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3. Liga

Deutliche Mehrheit: Entscheidung über Fortsetzung der 3. Liga gefallen

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Magdeburg - 1860 München | 3. Liga

Fotocredit: Getty Images

VonEurosport
25/05/2020 Am 17:04 | Update 25/05/2020 Am 17:04

Der Weg für die Fortsetzung der 3. Liga ist frei. Beim virtuellen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stimmten am Montag 94,9 Prozent der 253 Delegierten für einen entsprechenden Antrag - und damit gegen den Antrag der Landesverbände Sachsen und Sachsen-Anhalt, die Saison wegen der Corona-Pandemie abzubrechen. Laut DFB-Plan soll ab dem 30. Mai wieder der Ball in der 3. Liga rollen.

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Fritz Keller war sichtlich nervös. Immer wieder musste der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Versprecher korrigieren, ständiges Räuspern ließ Unsicherheit erkennen. Erleichterung kam erst auf, nachdem die Koalition der Willigen den Schlussmachern eine Abfuhr erteilt und den Weg für den Neustart der Drittligasaison am Samstag geebnet hatte. Beim Außerordentlichen Bundestag votierten 94,9 Prozent der 253 stimmberechtigten Delegierten für eine Fortsetzung der Spielzeit und gegen einen Abbruch oder eine Neugestaltung der Liga als Folge der Coronakrise.

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DFB-Boss Keller fordert zu Rettung des Fußballs auf

Damit hat die DFB-Spitze am Montag nach nur drei Stunden den Machtkampf mit einigen Klubs und ihren Unterstützern aus den Landesverbänden gewonnen - aber wohl nur vorerst. Dem Verband drohen nun juristische Auseinandersetzungen - auch wenn DFB-Präsident Fritz Keller auf Einsicht hofft. "Ich rufe alle dazu auf, die Kompromisse als Demokraten mitzutragen und zu respektieren", sagte Keller beim ersten virtuellen Bundestag in der Verbandsgeschichte, den er mit dem Präsidialausschuss aus einer Halle in Meckenheim bei Bonn leitete: "Das klare Votum zeigt, dass nicht immer die Lautesten Recht bekommen."

Schon in der vergangenen Woche hatte der DFB gegen den Widerstand einzelner Vereine, Verbände und Landesregierungen den Wiederbeginn der seit Mitte März unterbrochenen Drittligasaison mit Geisterspielen beschlossen. Daraufhin hagelte es erneut Kritik von einigen Klubchefs sowie Teilen der Politik, die in Thüringen und Sachsen-Anhalt noch nicht die Voraussetzungen für einen Saison-Neustart geschaffen hat. Sogar Klagen stehen im Raum.

Die Kritiker reagierten zunächst verhalten. Der 1. FC Magdeburg erklärte, er "respektiere" das Votum, zugleich aber unterstrich der Klub aus Sachsen-Anhalt, wo Mannschaftstraining und Wettkämpfe noch bis Mittwoch untersagt sind, seine Forderung, "vor dem ersten offiziellen Spieltermin jeder Mannschaft eine Vorbereitungszeit in Form von 14-tägigem Mannschaftstraining" einzuräumen. Dies ist bis Samstag nicht mehr möglich. Schlusslicht Carl Zeiss Jena etwa muss wegen des Sportverbots in Thüringen bis zum 5. Juni nach einem Ausweichstadion für sein erstes Heimspiel suchen.

"Ich fordere noch einmal alle auf, jetzt an einem Strang zu ziehen - um den Fußball in diesem Land zu retten", sagte Keller: "Ich appelliere an alle, keine Tricks mehr anzuwenden und die Verweigerungshaltung aufzugeben."

DFB-Vize Koch: "Unwürdiges Schauspiel ist nicht länger hinzunehmen"

Der Streit lässt sich auf eine einfache Formel reduzieren: Auf der einen Seite machen einige Vereine geltend, dass sie aus verschiedenen Gründen nicht weiterspielen können. Auf der anderen Seite vermutet der DFB, dass diese Klubs aufgrund eigener Interessen nicht weiterspielen wollen.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat keinerlei Verständnis für diese Auseinandersetzung. "Dieses unwürdige Schauspiel ist nicht länger hinzunehmen. Der DFB ist kein Spielball einiger Weniger, die untereinander zerstritten sind. Der Egoismus und die Interessen Einzelner helfen uns keinen Schritt weiter", äußerte der Jurist, der allerdings nicht von einem endgültigen Ende des Streits ausgeht: "Ich befürchte, dass die Anwälte der Unterlegenen sich umgehend auf den Weg zu den Gerichten machen werden."

Den Plänen der Abbruch-Befürworter erteilten die Delegierten erst einmal eine Absage. Ein Saisonende ohne Absteiger wollten die Landesverbände Sachsen und Sachsen-Anhalt erwirken. Auch der Antrag des saarländischen Verbandes, wonach die 3. Liga ohne Absteiger in der kommenden Saison zweigleisig (Nord- und Südstaffel) mit jeweils 18 Mannschaften ausgetragen werden soll, wurde abgelehnt.

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DFB droht Minus von 77 Millionen Euro

Beschlossen wurden die Pläne der DFB-Gremien: Die Saison wird fortgesetzt, auch Ansetzungen innerhalb von 72 Stunden sind möglich. Der DFB-Vorstand wurde dazu ermächtigt, über einen möglichen Saison-Abbruch sowie die daraus resultierende Auf- und Abstiegsregelung zu entscheiden. Die Entscheidungsträger sind nicht für die Auswirkungen ihrer Beschlüsse während der Pandemie haftbar. Zudem wurde grünes Licht für die Einrichtung der "Taskforce wirtschaftliche Stabilität 3. Liga" und die Fortsetzung der Frauen-Bundesliga gegeben.

Ein düsteres Bild mit Blick auf die Finanzen zeichnete Schatzmeister Stephan Osnabrügge, der die Coronakrise als "potenziell existenzbedrohend" bezeichnete. Im schlimmsten Fall würde der DFB bis zum Jahresende 96,5 Millionen Euro weniger als geplant einnehmen. Bei diesem Szenario stünde ein Minus von 77 Millionen Euro zu Buche. 13,8 Millionen Euro davon wären nicht durch Rücklagen gedeckt. Aufgrund des vorhandenen Eigenkapitals wäre der Verband allerdings nicht pleite. Nur wenn wieder Länderspiele ausgetragen werden können, würde sich die Lage entspannen.

Magdeburg fordert zwei Wochen Vorbereitung

Der 1. FC Magdeburg respektiert nach eigenem Bekunden das klare Votum des Außerordentlichen DFB-Bundestags zur Fortsetzung der wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Spielzeit. Zugleich erneuerte der Zweitliga-Absteiger seine Forderung nach einer ausreichenden Vorbereitung für alle 20 Mannschaften. Die Saison soll allerdings bereits am Samstag fortgeführt werden.

"Die Abstimmung zur Fortsetzung der 3. Liga respektieren wir. Wie vom DFB stets hervorgehoben, sollte der Spielbetrieb erst aufgenommen werden insofern es die behördlichen Verfügungslagen in allen betroffenen Bundesländern zulassen und somit jeder Verein seine Heimspiele im eigenen Stadion austragen kann", erklärte FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik auf dem Twitterkanal des Klubs.

"Des Weiteren sollte im Sinne annähernd gleicher Wettbewerbsvoraussetzungen vor dem ersten offiziellen Spieltermin jeder Mannschaft eine Vorbereitungszeit in Form von 14-tägigem Mannschaftstraining eingeräumt werden. Unter diesen genannten Voraussetzungen sehen wir trotz großer unterschiedlicher pandemisch bedingter Gegebenheiten in den letzten Wochen annähernd gleiche Wettbewerbsbedingungen für gegeben an", fügte Kallnik an.

Jena sucht noch nach Austragungsort

In Sachsen-Anhalt sind Mannschaftstraining und Wettkämpfe noch bis Mittwoch untersagt, deswegen verlegt der FCM seine Einheit am Dienstag ins niedersächsische Schöningen. Bereits am Samstag steht das Ligaspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern auf dem Programm. Zu dieser Partie werde man "unter Vorbehalt" antreten, hatte Kallnik vor dem DFB-Entscheid erklärt.

Weitere Kritiker des DFB-Fahrplans hielten sich mit kritischen Reaktionen auf den Beschluss zunächst zurück. Der Chemnitzer FC und Carl Zeiss Jena, das dem in Thüringen bis zum 5. Juni geltenden Trainings- und Wettkampfverbot unterliegt, verbreiteten über ihre Webseiten lediglich kommentarlos den DFB-Beschluss im Wortlaut. Tabellenschlusslicht Jena trainiert derzeit im sächsischen Leipzig und sucht nach eigenem Bekunden für sein erstes "Heimspiel" am Sonntag gegen den Chemnitzer FC nach einem Austragungsort in Nordrhein-Westfalen.

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