Das sechste Zweitligaderby zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV startete ohne einen klaren Favoriten, obwohl der HSV seit Anfang Januar an der Tabellenspitze steht. Das lag vor allem daran, dass St. Pauli zuletzt eine richtig gute Serie mit sieben Siegen aus acht Spielen hingelegt hatte.
Beiden Teams war die Bedeutung des Spiels bewusst. Dementsprechend waren Einsatz und Tempo von Beginn an hoch. Schon nach 60 Sekunden setzte der HSV das erste Ausrufezeichen. Sonny Kittel trat einen Freistoß aus großer Distanz mit viel Effet, sodass der Ball flatternd an die Latte klatschte. Den Abpraller nahm Bakery Jatta per Volley direkt, Dejan Stojanovic reagierte gut und wehrte den Ball zur Ecke ab.
Wenig später war es erneut Kittel, der Stojanovic mit einem scharf getretenen Freistoß aus 25 Metern zu einer Glanzparade zwang (12.). St. Pauli brauchte eine Viertelstunde, um ebenfalls gefährlich vor das Tor zu kommen. Innerhalb von 30 Sekunden hatten Rodrigo Zalazar und Guido Burgstaller jeweils gute Abschlüsse vom linken Strafraumeck (16.). Vor allem der Schlenzer von Zalazar strich nur knapp am langen Pfosten vorbei.
2. Bundesliga
HSV schenkt Sieg her - St. Pauli bleibt weiter ungeschlagen
VOR 9 STUNDEN
Auf der anderen Seite war es dann erneut ein Kittel-Freistoß, der dem HSV die große Chance auf den Führungstreffer brachte. Der 28-Jährige flankte perfekt auf den freistehenden Gideon Jung, der den Ball aber nicht richtig traf und per Aufsetzer auf die Oberkante der Latte setzte (22.).
In der Folge wurden die Gastgeber aber immer stärker und ließen dem HSV nur wenig Raum zur Entfaltung. Eine Freistoßflanke brachte Guido Burgstaller aus kurzer Distanz mit dem Schienbein in Richtung des Tores. Sven Ulreich reagierte blitzschnell und bekam noch die Hand an den Ball (23.). St. Pauli blieb aber am Drücker. In der 28. Minute hatte Omar Marmoush gleich zwei gute Chancen. Erst brachte die Wolfsburg-Leihgabe eine Flanke aus spitzem Winkel nicht mehr auf das Tor, wenige Sekunden später ließ er Jung mit einer Körperdrehung stehen und schoss knapp am langen Pfosten vorbei.
Trotz der Chancenflut auf beiden Seiten ging es mit einem 0:0 in die Pause. Auch die zweite Hälfte startete mit einem echten Aufreger. Ulreich hielt eine flache Flanke nicht fest, wodurch Zalazar an den Ball gelangte und von Jung abgeräumt wurde (52.). Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigte zunächst auf den Punkt, revidierte seine Entscheidung aber nach Ansicht der Videobilder. Grund dafür war, dass Jung den Ball kurz vor Zalazars Bein traf. Dennoch hätte das Einsteigen als überhart bewertet werden können.
Die erste Torannäherung nach Wiederanpfiff auf Gäste-Seite hatte Simon Terodde, der den Ball nach einem Freistoß im Tor unterbrachte. Allerdings sprang dem HSV-Stürmer der Ball bei der Annahme an die Hand, weshalb der Treffer zurecht nicht zählte (64.).
In der Folge passierte vor den Toren eher wenig. Burgstaller bekam in einer Situation etwas Platz und prüfte Ulreich, der den Ball erst im Nachfassen hatte (69.). Auf der anderen Seite setzte Jatta eine Direktabnahme weit über den Kasten.
Kurz vor dem Ende gelang St. Pauli dann wie aus dem Nichts noch der Lucky Punch. Zalazar startete nochmal ein Dribbling von der linken Außenbahn in die Mitte und chippte den Ball hinter die Abwehr. Dort kam der eine Minute zuvor eingewechselte Luca-Milan Zander eingelaufen und legte in den Rückraum ab. Daniel-Kofi Kyereh kam angerauscht und drosch die Kugel per Direktabnahme unhaltbar zur 1:0-Führung unter die Latte (88.).
Der HSV schaffte kein Comeback mehr und Kapitän Tim Leibold erwies seiner Mannschaft zudem noch einen Bärendienst, als er in der Nachspielzeit vor lauter Frust Burgstaller umtrat und dafür die rote Karte sah (90.+3).
Durch die Niederlage rutscht der HSV auf Rang vier ab und hat nur zwei Punkte aus den vergangenen vier Spielen geholt. St. Pauli dagegen schiebt immer mehr Platz zwischen sich und die Abstiegsränge und hat nun zehn Punkte Vorsprung auf Rang 16.

Die Stimmen zum Spiel:

Guido Burgstaller (St. Pauli): "Es sind dann natürlich Emotionen drin. Aber wenn er die Situation sieht, weiß er, dass es eine rote Karte war. Dass es von mir auch unsportlich war, ist keine Frage. Aber ich will nur den Ball blocken und den schnellen Einwurf verhindern. Klar, provoziere ich ihn, aber ob er dann treten muss, weiß ich nicht. Wahrscheinlich war das dann auch im Affekt. Ich kenne Tim aus Nürnberg-Zeiten, deswegen, glaube ich, wollte er mir nichts Wildes."
Daniel-Kofi Kyereh (St. Pauli): "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich kann es selber noch gar nicht fassen. Das haben wir uns alle zu hundert Prozent verdient. Wir waren über das ganze Spiel in jedem Zweikampf drin. Wir waren bis zum Ende wach und dass das dann so funktioniert hat, ist natürlich überragend."
Tim Leibold (Hamburger SV): "Es ist eine Riesenenttäuschung heute Abend. Ich glaube, dass wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Das Derby ist immer etwas Besonderes. Wir wussten, dass es ein extrem schwerer Fight wird." Zu der roten Karte: "Gerade zu der Spielzeit nach der 90. Minute, ich weiß nicht, ob man da eine rote Karte geben muss. Der Schiedsrichter hat so entschieden. Das darf mir in der Form natürlich nicht passieren."
Sven Ulreich (Hamburger SV): "Wir haben uns viel vorgenommen für das Spiel. Ich glaube, das hat man auch gesehen. Wir haben alles reingeworfen. Vielleicht müssen wir am Ende einfach kompakt stehen, damit wir mit einem Punkt nach Hause fahren. Wir haben die Tabelle natürlich im Auge, aber es sind noch viele Spiele zu gehen."

Das fiel auf: Viel Feuer im Derby

Es war ein Derby, das diesen Namen auch absolut verdient hatte. Beide Mannschaften zeigten vollen Einsatz, schmissen sich in die Zweikämpfe und wollten unbedingt den Sieg holen. Das führte zu vielen Torchancen und gleichzeitig auch zu krachenden Zweikämpfen. Die Folge: gleich drei gelbe Karten in der ersten Halbzeit. Eine davon hatte die Auswechslung des gelb-rot-gefährdeten Philipp Ziereis zur Folge. Auch in der zweiten Hälfte blieb es ein hart umkämpftes Spiel, bei dem am Ende 29 Fouls, sechs gelbe und eine rote Karte zu Buche standen.

Der Tweet zum Spiel:

So wie die Spieler auf dem Platz ließen es auch die Fans des FC St. Pauli kurz vor Anpfiff krachen. Mit einem Feuerwerk stimmten die Anhänger ihr Team auf das Derby ein.

Die Statistik: 23

Gerade in der ersten Halbzeit zeigten beide Mannschaften ein echtes Chancenfestival. 16 Torschüsse (10:6 für St. Pauli) gaben beide Mannschaften in der ersten Hälfte zusammengerechnet ab – darunter zwei Lattentreffer für den HSV. Am Ende war es der 23. und letzte Torschuss des Spiels, der den entscheidenden Treffer brachte.
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