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Einfrieren von Komponenten: So will die Formel 1 Kosten sparen

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Lewis Hamilton im Mercedes vor Max Verstappen im Red Bull

Fotocredit: Getty Images

VonMotorsport-Total.com
28/05/2020 Am 20:30 | Update 28/05/2020 Am 20:31

Um die Kosten zu senken, haben sich die Formel-1-Teams darauf geeinigt, einige Komponenten für die Saisons 2020 und 2021 einzufrieren. Wie das genau funktionieren wird, ist seit gestern im neuen Technischen Reglement festgehalten. Allerdings gibt es dank eines Token-Systems durchaus Möglichkeiten, einige der homologierten Teile zu entwickeln.

Die Teams können selbst entscheiden, welche Elemente sie überarbeiten wollen, müssen das aber mit Zustimmung der FIA tun.

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Ein Großteil des Autos inklusive der meisten Aerodynamik-Elemente kann jedoch weiterhin frei entwickelt werden. Wie bei den neuen Regeln, die offiziell auf 2022 verschoben wurden, will man die "sexy" Bereiche offen lassen, die Fans auch sehen können.

Der Rest wird ab einem bestimmten Moment der Saison 2020 homologiert und für den Rest der Saison und 2021 so genutzt werden, wie er ist. Diese Komponenten werden als "homologierte Komponenten" (HC) bezeichnet.

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Die Regeln für 2020

Für 2020 gibt es zwei mögliche Freeze-Termine:

a) "Der früheste Zeitpunkt zwischen dem Datum des ersten Trainings des ersten Events 2020 oder dem 1. September. Dieses Datum wird R1-2020 bezeichnet."

b) "Der früheste Zeitpunkt zwischen dem Datum des ersten Trainings des achten Events 2020 oder dem 15. Oktober 2020. Dieses Datum wird Mid-2020 bezeichnet."

Im Grunde werden wichtige Komponenten wie Chassis und Getriebe, die sich ohnehin kaum ändern, zum Zeitpunkt R1-2020 eingefroren. Einige Aerodynamiken, Aufhängung und andere Teile, die normalerweise stärker entwickelt werden, werden später eingefroren.

Bestimmte Änderungen sind auch nach dem Einfrieren noch möglich

Wie üblich gibt es aber auch einige Ausnahmen, warum Veränderungen nach dem Freeze-Datum vorgenommen werden dürfen. Dazu zählen: Minimale Änderungen aus Sicherheits-, Zuverlässigkeits- und Kostengründen, Änderungen für den Komfort des Fahrers oder für einen neuen Fahrer sowie Änderungen aufgrund von Regeländerungen, Legalitätsanpassungen oder die Installation von vorgeschriebenen Komponenten der FIA.

Dabei wird aber festgelegt, "dass die modifizierten HCs in solchen Fällen keine Verbesserung in Sachen Performance oder Gewicht haben dürfen." Zudem müssen die Teams für eine Modifikation die Erlaubnis der FIA einholen und alle Details übermitteln.

"Die FIA muss vollkommen zufriedengestellt sein, dass die Gründe für die angestrebte Modifikation die sind, die der Teilnehmer angegeben hat, und dass die Modifikationen mit der Intention des Artikels übereinstimmen, bevor sie ihre Zustimmung für die vorgeschlagenen Änderungen gibt", heißt es im Regelwerk weiter.

Das Token-System

Teams dürfen zwei Token einsetzen, um Komponenten nach der Einfrierung noch einmal zu verändern. Dafür müssen sie aber drei Schritte einhalten, deren Deadline als D1, D2 und D3 bezeichnet werden.

D1: Absichtserklärung an die FIA mit einer kurzen Begründung
D2: Mitteilung an die FIA über die volle Spezifikation der Veränderung
D3: Mitteilung an die FIA mit dem detaillierten Plan

Je nachdem, ob es sich um ein Element von R1-2020 oder Mid-2020 handelt, unterscheiden sich die Deadlines. D1 für Ersteres ist fünf Tage nach dem Shutdown, für Letzteres ist es der Mittwoch nach dem dritten Event 2020, aber nicht später als der 1. Oktober 2020.

Token können nur einmal gesetzt werden

Die FIA legt den Teams nahe, absolut sicher zu sein, ob sie ihre Token einsetzen möchten, denn eine zweite Chance gibt es nicht, sollten sie sich doch entschließen, eine andere Route einzuschlagen. Sollte ein Projekt abgebrochen werden, ist es nicht möglich, den Token für andere Zwecke einzusetzen.

Das soll verhindern, dass die Teams mehrere Projekte beginnen und dann das Beste auswählen. Teams können jedoch freiwillig auf die ursprüngliche Spezifikation zurückwechseln, wenn die Entwicklung nicht zufriedenstellend ist - der Token bleibt aber verloren.

Gleichzeitig legt die FIA Herstellern nahe, dass sie versuchen sollen, dass das Upgrade und der Einsatz von Token nicht auch für ihre Kundenteams vonnöten ist.

Die überarbeiteten Regeln für 2020 beinhalten eine detaillierte Liste von homologierten Komponenten, zu welchem Zeitpunkt sie eingefroren werden und wie viele Token für eine Veränderung notwendig sind.

Der Spielraum für Veränderungen ist auf jeden Fall ziemlich limitiert. So kosten etwa Veränderungen der innenliegenden Aufhängung die vollen zwei Token, genau wie neue Felgen. Und selbst Veränderungen am Boxen-Equipment verschlingen einen Token.

Was passiert 2021?

Das System wird auch in die nächste Saison mit übernommen, jedoch mit einigen Änderungen. Es wird eine dritte Freeze-Deadline existieren, die als R1-2021 bezeichnet wird und einfach das Datum des ersten Trainings des ersten Events 2021 ist.

Diverse Gegenstände werden zur bestehenden Liste hinzugefügt, unter anderem Getriebeübersetzung, Antriebswelle, äußere Aufhängung, Lenkung und einige Teile des Kühlsystems.

Alle Regeln für 2020 gelten weiterhin und auch die Token können noch verwendet werden, sofern sie ein Team nicht bereits 2020 ausgegeben hat.

Allerdings müssen geplante Veränderungen für 2021 ebenfalls deutlich vor Ablauf der Saison 2020 eingereicht werden, da die Deadlines D1, D2 und D3 weiterhin gelten. In anderen Worten: Es wären ziemlich langfristige Projekte.

Wichtig: Die Token können trotzdem nur für Komponenten eingesetzt werden, die bei R1-2020 oder Mid-2020 eingefroren wurden. Alle Einfrierungen bei R1-2021 können durch das Token-System nicht verändert werden und bleiben das gesamte Jahr über gleich.

Spezialklausel für Kundenteams

Eine Spezialklausel gibt es für Kundenteams, die aktuell Komponenten von 2019 von einem Partnerteam gekauft haben. Wenn sie diese 2021 auf das Äquivalent von 2020 upgraden möchten, können sie das ohne den Einsatz von Token tun.

Zudem gibt es eine Regel für McLaren, die als einziges Team den Motorenhersteller wechseln und von Renault auf Mercedes gehen. Um die Installation vornehmen zu können, muss das Team auf seine beiden Token verzichten. Das Gleiche gilt für jeden, der seinen Motor für 2021 so stark verändert, dass er eine neue Installation braucht.

Die Gegner wollen nämlich sicherstellen, dass McLaren durch den Einbau einer neuen Power-Unit keinen Vorteil bekommen kann.

Das alles klingt vernünftig, um die Kosten im Auge zu behalten und den großen Teams dabei zu helfen, sich für die niedrigere Budgetgrenze zu verschrumpfen. Und es erlaubt weiterhin die normalen Aerodynamik-Updates bei jedem Rennen, die die großen Teams bringen.

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