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Arsenal-Trainer Arsène Wenger behauptet, dass Doping im Fußball weit verbreitet sei

Wenger: Doping im Fußball weit verbreitet

11/11/2015 um 13:42Aktualisiert 12/11/2015 um 17:23

Der Fußball ist keine Insel der Seligen im Meer des vom Doping verseuchten Sports - ganz im Gegenteil. Daran hat jetzt wieder einer der erfahrensten und erfolgreichsten Trainer erinnert. Allerdings wirft die Aussage von Arsenals Coach Arsène Wenger auch Fragen auf.

"Ich versuche, den Werten treu zu bleiben, die ich für wichtig halte - und diese an andere weiterzugeben", erklärt der Franzose und behauptet: "In den 30 Jahren meiner Trainerkarriere habe ich nie einen meiner Spieler spritzen lassen, damit er leistungsfähiger ist. Ich habe nie Substanzen verteilt, die seine Leistung verbessern könnten. Darauf bin ich stolz."

Doch eine solch' klare, saubere Linie sei im Fußballgeschäft längst nicht Standard, so die Überzeugung des 66-Jährigen:

" Ich habe gegen viele Mannschaften gespielt, die nicht diese Einstellung hatten."

Schon vor über einem Jahrzehnt hatte Wenger öffentlich verkündet, dass ihm mehrfach bei Arsenal-Neuzugängen unnatürliche und verdächtige Blutwerte aufgefallen seien, die auf Dopingpraktiken bei den vorherigen Klubs schließen ließen. Mehrfach prangerte er auch legale, aber grenzwertige Methoden wie das "blood spinning" an, mit denen Spieler besonders schnell wieder fit gemacht werden sollen.

Gegner positiv getestet

Die Entscheidung könnte enorme Bedeutung für Arsenal haben, denn aktuell droht dem "Achtelfinal-Abonnenten" erstmals seit über einem Jahrzehnt das Aus in der Gruppenphase - ein Sieg am "Grünen Tisch" könnte dieses Schicksal noch abwenden.

Arijan Ademi vs. Alexis Sanchez (Dinamo – Arsenal)

Arijan Ademi vs. Alexis Sanchez (Dinamo – Arsenal)Eurosport

Spritzen bei Arsenal

Wenger gesteht in dem langen Interview aber auch ein, dass Fairness ihm selbst auch nicht immer leicht gefallen sei.

" Ich war nicht immer so. In jedem von uns steckt die Sehnsucht nach Siegen [...]. Mir fiel es manchmal sehr schwer, extrem auf "fair play" zu achten, weil ich Niederlagen aus tiefster Seele hasse."

Inzwischen sei dies nicht mehr so extrem und Wenger nennt zwei Beispiele aus anderen Sportarten, die ihn beeindruckt haben. In seiner Zeit als Trainer in Japan (Mitte der Neunziger, unmittelbar vor dem Wechsel zu Arsenal) waren es die Sumo-Kämpfer, deren Auftreten ihn begeisterte: "Am Ende eines Kampfes zeigt der Sieger dort nie seine Freude - um den Gegner nicht zu demütigen."

Ein absolutes Vorbild im Mannschaftssport wiederum seien die Rugby-Spieler: Wie Englands Nationalteam nach dem bitteren Aus bei der Heim-WM ein Spalier bildeten und dem australischen Gegner, die ihnen diese fürchterliche Niederlage zugefügt hatten, Beifall klatschten - dafür hat Wenger nur ein Wort: "Respekt!"

L'Equipe "Sport & Style" feat. Arsene Wenger (Pic: L'Equipe www.sportetstyle.fr)

L'Equipe "Sport & Style" feat. Arsene Wenger (Pic: L'Equipe www.sportetstyle.fr)Eurosport

Allerdings sind bei Wengers Behauptung, unter seiner Leitung sei es bei Arsenal immer sauber zugegangen, auch Zweifel angebracht. Englands einstiger Nationalspieler Paul Merson berichtet aus den ersten Jahren Wengers bei Arsenal sehr wohl von Tabletten, Spritzen und fragwürdigen medizinischen Maßnahmen:

Doch losgelöst wie man die Sauberkeit bei den "Gunners" letztlich beurteilt: Außer Frage steht, dass Doping im Fußball wie auch Wettbetrug und Korruption ein großes Problem darstellt, vor dem lange die Augen verschlossen wurden und dem sich Fans wie Experten noch nicht im nötigen Maße stellen.

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