Getty Images

Michael Schumacher und die Sternstunde mit Ferrari in Ungarn 1998

Schumachers Sternstunde: "Die wichtigsten 19 Runden meiner Karriere"
Von SID

26/07/2018 um 16:11

Vor 20 Jahren schlug in der Formel 1 beim Großen Preis von Ungarn die Sternstunde zweier Genies: "Superhirn" Ross Brawn und Michael Schumacher tricksten die Konkurrenz von McLaren strategisch aus, der Ferrari-Star siegte gegen jede Wahrscheinlichkeit. Erinnerungen an eine Symbiose von Denker und Lenker, der später von den "wichtigsten 19 Runden meiner Karriere" sprechen sollte.

Michael Schumacher dachte erst, er hätte sich verhört. Also fragte er noch einmal nach, was die Stimme am Funk da von ihm verlangte. "Wir können gewinnen, wenn du in 19 Runden 25 Sekunden Vorsprung auf die McLaren herausholen kannst", erklärte Technikchef Ross Brawn dem Ferrari-Star.

Der als "Superhirn" bekannte Brawn war der festen Überzeugung, dass der Kerpener in der Lage sein würde, ein Viertel des Großen Preises von Ungarn 1998 wie ein Qualifying zu fahren - und damit die überlegenen McLaren von Mika Häkkinen und David Coulthard trotz eines zusätzlichen Boxenstopps hinter sich zu lassen.

Der Akt zwischen Genie und Wahnsinn am 16. August 1998 glückte - er zählt zu den allergrößten Siegen von Schumacher, auch wenn dieser auf seinen dritten von insgesamt sieben WM-Titeln noch zwei weitere Jahre warten musste.

Brawns Taktik-Kniff war aus der Not geboren

"Das waren die wichtigsten 19 Runden meiner Karriere", sagte Schumacher nach seinem Triumph auf dem Hungaroring. Die überaus unkonventionelle Strategie Brawns war freilich aus der Not heraus geboren: McLaren war mit dem MP4/13 der große Wurf gelungen.

Das Fahrerduo Häkkinen/Coulthard teilte die ersten neun Pole Positions der Saison unter sich auf, in den Rennen konnte Schumacher den Schaden allerdings begrenzen.

Michael Schumacher in Ungarn 1998

Michael Schumacher in Ungarn 1998Getty Images

Vor dem Großen Preis von Ungarn betrug sein WM-Rückstand auf Häkkinen dennoch 16 Zähler - nach der alten Punkteregelung wohlgemerkt, bei der ein Sieg lediglich zehn Zähler wert war. Schumacher musste also Boden gutmachen, um fünf Rennen vor Saisonende seine Titelchancen zu wahren.

Brawns Kniff war letztlich aus höchster Not geboren: Schumacher kam von Startplatz drei nicht an den Silberpfeilen vorbei. Und weil Überholen auf der Strecke in Budapest nahezu unmöglich ist, entschied sich Brawn vor den ersten Überrundungen des Top-Trios für einen frühen ersten Boxenstopp. Zwei weitere kurze Stints folgen, doch die Hauptarbeit musste Schumacher leisten.

Schumacher-Glück: McLaren in Problemen

Der brauchte freie Fahrt, um den Gewichtsvorteil - 1998 war Nachtanken in der Formel 1 noch erlaubt - in schnelle Runden umzumünzen. Schumacher kam zupass, die die McLaren mit beiden Boliden an der konventionellen Zweistoppstrategie festhielten.

"Bis auf 15 Runden war das ein Rennen im Qualifying-Tempo", sagte Schumacher nach seinem 32. Formel-1-Sieg, der sogar noch wertvoller wurde, weil Häkkinen in der Endphase des Rennens mit einer verklemmten Aufhängung zu kämpfen hatte und sich nur auf den sechsten Platz retten konnte.

Da war Schumacher aber ohnehin schon auf und davon.