"Das ganze Wochenende war ein Albtraum. Der Grip ist der schlechteste, den ich je gesehen habe. Zehnmal schlechter als auf den andere Strecken", haderte Lewis Hamilton. Zwar haben es andere Teams hinbekommen, Mercedes jedoch nicht: "Wir haben alles gegeben, und das war das schnellste, was wir gehen konnten", so der WM-Führende.

Überraschend war nicht nur der Fakt, dass erstmal seit 2013 kein Mercedes im Qualifying unter die Top 5 fuhr, sondern vor allem auch der immense Rückstand, den sich die beiden Silberpfeil-Piloten einhandelten. 4,8 Sekunden fehlten Hamilton auf die Pole-Position, 5,5 Sekunden waren es bei Bottas.

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Für Valtteri Bottas war das Hauptproblem vor allem, dass man sich in Q3 zu spät entschieden hat, auf Intermediates zu gehen. Während etwa die beiden Racing Point schon früh die Intermediates hatten und diese warmfahren konnten, wechselte man bei Mercedes zu spät. "Ich habe die Reifen nicht zum Arbeiten gebracht. Das hat einen Unterschied von vielen Sekunden gemacht", sagte der Finne.

Überhaupt waren die Reifen generell das Problem von Mercedes am Samstag. Zu keinem Zeitpunkt bekam man die Pneus wirklich auf Temperatur. "Dann ist es wie Plastik", erklärte Bottas. "Die Reifen sind das einzige, was das Auto mit der Strecke verbindet. Und da ist es egal, welches Auto auf den Reifen steckt, wenn sie nicht funktionieren."

Wolff kontert Marko: "Haben uns gar nicht sicher gefühlt"

Bislang war das Reifenmanagement des Teams in dieser Saison die große Stärke, doch genau das hat Mercedes heute gebissen, meinte Motorsportchef Toto Wolff: "Wir waren eigentlich über den Saisondurchschnitt immer recht gut, die Temperaturen recht tief zu halten - besonders auf den Hinterreifen", sagte der Österreicher. "Und das ist uns heute nicht zum Vorteil gewesen."

Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko hatte nach dem Qualifying geätzt, dass sich Mercedes zu sicher gewesen sei. Deswegen seien sie auch im dritten Training kaum Runden gefahren. Doch das verneinte Wolff: "Wir haben uns gar nicht sicher gefühlt", winkte er ab. "Wir haben gewusst, dass wir ein Temperaturproblem haben. Das ist heute zum Tragen gekommen."

Für die Fahrer war dann wenig zu machen. Denn mit seiner Leistung an sich war Hamilton eigentlich zufrieden. "Ich habe mich nicht gedreht, habe im Grunde keine Fehler gemacht, von daher bin ich glücklich über meine Leistung", sagte er. Das galt aber nicht für Bottas: "Das war nicht gut genug", sagte er über seine eigene Performance. "Ich bin froh, dass ich die meiste Zeit auf der Strecke bleiben konnte, aber viel Spaß hat das trotzdem nicht gemacht."

Wolff versuchte derweil das Positive in der Niederlage zu sehen: "Ein guter Tag für uns zu lernen", sagt er. "Das ist das erste Rennen, das irgendwie nicht so läuft. Wir werden stärker hervorgehen."

Hamiltons Ziel für den Türkei-GP: Auf der Strecke bleiben

Das ist für die Konkurrenz zu befürchten. Auch schon morgen im Rennen? "Das wird nicht einfach, das ist klar", sagte er, betonte aber: "Ich glaube schon, dass wir ein paar Positionen nach vorne gutmachen können. Wir können es sicher besser machen als heute."

Auch Bottas glaubt, dass Racing Point und Red Bull im Rennen durchaus schlagbar sein werden. "Das Rennen ist eine andere Geschichte. Heute ging es um Performance über eine Runde, aber im Rennen haben wir normalerweise ein gutes Auto", so der Finne. "Es wird mit Sicherheit ein aufregendes Rennen. Ich freue mich darauf."

Hamilton sprach hingegen vor allem von einem Ziel: "Auf der Strecke bleiben! Keine Ahnung. Einfach auf der Strecke bleiben!" Vor allem wenn es regnen sollte, werde es äußerst schwierig und kein Spaß. "Normalerweise mag ich das, aber hier funktionieren die Reifen nicht. Du fährst die ganze Zeit mit kalten Reifen", ärgerte er sich und will sich nicht unbedingt in Geduld üben.

"Ich muss die Möglichkeiten ergreifen, wenn sie vor mir liegen", so Hamilton.

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