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Schrecklicher Peroni-Unfall befeuert Sicherheitsdebatte in der Formel 1

Schrecklicher Peroni-Unfall befeuert Sicherheitsdebatte in der Formel 1
Von Eurosport

08/09/2019 um 12:17Aktualisiert 08/09/2019 um 12:28

Das Thema Sicherheit bleibt in der Formel 1 auch eine Woche nach dem tragischen Tod des französischen Formel-2-Fahrers Anthoine Hubert aktuell. In Monza entging die Formel 3 nur knapp einer Katastrophe. In einem beängstigend hohen Bogen war der Wagen von Formel-3-Pilot Alex Peroni beim Rennen in Monza in die Luft geschleudert worden. Er überstand den Unfall wie durch ein Wunder unverletzt.

Alex Peroni überschlug sich mehrfach, krachte mit hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung und kam dort schwer demoliert zum Stillstand. Irgendwo zwischen Begrenzungszaun und grünen Reifenstapeln schwebte der Schutzengel von Alex Peroni und verrichtete Schwerstarbeit.

Peroni-Unfall befeuert Sicherheitsdebatte

Verantwortliche und Zuschauer zuckten zusammen, eine Woche nach dem tragischen Tod des französischen Formel-2-Piloten Anthoine Hubert (22) in Belgien machten sich erneut Sorge und Angst breit. Dass der 19-jährige Australier Peroni mit einem Wirbelbruch und einer Gehirnerschütterung noch glimpflich davonkam, ja, seinen Boliden sogar selbstständig verlassen konnte - ein kleines Wunder.

Der Motorsport konnte aufatmen. Und auch der Formel 1, in deren Rahmenprogramm die Formel 3 ihre Rennen austrägt, blieb ein weiteres Wochenende des Schmerzes, eine weitere Schweigeminute erspart. Der Sicherheitsdebatte gab Peronis Crash dennoch neue Nahrung.

"Der Motorsport ist gefährlich, nicht mehr so wie früher, aber noch immer gefährlich", sagte FIA-Präsident Jean Todt in Monza. Der Franzose wollte eigentlich Werbung für eine FIA-Kampagne zur Förderung der Sicherheit im Straßenverkehr ("3500 Lives") machen. Nachfragen zur Lage im Rennsport blieben ihm dennoch nicht erspart.

Formel 1 hat aus Unfällen gelernt

"Wir sind nicht glücklich", sagte Todt, "jedes Opfer ist eines zu viel. Wir müssen daraus lernen." Hundertprozentige Sicherheit gebe es aber leider nicht, "man kann sich nicht gegen alles schützen", so Todt, der etwas gewagt argumentierte, dass doch der Profi-Radsport gefährlicher sei als der Motorsport.

Die Formel 1 hat viel aus ihren zahlreichen Tragödien gelernt, die Hightech-Rennwagen sind gespickt mit Sicherheitstechnik. Kohlefaser-Monocoques, der Nackenschutz HANS oder der aus Titan gefertigte Schutzbügel Halo über dem Cockpit - all das soll das Risiko für die Fahrer minimieren.

Nach dem tödlichen Unfall Huberts begann die FIA mit der Untersuchung des Sicherheitskonzepts. Ob es Veränderungen gibt, ist noch offen. Ein Ansatz scheinen die asphaltierten Auslaufzonen zu sein, die die Risikobereitschaft steigern, da sie Fehler eher verzeihen als Gras oder Kies.

Über dem Limit fahren

Hubert hatte in Spa im asphaltierten Auslauf der Eau-Rouge-Senke eingangs der Highspeed-Passage Raidillon die Kontrolle über sein Auto verloren. Bei dem Versuch, seinem langsamer werdenden Landsmann Giuliano Alesi auszuweichen, geriet er ins Schleudern und löste damit eine fatale Kettenreaktion aus.

In Monza wurde Peroni nach dem Überfahren eines hohen Randsteins in der Parabolica-Kurve in die Luft geschleudert. Dieser war installiert worden, damit die Piloten nicht in die Auslaufzone und damit zu weit außen fahren, um sich einen irregulären Tempovorteil auf der Start-und-Ziel-Geraden zu holen.

Der Kerb wurde nach dem Unfall eilig abmontiert. Am Design der Strecke gab es aus der Formel 1 trotzdem grundsätzliche Kritik. "Mir gefiel das frühere Kiesbett an der Stelle besser", sagte Ferrari-Star Charles Leclerc. Mercedes-Weltmeister Lewis Hamilton pflichtete ihm bei:

"Du kannst nun über das Limit gehen, das ist für mich das größte Problem mit all diesen asphaltierten Auslaufzonen."

Es bleibt zu hoffen, dass der Motorsport nicht schon bald den nächsten Verlust zu beklagen hat. Der bei dem Unfall in Spa schwer verletzte US-Amerikaner Juan Manuel Correa (20) hat mit neuen Komplikationen zu kämpfen. Correa erlitt ein akutes Lungenversagen, er ist nicht bei Bewusstsein und muss künstlich beatmet werden. Sein Zustand ist laut Familie "kritisch, aber stabil".

FIA-Präsident Todt drückte es so aus: "Er kämpft um sein Leben."

(SID)

Video - Unglaublicher Massencrash: Elf Autos in einer Kurve raus!

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