopf so gut wie möglich zu fixieren, um die Nackenmuskulatur zu entlasten.

Zu Beginn des Rennens war diese Vorgeschichte dann aber zunächst schnell vergessen. Hamilton kam überhaupt nicht gut weg, und Vettel zog mit einem starken Start vor den Augen der britischen Fans auf der Haupttribüne locker am Konkurrenten vorbei.

Probleme mit dem linken Vorderreifen

Hamilton musste sich nun mit Räikkönen herumschlagen, und der Finne verbremste sich in Kurve drei folgenschwer: Er schoss Hamilton von der Strecke und sorgte dafür, dass der 33-Jährige ans Ende des Feldes zurückfiel. Räikkönen erhielt wenig später eine Zehn-Sekunden-Strafe, Hamilton musste sich von diesem frühen Schock erholen - und nahm einen Teil der Schuld durchaus auf sich.

"Es tut mir so leid, Jungs", funkte Hamilton an die Box, denn durch seinen Fehlstart hatte er das Drama überhaupt erst ermöglicht. Der Brite steckte allerdings nicht auf. Schon nach zwölf Runden lag er auf dem sechsten Rang.

An der Spitze flog Vettel förmlich davon und fuhr bald einen Abstand von rund sechs Sekunden auf Bottas heraus. Dann allerdings meldete Vettel Probleme mit dem linken Vorderreifen und musste vor der Rennhalbzeit an die Box. Auch Bottas kam wenig später rein, beide lagen nun kurzzeitig knapp vor Hamilton, der noch nicht gestoppt hatte. Durch seinen Reifenwechsel fiel er dann wieder auf den sechsten Platz zurück.

"Grande, Seb!"

Das Rennen schien nun gelaufen - doch dann krachte Sauber-Pilot Marcus Ericsson heftig in die Streckenbegrenzung, das Safety Car rückte aus. Anders als Ferrari und Red Bull verzichtete Mercedes nun bei beiden Piloten auf einen Reifenwechsel, das Feld wurde durcheinander gemischt. Bottas führte dicht vor Vettel und Hamilton. Und nur kurz nach der Freigabe des Rennens sorgte dann ein Unfall von Carlos Sainz jr. (Renault) und Romain Grosjean (Haas) für die nächste Safety-Car-Phase.

Was nun folgte, war die großartigste Schlussphase der laufenden Saison. Bottas vor Vettel vor Hamilton vor Räikkönen, in dieser Reihenfolge rasten die beiden Topteams durch die letzten Runden, um jede Position wurde hart gekämpft - und Vettel schob sich fünf Runden vor Schluss mit einem spektakulären Manöver auf Rangs ein. "Grande, Seb!", brüllte sein Renningenieur in den Funk. Am Ende konnten auch Hamilton und Räikkönen noch an Bottas vorbeigehen.

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