"Volle Lotte" wollte HSV-Trainer Tim Walter ins Stadtderby gehen und brachte mit Bakery Jatta für Manuel Wintzheimer deutlich mehr Tempo auf dem Flügel. An der offensiven Grundausrichtung mit 4-3-3 hielt der Coach nach dem überraschenden Pokalsieg in Köln fest.
Nach der Pokal-Sensation gegen den BVB hatte Timo Schultz keinerlei Gründe für einen Wechsel in der Startelf. Lediglich im Tor kehrte Stammkeeper Nikola Vasijl für Pokal-Torhüter Dennis Smarsch zwischen die Pfosten zurück. Auch Kapitän Philipp Ziereis musste somit auf der Bank bleiben, das Innenverteidiger-Duo Medic/Lawrence gab gegen den BVB "ein Bewerbungsschreiben ab" (Schultz).
Die Anfangsphase gehörte klar dem HSV, der 120 Pokalminuten in den Beinen hatte. Die Hausherren bestimmten das Geschehen, gewannen weitaus mehr Zweikämpfe und erspielten sich einige gute Möglichkeiten: Faride Alidou zielte über das Tor (3.), Moritz Heyer traf per Kopf nur den Pfosten (6.), eine Minute später wurde dessen Tor wegen einer Abseitsstellung bei Jatta zurückgepfiffen.
2. Bundesliga
Burgstaller-Wechsel zum Club offenbar geplatzt
14/06/2022 AM 14:14
So konnte sich der HSV für einen starken Beginn nicht belohnen, während vom Tabellenführer offensiv lange Zeit nicht viel zu sehen war. St. Pauli konnte sich nur selten vom hohen Gegenpressing der Rothosen befreien, die so immer wieder in aussichtsreichen Situationen den Ball erobern konnten. So hatte St. Pauli hinten zunächst Glück und vorne reichte ein Standard für die überraschende Führung: Guido Burgstaller drückte eine Hereingabe aus kürzester Distanz über die Linie (30.).
Der HSV musste sich von diesem Nackenschlag kurz erholen, kam gegen Ende der ersten Halbzeit jedoch zu weiteren guten Chancen: Doch Mario Vuskovic scheiterte mit seinem Kopfball (45.) an Vasilj wie kurze Zeit später Jatta (45.+1).
Der zweite Durchgang war weitaus ausgeglichener, die Kiez-Kicker attackierten früh und störten so den Spielaufbau des HSV schon tief in dessen Hälfte. So spielte sich das Geschehen weitestgehend zwischen den Strafräumen ab, ehe ein weiterer Standard das 1:1 brachte: Sebastian Schonlau köpfte eine Kittel-Ecke aus kurzer Distanz ins Netz (58.).
In der Folgezeit wurde das Derby immer zerfahrener mit vielen Fouls, Karten und Nickligkeiten. So kam kein vernünftiger Spielfluss zustande. Die Rothosen blieben allerdings die spielfreudigere Mannschaft und kamen durch Bakery Jatta zum 2:1 (70.).
St. Pauli drückte auf den Ausgleich, jedoch fehlten die Ideen. Auch der eingewechselte Sturmtank Simon Makienok konnte mit hohen Bällen nicht in Szene gesetzt werden. Lediglich der eingewechselte Maximilian Dittgen sorgte noch für Gefahr, der Stürmer scheiterte jedoch gleich zweimal in aussichtsreicher Position am bärenstarken Daniel Heuer Fernandes (80. / 90.+5). So blieb es beim verdienten 2:1-Derbysieg des HSV, der nun auf bis zu drei Punkte an St. Pauli herankommt und die Woche mit dem Pokalsieg in Köln krönt.
Nach der zweiwöchigen Pause geht es für den HSV am 6. Februar in Darmstadt weiter. St. Pauli empfängt tags zuvor den SC Paderborn.

Die Stimmen zum Spiel:

Sebastian Schonlau (Hamburger SV): "Wir hatten uns die Ecke schon ausgeguckt und hatten gehofft, dass der Ball nochmal dahin kommt zum 1:1. Wir sind nach dem 0:1 nicht nervös geworden, aber es tat natürlich weh. Aber wir haben uns heute endlich belohnt. Ein Derbysieg ist eine ganze Menge Wert für uns, für den Verein, für die Fans. Mit der Pause können wir diesen Sieg nun auch länger genießen."
Tim Walter (Trainer Hamburger SV): "Wir freuen uns, weil wir ein Spiel gewonnen haben. Es ist schön für unsere Fans. Aber wir haben ein Spiel gewonnen. Es geht darum, dass wir ein gutes, ein sehr gutes Spiel gemacht haben. Egal, ob der Gegner ein Tor geschossen hatte. Wir haben uns kurz geschüttelt, hatten viele gute Torchancen und unser Ding durchgezogen. Wir haben heute ein sehr gutes Spiel abgeliefert, vor allem als Mannschaft. Wir wissen aber, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. In der 2. Liga ist es nun mal so, dass man über Standardsituation Tore generieren kann. Das wissen wir. Aber wir sind bei uns geblieben und haben unseren Fußball und unseren Stil durchgezogen."
Timo Schultz (Trainer FC St. Pauli): "Wir sind vor allem enttäuscht. Es war heute ein ansprechendes Derby, aber wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir in der ersten Halbzeit nicht aktiv genug waren. Wir bekommen das erste Gegentor nach einer Ecke, das zweite nach einem Konter, grundsätzlich ließen wir aber wenig zu. Dennoch sind wir nicht gut in die Konter reingekommen."
Jonas Meffert (Hamburger SV): "Unglaublich! Wir haben diese Woche zwei wichtige und wie ich finde verdiente Siege eingefahren. Schade, dass nur so wenige Zuschauer den Derbysieg miterleben konnten. Heute wird’s das ein oder andere Bier geben!"
Ludovit Reis (Hamburger SV): "Wir haben uns als Team zum Sieg gepusht! Wir haben alle daran geglaubt und uns das Ding über die 90 Minuten verdient. Wir sind einfach unglaublich happy!"

Das fiel auf: Mehr Tempo mit Jatta - Walters Plan geht auf

Nach dem Pokalerfolg in Köln brachte Tim Walter mit Jatta für Wintzheimer einen schnellen Flügelstürmer. "Volle Lotte" war die Marschrichtung des Trainers vor dem Stadtderby. Der Plan von Walter sollte mit Jatta aufgehen. Der Gambier war über die komplette Spielzeit einer der auffälligsten Akteure und aufgrund seiner Schnelligkeit beinahe an jeder guten Möglichkeit des HSV beteiligt. Hatte Jatta im ersten Durchgang noch wenig Spielglück, so steigerte der Gambier sich auch in Sachen Effektivität. Mit seinem 2:1 avancierte Jatta zudem zum Derbyhelden.

Tweet zum Spiel

Er war wieder zur Stelle: Guido Burgstaller! Nach über 450 Minuten Torflaute stand der Österreicher in der 30. Minute goldrichtig und köpfte zur zwischenzeitlichen Führung ein. Für Burgstaller war es bereits der 15. Saisontreffer. Noch nie hatte ein Kiez-Kicker zu diesem Zeitpunkt einer Saison so viele Treffer auf dem Konto. Burgstaller hat beste Chance, sich die Torjägerkanone der 2. Liga zu holen. Gebracht hat der Treffer am Ende nichts.

Die Zahl zum Spiel: 1

Nach fünf sieglosen Derbys hat der HSV endlich seinen Derbysieg. Im Fußball-Unterhaus ist es zugleich der erste Heimsieg über den FC St. Pauli. Mit dem 2:1 beenden die Rothosen zudem auch eine fast 21-jährige Durststrecke. Der HSV wartete seit dem 2. Dezember 2001 auf einen Heimsieg im Hamburger Stadtderby. Damals gewann man mit 4:3. Seitdem gab es lediglich jeweils zwei Remis und Niederlagen.
Das könnte Dich auch interessieren: Auch ohne Salah und Mané: Liverpool dank Jota im Finale

"Habe ich noch nie erlebt": Baumgart spricht über kurioses Pokal-Aus

2. Bundesliga
Lienen verlässt St. Pauli nach fast acht Jahren
14/06/2022 AM 13:28
2. Bundesliga
"Sehr wichtig für die Mannschaft": HSV bindet Glatzel langfristig
02/06/2022 AM 15:02