Im direkten Duell zweier Aufstiegskandidaten war besonders der zuletzt strauchelnde Hamburger SV unter Druck. Bei einer Niederlage betrüge der Rückstand auf einen der beiden direkten Aufstiegsplätze bereits sechs Punkte. Holstein Kiel dagegen ging durch starke Auftritte in der Liga und im DFB-Pokal mit viel Selbstvertrauen in die Partie.
Und schon nach kurzer Zeit gab es für den HSV den ersten Dämpfer. Jan Gyamerah ließ Jae-sung Lee bei einem Eckball auf den langen Pfosten entwischen. Der Koreaner wuchtete den Ball aus vollem Lauf per Kopf zum 1:0 über die Linie (8.).
Der HSV brauchte einen Moment, um sich zu schütteln, spielte dann aber weiter nach vorne und kam auch gegen gut geordnete Kieler zu Chancen. Sonny Kittel dribbelte von links parallel zur Strafraumkante und zog ab. Sein Schuss wurde abgefälscht und landete dadurch beim freistehenden Aaron Hunt. Doch Ioannis Gelios stürzte gedankenschnell aus dem Kasten und warf sich noch vor den Ball (17.). Kurz darauf war es dann aber soweit.
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Bakery Jatta startete einen unwiderstehlichen Sololauf von der Mittellinie aus. Mit einem doppelten Doppelpass setzte er Simon Terodde ein, der frei vor dem auftauchte und den Ball im Fallen zum 1:1-Ausgleich unter die Latte setzte (24.).
Auch nach dem Treffer blieb der HSV das aktivere Team und hätte sich dafür eigentlich belohnen müssen. Nach einer kurz ausgeführten Ecke flankte Kittel den Ball scharf auf den langen Pfosten. Dort kam Josha Vagnoman unbedrängt aus kürzester Distanz zum Kopfball, setzte den Ball aber an den Pfosten und vergab den sichergeglaubten Treffer (32.).
Etwas später war es erneut Vagnoman, der nach einer Ecke am höchsten stieg. Doch Gelios fischte den Ball aus dem rechten Kreuzeck (41.).
Kiel zog sich mit fortnehmender Dauer immer weiter zurück und fuhr nur noch vereinzelte Konter. Beim besten davon scheiterte Finn Bartels am gut reagierenden Sven Ulreich, der den Ball noch mit der Innenseite des Oberschenkels entscheidend stoppte (42.).
So blieb es beim 1:1 zur Pause in einem munteren Zweitligaspiel.
Und auch im zweiten Durchgang übernahm der HSV wieder die Kontrolle und Kiel musste sich bei seinem stark aufgelegten Keeper bedanken, der das Unentschieden festhielt. Nach einer Ecke auf den kurzen Pfosten lenkte Terodde den Ball auf das Tor, doch Gelios reagierte blitzschnell (49.). Und auch bei einem Schuss von Kittel aus aussichtsreicher Position war der Torwart zur Stelle und bekam die Hände an den Ball (53.).
Kurz darauf wäre auch Gelios machtlos gewesen, als eine scharfe Hereingabe in Richtung des einschussbereiten Jeremy Dudziak ging. Doch Simon Lorenz fälschte den Ball noch leicht, aber entscheidend mit der Fußspitze ab (59.).
Immer wieder kurbelte der überragende Kittel das Spiel an und leitete Torchancen ein, die seine Teamkollegen aber nicht nutzen konnten. Terodde setzte eine Kittel-Flanke per Volley über das Tor (73.). Danach schaffte es der HSV aber nicht mehr, in die gefährlichen Zonen zu gelangen.
Stattdessen hatte Kiel durch den eingewechselten Joshua Mees noch eine Kopfballchance kurz vor dem Spielende (87.).
So blieb es bei dem Unentschieden, über das sich der HSV vermutlich ärgern wird. Die Hamburger betrieben einen großen Aufwand, waren überlegen und hatten die besseren Torchancen. Immerhin springen die Hanseaten an den punktgleichen Fürthern vorbei auf Platz drei. Kiel wird sich über den glücklichen Punktgewinn freuen und bleibt drei Punkte vor dem Relegationsplatz.

Die Stimmen zum Spiel:

Simon Terodde (Hamburger SV): "Ich freue mich riesig über das Tor. Das war eminent wichtig nach dem 0:1. Es war bemerkenswert, wie wir zurückgekommen sind. Wir haben nicht aufgegeben. Man hat gesehen, dass wir spielerisch gut waren. Jetzt sind wir wieder auf dem dritten Platz."
Josha Vagnoman (Hamburger SV): "Abhaken, weiter geht's. Am Freitag ist schon wieder ein Spiel. Ich denke, darauf können wir aufbauen. Wir wissen, dass mehr geht, dass wir es besser können. Und das haben wir heute wieder gezeigt."
Daniel Thioune (Trainer Hamburger SV): "Ich kann mit der Leistung meiner Mannschaft sehr gut leben. Man hat die Energie auf dem Platz gespürt. Aber klar, es zählen Ergebnisse, es zählen Punkte. Jetzt müssen wir regenerieren und dann noch mal vieles besser machen."
Finn Bartels (Holstein Kiel): "Wenn man den Spielverlauf betrachtet, ist der Punkt Gold wert. Wir haben heute nicht unser allerbestes Spiel gespielt und der HSV hatte noch die eine oder andere Gelegenheit. Deswegen können wir mit dem Punkt wirklich gut leben. Das zeigt, dass noch ein langer, harter Weg vor uns liegt."
Hauke Wahl (Holstein Kiel): "Es war vielleicht ein glücklicher Punkt. Wir waren nicht die bessere Mannschaft. Ich finde, dass wir gut in die Partie reingekommen sind und auch zurecht 1:0 geführt haben. Dann haben wir so ein bisschen den Faden verloren."

Der Tweet zum Spiel:

Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass Holsteins Mittelfeld-Motor Jae-sung Lee mit einem Wechsel zum HSV in Verbindung gebracht wird. Dieser soll allerdings nur bei einem Hamburger Aufstieg zustande kommen. Ausgerechnet Lee arbeitete mit seinem Tor daran, dass dies möglicherweise nicht passiert.

Das fiel auf: HSV geht fahrlässig mit den Chancen um

Den Willen und den Einsatz konnte man dem HSV in dieser Partie wahrlich nicht absprechen. Nach dem frühen Gegentor fingen sich die Hamburger recht schnell wieder und spielten dann engagiert nach vorne. Auch die Qualität der Chancen war durchaus da, doch ließen die Rothosen auch beste Gelegenheiten liegen.
Das war insofern ungewöhnlich, als dass der HSV in dieser Saison bisher die ligaweit beste Chancenverwertung vorweisen konnte. Vor allem Vagnoman dürfte nach seinem Pfostentreffer per Kopf aus kürzester Distanz noch eine schlaflose Nacht vor sich haben.

Die Statisitik: 0

Holstein Kiel ist so etwas wie der Angstgegner der Hamburger seit dem Abstieg in die zweite Liga. In allen sechs Aufeinandertreffen konnte der HSV gegen die Störche nicht gewinnen. Nur gegen Union Berlin sind die Hanseaten in Liga zwei ebenfalls sieglos – mit der Einschränkung, dass beide Mannschaften nur eine gemeinsame Saison im Unterhaus verbrachten.
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