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Trauer um Schulkamerad Hubert: "Bitte gewinne für Anthoine"

Trauer um Schulkamerad Hubert: "Bitte gewinne für Anthoine"

02/09/2019 um 11:29Aktualisiert 02/09/2019 um 13:37

Pierre Gasly wird bei seiner Rückkehr zu Toro Rosso beim Grand Prix von Belgien mit zwei WM-Punkten belohnt. Doch der Franzose kann sich darüber nicht freuen. Er hat im Formel-2-Rennen am Samstag seinen Freund Anthoine Hubert verloren. Darauf war der er nicht vorbereitet. "Im Alter von 22 oder 23 Jahren bist du nicht bereit, solch einen Moment zu durchleben."

"Du bist nicht bereit einen deiner besten Freunde zu verlieren", ist Gasly auch nach dem Rennen am Sonntag noch geschockt. "Ich bin mit diesem Kerl aufgewachsen. Seit ich sieben war, sind wir gegeneinander Kart gefahren."

Gasly und Hubert wurden gute Freunde, sie lebten sogar zusammen in einem Zimmer - für sechs Jahre. "Wir waren Schulkameraden, wir hatten dieselben Lehrer. Ich bin immer noch geschockt und kann nicht realisieren, wie schnell es gehen kann."

Piloten müssen alles ausblenden

Der Red-Bull-Fahrer, der in der Sommerpause vom Topteam zurück zu Toro Rosso kommandiert wurde, hat für Montag alle Freunde zusammengetrommelt, die Hubert kannten. "Niemand von uns versteht wirklich, was da gestern passiert ist."

Trotzdem stieg er selbst am Sonntag in Spa-Francorchamp wieder ins Auto. Den Tod seines Freundes musste er dabei komplett ausblenden. "Das musst du, sonst kannst du nicht fahren", gibt er zu.

" Wenn der Helm drauf ist und du in die Formationsrunde fährst, dann denkst du nicht mehr daran. Da befinde man sich als Pilot geistig in einer anderen "Zone"."

Gasly ging von Startplatz 13 in das Rennen und profitierte zu Beginn vom Tumult rund um Verstappen und Räikkönen. Er konnte sich auf dem neunten Platz zwischen den Racing-Point-Fahrern einreihen und überholte wenig später den strauchelnden Haas-Fahrer Kevin Magnussen.

Schon in Runde 13 kam er an die Box und wechselte vom weichen auf den Medium-Reifen. "Das war schwierig. Wir haben etwas anderes ausprobieren müssen, das war der Plan." Im zweiten langen Stint hatte er schließlich viel Mühe, die Reifen am Leben zu halten.

Er wurde bis auf Platz 15 zurückgespült und kämpfte sich sukzessive wieder in die Top 10. In Runde 31 ging dann Teamkollege Daniil Kwjat per Anweisung an ihm vorbei, auch Alex Albon wartete auf frischen Softs nicht lange. "Es war schwierig, die Autos auf weichen Reifen hinten zu halten. Ich habe alles probiert."

"Daniil hatte die frischeren Reifen und war deshalb schneller", erklärt Franz Tost die Teamorder. Mit Gaslys Leistung ist er zufrieden: "Er ist ein gutes Rennen gefahren, obwohl die Reifen gegen Ende hin nachgelassen haben." Mit acht Punkten mehr kann Toro Rosso Platz fünf in der Konstrukteurs-WM ausbauen.

Gasly revidiert Ansicht über Sicherheit im Motorsport

Nicht nur die Reifen waren im Vergleich zum Teamkollegen älter, sondern auch sein Motor. Kwjat fuhr mit der neuen Honda-Ausbaustufe, Gasly nicht. "Daher wusste ich, dass es schwierig werden würde zu kämpfen." Durch die Ausfälle von Antonio Giovinazzi und Lando Norris wurde er noch auf Rang neun gespült.

" Nach dem Rennen war allerdings Anthoine das erste, was mir wieder durch den Kopf ging. Ich freue mich, dass ich zwei Punkte für ihn holen konnte."

Auch der Sieg von Charles Leclerc freute Gasly, denn die beiden wollten am Sonntag für Hubert gut abschneiden.

"Ich habe Charles vor dem Rennen gesagt: 'Bitte gewinn' dieses Rennen für Anthoine'." Gemeinsam mit Leclerc und Hubert begann auch Gaslys Karriere im Motorsport. "Wir sind so viele Jahre gegeneinander gefahren und kannten uns. Zuerst Jules [Bianchi] vor ein paar Jahren, jetzt Anthoine. Das sind schreckliche Nachrichten für den französischen Motorsport."

Beide seien zwei "großartige Charaktere" gewesen. Und beide Unfälle geben Gasly zu denken. Noch in der Sommerpause habe er über die Sicherheit im Motorsport diskutiert. "Da haben sie zu mir gesagt: 'Die Formel 1 ist jetzt sicher. Das ist total anders, als es früher war'. Und ich habe ihnen zugestimmt."

Im Auto habe er sich immer sicher geführt. "Es ist fast so, als könnte uns darin nichts passieren. Aber so schnell wirst du wieder auf den Boden der Tatsache zurückgeholt." Deshalb muss Gasly seine Sichtweise revidieren:

" Egal ob 200 oder 300 km/h, es gibt immer ein hohes Risiko zu sterben."

Als Fahrer akzeptiere er dieses Risiko zwar, aber bewusst gemacht hat es ihm erst der Formel-2-Unfall am Samstag. "Leider hat uns dieser Unfall daran erinnert, dass das ein wirklich gefährlicher Sport ist. Ich bin extrem traurig, dass es einen meiner engsten Freunde im Motorsport erwischt hat."

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