SID

HSV-Chef Bernd Hoffmann will Pyrotechnik legalisieren

HSV-Chef will Pyrotechnik legalisieren
Von SID

14/02/2019 um 18:02

Klubchef Bernd Hoffmann vom Hamburger SV fordert beim Umgang mit Pyrotechnik im Stadion ein Umdenken. Der Vorstandsvorsitzende des Zweitligisten kann sich vorstellen, ein Abbrennen von kontrollierter Pyrotechnik zu legalisieren. "Klar ist, dass wir einen anderen Umgang mit der Thematik brauchen als bisher", sagte Hoffmann im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt".

Und weiter:

"Die einfache Sanktionierung von Pyro-Vergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt - ganz im Gegenteil. "

Hoffmanns Offensive ist gut durchdacht. Mit verschiedenen Ultragruppen des Klubs stehen er und andere Klubverantwortliche längst im Austausch, nun sollen Gespräche mit Polizei, Feuerwehr, der Stadt Hamburg und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) folgen.

"Wenn man sich eingesteht, dass Pyro ein Teil der Fankultur ist, und das haben wir, dann muss man zumindest über alternative Lösungen ernsthaft nachdenken", sagte Hoffmann: "Aus unserer Sicht ist die Diskussion überfällig." Die Deutsche Fußball Liga (DFL) rückte in einer Stellungnahme aber nicht von ihrer Position ab: "Pyrotechnik in den Stadien ist nach den DFL-Statuten verboten."

Für alternative Lösungen ist dagegen HSV-Coach Hannes Wolf offen, an oberster Stelle stehe aber die Sicherheit der Zuschauer. "Wenn es sichere Varianten gibt, ist es eine sehr gute Idee. Dann kann man gerne drüber nachdenken, dann sieht es ja ganz cool aus", sagte Wolf am Donnerstag:

"Wenn es gefährlich ist, finde ich es falsch im Stadion. "

Die Hamburger Polizei zeigt sich beim dem brisanten Thema ebenfalls aufgeschlossen. "Der Sicherheitsaspekt und der Schutz der Zuschauer steht an erster Stelle", sagte Polizeisprecher Timo Zill, ergänzte aber: "Die Polizei Hamburg ist grundsätzlich offen für Gespräche und alternative Konzepte zum Umgang mit Pyrotechnik." Das Abendblatt titelte am Donnerstag daraufhin bereits provokant: "Feuer frei beim HSV."

Allerdings hat die Innenministerkonferenz (IMK) bei ihrem zurückliegenden Treffen das genaue Gegenteil beschlossen. Höhere Strafmaße, die sich nach dem Sprengstoffgesetz richten, werden geprüft.

Ersatz für Bengalos?

Entscheidend ist bei der Frage der Legalisierung von Pyrotechnik, dass alternative Konzepte zu den bisherigen, bis zu 2000 Grad heißen, Bengalos gefunden werden. "Man kann zum Beispiel über Theaterrauch oder kalte Pyro nachdenken", sagte Cornelius Göbel, seit 2014 Fanbeauftragter beim HSV, dem Abendblatt.

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Gedankenspiele in diese Richtung sind nicht neu. Auch Hamburgs Stadtrivale St. Pauli und Werder Bremen prüften in der Vergangenheit die Möglichkeit "kalter" Pyrotechnik, wie sie in Skandinavien seit Monaten getestet wird. Statt brennenden Magnesiums kommt dort niedrig dosierte Nitrozellulose zum Einsatz. Auch auf diese Weise lassen sich Farbeffekte erzielen, die sich dabei entwickelnden Temperaturen liegen bei etwa 230 Grad - und damit deutlich unterhalb der herkömmlichen Pyrotechnik.

Für den hessischen Innenminister Peter Beuth ist das allerdings keine Alternative: "Es gibt keine 'kalte' Pyrotechnik. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden sind auch 200 oder 300 Grad heiße Fackeln brandgefährlich für jeden Stadionbesucher, denn sie können ebenso zu schweren Verletzungen führen."

Das Ansinnen der Klubs ist klar: Neben der Stadionsicherheit und einem Zugeständnis gegenüber den Ultras geht es auch um den Faktor Geld: So musste allein der HSV in der vergangenen Saison 235.000 Euro Strafe für Pyrovergehen seiner Fans zahlen. In der aktuellen Spielzeit belaufen sich die Kosten schon wieder auf rund 100.000 Euro.

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