Sebastian Vettel wurde bereits viermal Weltmeister. Doch seit 2013 wartet er auf den nächsten Titel. Nach seinem Wechsel von Ferrari zu Aston Martin will der 33-Jährige noch einmal vorne angreifen.
"Ich denke, ich habe es [noch in mir]", antwortete er am Rande der Aston-Martin-Präsentation auf die Frage, ob er noch einmal Weltmeister werden könnte. "Ich bin noch nicht so alt", merkte er schmunzelnd an. Alter sei außerdem nicht der entscheidende Faktor, der über einen Titelkampf entscheidet.
"Es geht um die Frage, ob man das Auto und das Team um sich herum hat", meinte Vettel. Diese beiden Faktoren bestimmen die Formel 1 seit jeher, fügte er hinzu. "Es ist kein Geheimnis, dass man in den vergangenen Jahren in einem Mercedes sitzen musste, um um die Weltmeisterschaft kämpfen zu können."
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Mit Ferrari kam er der Krone in den Jahren 2017 und 2018 nahe, jedoch niemals nahe genug, "um in den letzten zwei, drei Rennen noch ein Wörtchen mitreden zu können". Zuletzt führte er die Fahrer-Weltmeisterschaft bis zu seinem Heimrennen in Hockenheim 2018 an.

Vettel: Neustart bei Aston Martin

Danach schien ihm sein Traum vom Titel in Rot immer mehr zu entgleiten, spätestens mit der Ankunft von Charles Leclerc und der zunehmenden Rivalität im Topteam. Im Vorjahr machten der Absturz von Ferrari ins Mittelfeld und untypisch viele Fahrfehler jegliche Hoffnungen von Vettel zunichte.
Mit Aston Martin versucht er, ein neues Kapitel aufzuschlagen und einen Neustart zu schaffen. Kann er seine Topform der frühen Jahre wiederfinden und an alte Höhenflüge anknüpfen? "Ich denke nicht, dass es am Alter liegt. Ich habe es in mir. Es war immer in mir."
Schon in den Anfangsjahren konnte er sein Talent unter Beweis stellen, den Vertrauensvorschuss von Red Bull belohnte er umgehend mit seinem Sensationssieg im Toro Rosso in Monza 2008. Mit dem Aufstieg ins Topteam ein Jahr später war der Grundstein für eine glanzvolle Ära gelegt.
"Es war eine große Erleichterung, den WM-Titel zu gewinnen. Da wusste ich, dass ich es tatsächlich schaffen kann. Seither sehe ich keinen Grund, warum ich das nicht mehr [in mir] haben sollte." Dies muss er nun mit seinem neuen Rennstall beweisen und Kritiker Lügen strafen, die ihm in den vergangenen zwei Jahren bereits den Rücktritt nahegelegt haben.
Sein Ruf litt unter den Misserfolgen in Rot. Manche Beobachter zweifelten seine fahrerischen Fähigkeiten immer mehr an. Selbst alte Wegbegleiter, wie Helmut Marko, mussten beobachten, wie Vettel von der Erfolgsspur abkam. "Das ist nicht der Sebastian, den wir aus unserer Zeit kennen", stellte der Grazer fest. Vettel selbst erwartete mehr von sich und seinen Fähigkeiten.

Sebastian Vettel geht ab 2021 für Aston Martin in der Formel 1 an den Start

Fotocredit: Instagram

Vettel vergleicht Aston Martin mit Mercedes

Doch auf eine schnelle Rückkehr zu alter Stärke darf der Deutsche nicht hoffen. Er weiß: "Das ist ein langfristiges Projekt, wenn man wirklich gewinnen will." Aston Martin befindet sich nach einer starken Saison 2020 (noch in Rosa und unter dem Namen Racing Point) weiterhin im Umbruch und Wachstum.
Vettel vergleicht die Situation mit den Anfängen von Mercedes Anfang der 2010er-Jahre. Nach ersten erfolglosen Jahren erkannte man in Stuttgart, dass man mehr Geld investieren und sich auf die Regeländerungen 2014 konzentrieren muss. Das war der Grundstein für acht Weltmeistertitel.
"Wenn man sich Mercedes anschaut, haben sie irgendwo angefangen, 2011 oder 2012 herum, und sind dann mit der neuen Power-Unit wirklich auf die Siegerstraße gekommen, als sie einfach viel schneller als alle anderen aus den Startlöchern kamen, aber das Auto war 2014 nicht wirklich großartig, was das Chassis angeht."
Es habe insgesamt fünf Jahre gedauert, bis auch das Chassis das beste im Feld war, erinnert sich Vettel. "Das ist die Zeit, die es braucht, aber jeder hat diese Zeit, und nicht jeder hat den Job abgeliefert. Es gibt eine Menge Projekte, verschiedene Hersteller, und am Ende kann nur einer gewinnen."
Seine große Hoffnung: "Offensichtlich verändert sich die Formel 1 derzeit, vielleicht braucht man diese drei bis fünf Jahre nicht mehr." Mit den Regeländerungen 2022 hat sein Team eine große Chance, sich an die Spitze zu katapultieren. Für dieses Jahr gilt das inoffizielle Ziel, den dritten WM-Platz einzufahren.
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Vettel will regelmäßig ums Podium kämpfen

Vettel persönlich hofft, wieder regelmäßiger auf das Podium fahren zu können - im Vorjahr schaffte er nur einen Podestplatz mit Ferrari. Seine unterdurchschnittliche Performance wurde oftmals auf die Eigenheiten des Ferrari und das instabile Heck des Autos zurückgeführt.
"Dieses ganze Gerede über das Heck ist ein bisschen ausgeartet", merkte er darauf angesprochen an. Denn: "Wenn man sich die Autos anschaut, die ich bei Red Bull oder zu Beginn bei Ferrari gefahren bin, dann gab es immer Zeiten, in denen das Heck nervöser war, und das ist okay", stellte Vettel klar.
"Ich glaube also nicht, dass ich in dieser Hinsicht anfälliger bin als die anderen. Wenn überhaupt, dann mag ich es nicht, wenn das Auto wirklich nur untersteuert", räumt er mit den Mythen rund um seinen Fahrstil auf. Denn bei Übersteuern könne man mit dem Auto eher spielen als beim Untersteuern.
"Beim Untersteuern gibt es zwar auch einige Fahrtechniken, aber die Hände sind einem ein bisschen mehr gebunden oder man ist ein bisschen eingeschränkter. Also eigentlich bevorzuge ich es, wenn das Auto ein bisschen nervöser ist, das hilft dir wirklich beim Einlenken."

Sebastian Vettel (rechts) und Lance Stroll präsentieren das Auto von Aston Martin

Fotocredit: Imago

Vettel will richtige Balance finden

Allerdings müsse man als Pilot immer eine gute Balance finden, denn wenn das Auto ausbricht, dann verliert man eine Menge Zeit. "Und das mag dann niemand, weil es langsam ist." Ob der AMR21 seinem Fahrstil entgegenkommt, könne er abschließend erst bei den Testfahrten in Bahrain beantworten.
"So wie es sich anhört, ist es ganz anders. Ich hoffe, dass es mir entgegenkommt." Im neuen Rennstall hat sich der Deutsche laut Angaben der Teamführung bereits reibungslos integriert. "Er passt wirklich sehr gut rein. Er kommt mit seiner Crew wunderbar zurecht", berichtete Technikchef Andrew Green.
"Er ist offensichtlich ein sehr sympathischer Kerl, aber er ist auch unglaublich kenntnisreich und akribisch in seiner Arbeitsweise, und das ist genau der Grund, warum wir ihn dabei haben wollten." Das Team habe bereits erste Schritte unternommen, um sich an Vettels Arbeitsweise anzupassen.
Denn: "Es ist anders als die Art, wie wir vorher gearbeitet haben. Aber das ist genau der Grund, warum wir ihn geholt haben, nämlich um uns etwas von seinem Wissen und seiner Weisheit als viermaliger Weltmeister weiterzugeben. Und das ist genau das, was wir brauchen", ist Green erfreut.
Teamchef Otmar Szafnauer stimmt seinem Kollegen in allen Punkten zu. Vettel habe eine "großartige Arbeitsmoral" und sei ein "wahrer Racer". Den Deutschen und sein neues Team verbinde ein "Racing Spirit", daher werde man gut zusammenarbeiten.
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