Was aber hatte sich Alonso zuschulden kommen lassen? Die Sportkommissare des Automobil-Weltverbands (FIA) nahmen Anstoß an seiner Verteidigung gegen Valtteri Bottas im Alfa Romeo in der vorletzten Rennrunde. Denn zwischen den Kurven 10 und 12 unternahm Alonso mehrere plötzliche Spurwechsel.
"Einmal musste [Bottas] sogar vom Gas gehen und verlor deshalb an Schwung", erklärten die Sportkommissare. "[Bottas] war zwar zu keiner Zeit neben [Alonso], aber wir halten die Situation trotzdem für einen klaren Regelverstoß." In Anlehnung an einen Präzedenzfall aus Melbourne 2022 sei eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe auszusprechen.
Das geschah mit Verweis auf Artikel 2 b), Kapitel IV, Anhang L des Internationalen Sportkodex der FIA. Dort heißt es unter der Überschrift "Überholen, Fahrzeugkontrolle und Tracklimits" unter anderem: "Bei der Positionsverteidigung ist nur ein einmaliger Spurwechsel erlaubt." Und: "Manöver wie [...] unnormale Richtungswechsel, die andere Fahrer behindern, sind verboten."
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Zusätzlich zur Zeitstrafe sprachen die Sportkommissare einen Strafpunkt aus. Mit nun sechs Strafpunkten steht Alonso aktuell auf P3 der "Strafpunkte-Tabelle" in der Formel-1-Saison 2022. Alleine seit Miami sind vier Strafpunkte auf sein Konto gewandert.

Alpine-Technik ab Runde 20 fehlerhaft

Hätte Alonso das schon direkt nach Rennende gewusst, seine Stimmung bei den anschließenden Medienrunden wäre vielleicht noch schlechter gewesen. Doch der zweimalige Weltmeister wirkte auch so bedient, als er von seinem Grand Prix berichtete: Die Technik hatte ihn nämlich schon im ersten Renndrittel im Stich gelassen.
Er habe "ab Runde 20" mit Batterie-Aussetzern zu kämpfen gehabt, sagt Alonso. "Die Energie blieb schon früh auf den Geraden weg, direkt nach dem Kurvenausgang." Er habe deshalb etwa "acht Zehntel pro Runde" verloren und damit auch die Aussicht, das Rennen in Montreal unter den Top 3 zu beenden.
Denn begonnen hatte der Kanada-Grand-Prix für Alonso ausgesprochen gut: Alonso hatte P2 am Start gegen Carlos Sainz im Ferrari verteidigt, ließ Sainz aber alsbald ziehen und richtete sich auf P3 ein. Nach einem frühen Boxenstopp von Max Verstappen im Red Bull rückte Alonso wieder vor auf Platz zwei, verlor dann aber an Speed und fiel zurück auf P4, von wo aus er in Runde 28 zum ersten Stopp abbog.
Bereits zu diesem Zeitpunkt habe sich abgezeichnet, dass der weitere Rennverlauf äußert schwierig werden würde, denn das Antriebsproblem blieb bestehen. "Wir haben noch versucht, die Sache zu regeln, aber das hat nicht geklappt", meint Alonso.

Das Podium gerät außer Reichweite

Mit seiner eigentlichen Ambition, ein Spitzenergebnis zu erzielen, musste er abschließen. "Zum Glück aber haben wir das Auto nicht aus dem Rennen genommen, sondern noch Punkte geholt", meint Alonso.
"Ich hatte bis dahin gedacht, wir kämpfen um einen Podestplatz. Denn zu Rennbeginn hatte ich mich stark gefühlt im Vergleich zu Hamilton. Wir hatten nicht die Pace von Verstappen und Sainz, aber waren gut genug, um Hamilton und Mercedes zu kontrollieren."
"Mit dem Antriebsproblem aber ging es für uns nur noch ums Durchkommen", meint Alonso. Er habe sich schließlich "nur mit DRS" einigermaßen halten und P7 auf der Strecke sicherstellen können. O-Ton: "Ich fuhr im Kamikaze-Stil in die Kurven vor dem DRS-Messpunkt, denn DRS war dann meine einzige Rettung auf den Geraden."

Alonso beschwert sich: Nur Pech, aber Glück für die anderen

Denn auch der Rennverlauf spielte nicht in seine Karten. Er habe "Pech gehabt" bei den (virtuellen) Safety-Car-Phasen, sagte Alonso. "Als wir uns zum Boxenstopp entschlossen, ging die Safety-Car-Phase gerade zu Ende. Also sind wir draußen geblieben. Zehn Sekunden mehr und es hätte gereicht für den Stopp." So aber hätten "alle hinter uns mal wieder viel Glück" gehabt.
Was Alonso dabei am meisten ärgert: Dass die Technik an seinem Alpine A522 nicht gehalten hat. Er spricht von einem "weiteren Problem mit der Zuverlässigkeit am Auto mit der Nummer 14, und nur dort". Das sei "enttäuschend", meinte Alonso.
Und: "Nach diesem Tag bin ich unterm Strich frustriert."
"Ich bin nämlich hier, um möglichst besser abzuschneiden als P6 oder P7. Ich glaube wirklich, an diesem Wochenende waren wir besser als das. Dass wir hier oder schon zuvor nicht aufs Podium gefahren sind, liegt an der Zuverlässigkeit und vielleicht an Pech mit dem virtuellen Safety-Car."

Alpine: Noch keine Details zum Alonso-Problem

"Glück kannst du nicht kontrollieren. Aber die Zuverlässigkeit der Nummer 14 sollte ein bisschen besser sein", sagte Alonso.
Was genau schiefgelaufen ist am Alonso-Auto, das wusste Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer direkt nach dem Rennen bei "Sky" noch nicht zu sagen: "Es könnte ein Leck im Luftsystem vorliegen, aber das müssen wir uns noch genau anschauen."
Fest stehe dagegen, dass sich sein Team "größere Hoffnungen" gemacht hatte. "Unterm Strich", meint Szafnauer, "ist [das Ergebnis] aber sehr gut. Wir kämpfen ja nicht gegen die Topteams. Und wir haben gute Punkte gegen die Teams geholt, die unsere direkten Gegner sind." Das Rennresultat sei daher als "wirklich sehr gut" einzustufen.
An den Positionen von Alonso und Ocon in der Formel-1-Fahrerwertung und an der Position von Alpine in der Konstrukteurswertung hat sich durch den Kanada-Grand-Prix allerdings nichts verändert.
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