Bremens neuer Coach Markus Anfang vertraute im Nordduell auf die beiden Neuzugänge Lars Lukas Mai (zuletzt Darmstadt) und Anthony Jung (Bröndby IF). Auch die Rückkehrer Niklas Schmidt (Osnabrück) und Michael Zetterer (PEC Zwolle) starteten. Zetterer gewann den vorläufigen Kampf um die Nummer Eins, da Jiri Pavlenka noch verletzt ist.
Auch auf der Gegenseite gab es eine Premiere auf der Bank. Der gebürtige Hannoveraner Jan Zimmermann feierte sein Debüt im Profifußball. Der Neu-Trainer brachte mit Sebastian Kerk (Osnabrück), Sebastian Stolze (Regensburg) und Sebastian Ernst (Greuther Fürth) drei neue Spieler von Beginn an.
Vom Anpfiff weg sahen die rund 14.000 Zuschauer ein sehr temporeiches und interessantes Nordduell. Der Bundesliga-Absteiger gab den Ton und agierte über Joshua Sargent und Felix Agu meist über die Außen. Yuya Osako gab einen ersten Warnschuss ab (8.).
2. Bundesliga
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24/07/2021 AM 17:18
Hannover blieb durch Umschaltaktionen stets im Spiel und gewann wichtige Zweikämpfe. Nachdem Marvin Ducksch einen Kopfball noch knapp neben den Kasten setzte (17.), traf Florent Muslija nur die Latte (25.). Mit guten Diagonalbällen kamen die Bremer immer wieder gut in Strafraumnähe. Vor allem Sargent hatte oft den Ball in vielversprechenden Situationen, doch dem US-Amerikaner fehlte das Glück. So ging es torlos in die Kabinen.
Die Hausherren kamen sehr aktiv und frisch in die zweite Halbzeit und gingen prompt in Führung. Simon Falette, von Ömer Toprak, der ein starkes Spiel ablieferte, stark unter Druck gesetzt, erzielte nach einer Ecke per Kopf das 1:0 (49.) mit einem Eigentor. Hannover zeigte sich wenig beeindruckt, hatte jedoch erneut Pech im Anschluss: Ducksch traf per Flachschuss nur den Pfosten (53.). Kurze Zeit später hatte Ducksch mehr Glück, der Torjäger traf nach starker Vorarbeit von Sei Muroya per Heber zum 1:1 (55.).
Ein Treffer, der bei den Werderaner Wirkung zeigte. Die Gastgeber waren danach um Spielkontrolle bemüht, doch Bremens Mittelfeld konnte die Partie nicht wirklich an sich reißen. Hannover agierte sehr organisiert und holte sich von Minute zu Minute mehr Spielanteile. Der Bundesliga-Absteiger brachte im weiteren Verlauf offensiv kein Bein mehr auf den Boden.
Auf der anderen Seite hatte Hannover gleich mehrere Chancen auf das 2:1. Linton Maina scheiterte an Toprak (80.), Ducksch vergab wenig später freistehend (82.) und fand dann seinen Meister in Bremens Keeper Zetterer (84.). Kraftlose Bremer sehnten so den Schlusspfiff herbei retteten das glückliche Remis über die Zeit.
Für den SVW geht es nächsten Samstagabend (20:30 Uhr) in Düsseldorf weiter. Auch Hannover muss kommenden Samstag ran, dann kommt Aufsteiger Rostock nach Niedersachsen (13:30 Uhr).

Stimmen zum Spiel

Ron-Robert Zieler (Hannover 96): "Ich denke, es war ein sehr gutes Spiel. Schön, dass wieder Fans da sind. Die Leute haben ein super Spiel gesehen. Wir können daraus ziehen, dass wir auf jeden Fall ebenbürtig waren. Die Defensivarbeit war heute besser, wir haben mehr Potenzial. Insgesamt haben wir es ordentlich verteidigt und eine gute Leistung gezeigt. Ich hoffe, dass wir mit Fans spielen können und ein geiles Spiel zeigen."
Markus Anfang (Trainer Werder Bremen): "Wir hatten viele Situationen, die wir hätten besser spielen können. Das haben wir nicht gemacht und dann lässt man dem Gegner immer wieder Möglichkeiten. In der zweiten Halbzeit haben wir das nicht gut gemacht, dann bekommen wir ein Kontertor, das darf nicht passieren. Hannover hat es gut gemacht. So ist die 2. Liga, hier kann jeder jeden schlagen. Beim 1:1 hätten wir mehr Druck auf den Ball ausüben müssen und die Tiefe besser sichern. Die Pfiffe der Fans sind kein Drama für mich."
Marvin Ducksch (Hannover 96): "Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Wie wir gefightet haben, wie wir Fußball gespielt haben, das ist genau das, was wir uns vorgenommen haben. Mit ein bisschen Glück gewinnen wir das Spiel. Da ärgert man sich schon, das Tor war komplett leer (Szene 84. Min, Anm. d. Red.), den muss ich machen. Wir haben eine richtig starke Mannschaft. Jeder weiß, was er zu tun hat, wir kommen Woche für Woche besser rein. Wir sind auf einem sehr guten Weg."
Michael Zetterer (Werder Bremen): "Das 1:1 war ein sehr billiges und dummes Gegentor in dieser Situation. Es war vermeidbar, wir sind in einen Konter gelaufen. Ich versuche solange wie möglich groß zu bleiben, aber den macht er (Ducksch, Anm. d. Red.) natürlich super. Das erste Spiel für Bremen war sehr emotional. Ich bin im Fußball durch Täler gegangen und bin dankbar, dass ich diese Chance erhalten habe. Ich konzentriere mich weiterhin auf meine Leistung, um es dem Trainer so schwer wie möglich zu machen. Ich will meinen Platz nicht mehr hergeben."
Ömer Toprak (Werder Bremen): "Phasenweise hätten wir das Spiel zu machen können, müssen aber auch von Glück reden, dass uns Hannover am Ende nicht gekillt hatte. Wenn man in Führung geht, dann darf man fünf Minuten später nicht den Ausgleich kassieren. Wir sind noch nicht bei 100 Prozent, das ist nach vier Wochen auch klar. Aber dieser Sieg hätte uns Sicherheit geben sollen und müssen, doch wir haben ihn zu schnell hergegeben. Aktuell ist es für jeden schwierig, weil es viele sportliche und wirtschaftliche Fragezeichen im Verein geht. Wir schauen, dass der volle Fokus auf Werder Bremen liegt. Die Leute, die da sind, geben Gas."

Das fiel auf: Bremens Schlüsselspieler noch nicht in der 2. Liga angekommen

Mit Jiri Pavlenka, Ömer Toprak, Maxi Eggestein sowie Niclas Füllkrug hat Markus Anfang eine starke Achse für die Mission „Wiederaufstieg“ parat. Im Spiel gegen Hannover konnte jedoch nur Toprak überzeugen. Eggestein und Füllkrug, der das Torjäger-Duell gegen Ducksch klar verlor, kamen überhaupt nicht zum Zug. Beide hatten kaum Aktionen, vor allem Füllkrug war in Hannovers Abwehr komplett abgemeldet.

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Dieses Tor darf in keinen Saison-Highlights fehlen. Ducksch veredelte einen starken Pass mit einem Weltklasse-Heber zum 1:1. Ducksch befindet sich seit Monaten in einer hervorragenden Form, traf achtmal in den letzten sechs Duellen. 13 Treffer sind es in 2021, nur der Ex-Darmstädter Serdar Dursun (18 Tore) traf öfter.

Die Statistik: 40

Nach exakt 40 Jahren Bundesliga bestritt Werder Bremen gegen Hannover das erste Zweitligaspiel. Ende Mai 1981 hieß der Gegner noch Fortuna Köln (2:3). Auf dem Spielfeld standen noch bekannte Gesichter wie Dieter Burdenski oder Benno Möhlmann. Auf der Bank saß ein gewisser Otto Rehhagel.
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