Vor sieben Jahren war Fernando Alonso in Ungarn (Juli 2014) im Ferrari Zweiter geworden und hatte damals zum bis dato letzten Mal auf dem Podium in der Königsklasse des Motorsports gestanden. Zwischen den beiden Podestplätzen lagen mehr als 100 Rennen und ganze 2674 Tage.
"Es fühlt sich gut an", sagte Alonso nach dem 98. Podium seiner F1-Karriere. "Unglaublich. Sieben Jahre. Aber endlich haben wir es geschafft. Wir waren einige Male nah dran, aber nie nah genug", freute sich der Weltmeister von 2005 und 2006 nach dem Rennen.
Schon beim Sensationssieg seines Teamkollegen Esteban Ocon in Ungarn im vergangenen August war der Spanier als Vierter auf Tuchfühlung mit dem Podest gewesen, hatte damals aber erst nachträglich von einer Disqualifikation von Sebastian Vettel profitiert.
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Ganze neun Jahre liegt es sogar zurück, dass mit Michael Schumacher vor Alonso zuletzt ein Ü40-Pilot auf ein F1-Podest fuhr. 2012 war der Rekordweltmeister beim Großen Preis von Europa auf Rang drei ins Ziel gekommen. Kurios: Damals gewann Alonso das Rennen in Valencia.
Vor Schumacher war mit Nigel Mansell 1994 in Australien zuletzt ein Fahrer auf dem Podium gestanden, der älter als 40 Jahre war. Alonso ist der damit erst der dritte Ü40-Fahrer auf einem Podium in den vergangenen 35 Jahren.

Alonso: "Dachte eigentlich, dass ich führen könnte"

Rein sportlich profitierte Alonso zu Rennbeginn von den Strafversetzungen gegen Max Verstappen und Valtteri Bottas. Dadurch rückte Alonso in der Startaufstellung bereits auf Rang drei nach vorne und arbeitete sich direkt in der ersten Runde an Pierre Gasly vorbei. Kurz darauf warf er auch noch Verstappen die Tür kompromisslos zu. Doch insgeheim hatte er sich sogar mehr ausgerechnet.
"Ich dachte eigentlich, dass ich nach der ersten Runde führen könnte", sagte Alonso, der wie Gasly mit weichen Reifen gestartet war, Lewis Hamilton auf der Poleposition jedoch auf den Mediums. Doch zu einem Angriff auf den Mercedes reichte der Gripvorteil dann doch nicht aus.
Danach raste von hinten zwar Verstappen heran, gegen den sich Alonso auch gar nicht groß wehrte. Für den Rest des Rennens hatte er allerdings eine gute Pace. Alpine setzte bei Alonso und Teamkollege Esteban Ocon jeweils auf eine Einstoppstrategie, was sich schließlich als richtiger Schritt herausstellen sollte.

Bottas verabschiedete sich mit Reifenschaden

Zwischenzeitlich sah es so aus, als müsste sich Alonso im Kampf um das Podium Bottas beugen. Der Finne war auf derselben Strategie unterwegs und hatte vor seinem Stopp bereits genug Vorsprung herausgefahren, um nach dem Reifenwechsel vor dem Spanier bleiben zu können. Doch bei Bottas platzte der Reifen, er fiel zunächst weit zurück und musste schließlich aufgeben.
Somit war der Weg für Alonso fast frei. Einzig Sergio Perez war noch eine Bedrohung. Der Mexikaner war auf einer Zweistoppstrategie unterwegs und holte in den letzten Runden mit frischeren Reifen deutlich auf. Über Funk wies Alonso sein Team an, Teamkollege Ocon, der zu diesem Zeitpunkt noch zwischen beiden lag, klarzumachen, er solle "wie ein Löwe kämpfen".
Und Ocon wehrte sich tatsächlich mit allen Mitteln, konnte Perez aber nicht aufhalten. Ein spätes virtuelles Safety-Car rettete Alonso dann - und das im doppelten Sinne. Denn nach den Reifenplatzern bei der Konkurrenz zuvor gab es enorme Befürchtungen bei Alpine, dass Alonso ebenfalls der Pirelli um die Ohren fliegen könnte. "Es war eine Frage von wenigen Kurven, ob wir es packen oder nicht", sagte Exekutivdirektor Marcin Budkowski.

Alpine ging Risiko ein

Doch ein Sicherheitsstopp hätte Alonso weit nach hinten geworfen. "Wir haben niemanden in Gefahr gebracht. Aber wir wussten, dass wir unser Rennen riskieren. Wir wussten aber auch, wenn wir wechseln, bringt uns das gar nichts", erklärte Budkowski. Der Schlüssel sei es gewesen, den Randsteinen fernzubleiben.
Der Poker ging auf, Alonso brachte den dritten Platz nach Hause - und wurde von den Fans zum Fahrer des Tages gewählt. "In einer Karriere gibt es immer Aufs und Abs. Ich hatte vor zwei, drei Jahren wundervolle Momente, die Siege in Le Mans, der WM-Titel in der Langstrecken-WM. Aber jetzt zurückzukommen, in Vorbereitung auf die neuen Regeln für 2022, und am Ende des Jahres dieses Podium zu holen, ist wirklich toll", sagte Alonso.
Für Budkowski war Alonsos Podium "lange überfällig. Ich denke, jeder wird zustimmen, dass er sich durch seine Leistung dieses Jahr dieses Podium verdient hat." Dieser dritte Platz und Rang fünf durch Ocon katapultierten Alpine in der Konstrukteurs-WM auf einen Vorsprung von 25 Punkten auf AlphaTauri.
"Wir hätten das nicht erwartet. Wir dachten eigentlich, dass es hier, in Saudi-Arabien und dann in Abu Dhabi viel enger sein würde", sagte Alonso: "Dieser Abstand von 25 Punkten macht die Dinge für uns etwas einfacher, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen." Für eine kleine Feier zu Ehren des Fahrer des Tages dürfte es aber wohl noch reichen.
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