Mattia Binotto war damals als junger Ingenieur bei Michael Schumachers Probefahrten in Fiorano anwesend.
"Ich kann mich noch gut an den ersten Test [mit Michael] in Fiorano erinnern", sagte der Italiener im Podcast "Beyond the Grid". Schumacher wollte vor den ersten offiziellen Testfahrten in Estoril, Portugal, auf der Hausstrecke seines neuen Teams ein paar Runden drehen, um sich an das Fahrzeug zu gewöhnen.
Binotto weiß noch, dass viele Einstellungen getestet wurden und für Schumacher der Sitz und das Lenkrad adaptiert wurden - aber nicht nur das. "Er war nicht in der Lage, die erste Kurve des Kurses zu fahren. Er konnte diese Kurve einfach nicht ordentlich fahren."
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Schumacher sei langsamer gewesen als jene Fahrer, die zuvor dort getestet hatten - unter anderem Jean Alesi, Gerhard Berger oder auch Testfahrer Nicola Larini. "Ich erinnere mich noch, dass er nach diesem ersten Test Jean Todt unverzüglich gebeten hat, diese Kurve zu verändern. Er wollte diese Kurve nicht mehr sehen."

Binotto: Seit Schumacher hat Fiorano ein anderes Layout

Und Ferrari erhörte den Wunsch des neuen Hoffnungsträgers. "Ja, wir haben die erste Kurve geändert, weil diese nicht repräsentativ war für eine Kurve in der Weltmeisterschaft. Das war der Punkt", schmunzelte Binotto heute noch. "Seither hat Fiorano ein anderes Layout."
Wo genau Schumacher Probleme mit der Kurve hatte, weiß er heute nicht mehr. "Aber er hatte Schwierigkeiten, daher haben wir das Layout geändert." 1996 wurde der Kurs tatsächlich überarbeitet. Die scharfe Kurve am Ende des Boxenausgangs wurde durch eine schnelle Kurve ersetzt, insgesamt wurde die Strecke um 24 Meter auf 2,997 Kilometer verkürzt.
Dies sollte jedoch nicht die einzige Unstimmigkeit zwischen Schumacher und Ferrari zu Beginn bleiben. Beim darauf folgenden Test in Estoril war der offizielle Start für 9 Uhr angesetzt. Die Ferrari-Ingenieure kamen gegen 8:20 Uhr an der Rennstrecke an. Dort wartete bereits ein verärgerter Michael Schumacher auf sein Team.
"Wir kamen gegen 8:20 Uhr an der Strecke an. Michael war bereits da und hat auf uns gewartet. Er schaute auf seine Uhr und fragte uns, wo wir bleiben. Um 8 Uhr hätten wir schließlich ein Meeting gehabt", erinnerte sich Binotto.

Schumacher stellt Tagesablauf von Ferrari um

Schumacher brach mit der alten Tradition, zunächst um 9 Uhr eine Installationsrunde zu fahren und erst danach das Tagesprogramm zu besprechen. Er setzte die Besprechung für 8 Uhr an.
"Seit Michael halten wir jeden Tag um 8 Uhr in der Früh unser erstes Meeting ab." In der anschließenden Besprechung wurde Schumacher über das Programm aufgeklärt. Zunächst sollten verschiedene Set-ups mit rund 50 Kilogramm Sprit an Bord gefahren und getestet werden. In der letzten Stunde des Tages ging Ferrari traditionell auf Zeitenjagd.
"In der letzten Stunde würden wir noch einmal mit weniger Sprit rausfahren, mit rund zehn Kilogramm für eine Quali-Runde. Damit am nächsten Tag auf den italienischen Titelblättern zu lesen ist, dass Michael Schumacher im Ferrari der Schnellste war. Er fragte uns, warum wir das machen."

Binotto: "Schumacher hat uns gelehrt, wie wir die Aufgabe angehen müssen"

Schumacher war mit dieser Herangehensweise nicht einverstanden. Schließlich seien Testfahrten dazu da, um etwas zu lernen, und nicht für die schnellste Runde. "Er bestand darauf, dass wir den gesamten Tag über mit 50 Kilogramm fahren. Auch das war wieder eine ziemlich große Änderung für uns, seine Herangehensweise."
"Und nur nebenbei bemerkt: Er ist die schnellste Zeit auch mit 50 Kilo Sprit gefahren." Binotto hat bereits bei diesem ersten Test gemerkt, wie dieser Michael Schumacher als Pilot war. "Ein harter Arbeiter und Anführer. Ein starker, schneller Fahrer. Und er hat uns gelehrt, wie wir die Aufgabe angehen müssen."
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