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Ingolstadt: "Etat wie ein Aufsteiger"

Ingolstadt: "Etat wie ein Aufsteiger"
Von SID

18/05/2015 um 14:37Aktualisiert 18/05/2015 um 14:55

Das Bier tropfte noch aus seinen Kleidern, die Aufstiegsfeier lief gerade auf Hochtouren - schon musste Präsident Peter Jackwerth mit den ersten Vorurteilen aufzuräumen. "Wir sind kein Werksklub, und wir werden einen Etat haben wie ein Aufsteiger", sagte der Patron hinter der Erfolgsgeschichte des FC Ingolstadt, die mit dem erstmaligen Sprung in die Bundesliga ihre vorläufige Krönung erlebte.

Mit Nachdruck wehrten sich die Schanzer auch am bisher größten Tag ihres Bestehens gegen die Gleichsetzung mit Retortenklubs wie dem VfL Wolfsburg oder RB Leipzig wegen ihrer Partnerschaft mit Audi und betonten vielmehr ihren "Ingolstädter Weg" der kleinen Schritte. Selbst für Zweitligaverhältnisse seien die Möglichkeiten ja "durchschnittlich" gewesen, sagte Jackwerth, und versicherte: "Wir fangen auch jetzt nicht an zu klotzen, drinzubleiben wird die Rolle spielen. Es werden keine Wunderschlösser gebaut".

Zumindest aber ist Audi omnipräsent rund um den gleichnamigen Sportpark, das Engagement derzeit jedoch eher als regionale Anschubhilfe am Stammsitz des Unternehmens zu betrachten. Gleichwohl wird dem Vernehmen nach die finanzielle Unterstützung in der Bundesliga aufgestockt, allerdings auf Basis bereits bestehender Klauseln in der zunächst bis 2018 vereinbarten Zusammenarbeit. Die Süddeutsche Zeitung schrieb unlängst einmal, der FC Ingolstadt sei auch deshalb im Vergleich der "Kleinwagen unter den Konzernklubs".

Hasenhüttl hat Meisterstück vollbracht

Dieser Kleinwagen ist aber enorm fortschrittlich geworden, was nicht zuletzt am Trainer Ralph Hasenhüttl liegt. Der Österreicher hatte den FCI im Oktober 2013 in einer prekären Situation übernommen und nun sein Meisterstück abgeliefert. "Es ist irre, was in diesem Jahr passiert ist, wir haben einen Quantensprung in der Entwicklung genommen", sagte der 47-Jährige, den in den Minuten nach dem Triumph die Gefühle völlig übermannten.

Hasenhüttl war noch lange nach dem 2:1 (1:1) gegen RB Leipzig derart mitgenommen, dass er nicht eine Sekunde lang Gedanken über die Zukunft zuließ. "Das kann ich jetzt nicht, und ich will es auch nicht", sagte er. Nur so viel: "Wir werden schnell lernen." Und sie werden es müssen, denn die aktuelle Mannschaft würde sich derzeit nahtlos in die Reihe der letzten großen Underdogs wie den SC Paderborn oder Eintracht Braunschweig einfügen.

Jackwerth gab 2004 den Startschuss für das Projekt

Boss Jackwerth, der 2004 für die Gründung des FCI verantwortlich war und lange mit seinem Unternehmen das finanzielle Fundament lieferte, ist das erst einmal herzlich egal, er werde "das Jahr Bundesliga genießen. Ich werde das völlig relaxt anschauen", sagte er. Jackwerth wusste aber auch, "dass wir die Deppen der Nation gewesen wären, wenn es nicht geklappt hätte".

Denn seit dem Herbst stand der FCI an der Tabellenspitze und es war am Sonntag wie auch in den letzten Wochen ein Zitterspiel. Die Sachsen gingen durch Dominik Kaiser (4.) in Führung und erst der Foulelfmeter von Mathew Leckie (45.+1) verlieh dem Spiel eine andere Wucht. Stefan Lex (74.) gab dann endgültig den Startschuss für eine hemmungslose Partynacht.

Kapitän Marvin Matip kündigte schon einmal an, dass man ihn vor Donnerstag gar nicht wieder anzusprechen brauche, und Mittelfeldspieler Alfredo Morales gestand scherzhaft wie überflüssig er das abschließende Saisonspiel am Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern findet.

"Ich hätt' jetzt gern Urlaub", sagte er, ergänzte dann aber ernstgemeint: "Es war alles sehr, sehr intensiv. Wir müssen unbedingt abschalten". Danach aber, meinte Matip, "werden wir ordentlich vorbereitet sein, und die Bundesliga crashen".

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