Aus Doha berichtet Florian Bogner
Manuel Neuer wäre schon gerne wieder nach Zürich geflogen. Bei der Ballon-d’Or-Gala auf dem Podium bei Lionel Messi und Cristiano Ronaldo zu sitzen, um die höchste individuelle Auszeichnung für einen Fußballer zu streiten, ist schließlich schon ganz erstrebenswert. Und so eine Trophäe macht sich gut auf dem Kaminsims.
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Ballon d'Or
Von Messi & Ronaldo ausgebremst: Stars ohne Ballon d'Or
11/01/2016 AM 14:48
Doch nach 2014 (Franck Ribéry) und 2015 (Neuer) findet die Weltfußballer-Gala der FIFA diesmal ohne Beteiligung des FC Bayern München statt - was auch ein Indiz dafür ist, dass die vergangene Saison unter Pep Guardiola nicht so wirklich erfolgreich war, mit nur einem Titel, der deutschen Meisterschaft.

Fünf Bayern in Top 20 – aber nicht mehr

Fünf Bayern mussten sich 2016 mit Plätzen zwischen 4 und 20 begnügen: Robert Lewandowski, Thomas Müller, Manuel Neuer, Arjen Robben und Arturo Vidal.
Vorne macht der spanische Fußball das Ding unter sich aus, wenn auch ohne Spanier. Messi (Argentinien), Ronaldo (Portugal) oder Neymar (Brasilien) heißt es, FC Barcelona oder Real Madrid – mit einem klaren Favoriten für die Bayern-Stars.

Favorit der Bayern-Spieler: Lionel Messi

"Ich schaue mir das jedes Jahr an. Ich würde auch dieses Jahr wieder Lionel Messi wählen", sagte Mario Götze, der dem Barcelona-Star also wieder eine Wachablösung gönnt.
2014 und 2015 hatte Ronaldo die Titel für die Jahre 2013 und 2014 abgeräumt und damit den Anschluss zu Messi (4x insgesamt) hergestellt (3). Überhaupt machen die beiden Superstars den Titel seit 2008 nur noch unter sich aus. Letzter anderer Titelträger war Kaká vom AC Mailand für das Jahr 2007.
"Nach der letzten Saison hat sich Messi das verdient. Er oder Neymar", meint auch Jérôme Boateng, der die Klasse der Barcelona-Stars beim 0:3 im Halbfinal-Hinspiel der vergangenen Champions-League-Saison am eigenen Leib erfahren musste.
Thiago Alcántara erhebt Messi sogar zum besten Fußballer aller Zeiten. "Das ist er für mich, ohne Zweifel. Wir alle haben das Glück, in seiner Zeit spielen zu dürfen. Für mich wird er immer der beste Fußballer aller Zeiten sein", sagte der Spanier, der bei Barcelona bis 2013 an Messis Seite gespielt hatte.

Wer schafft’s zumindest in die FIFA-Weltelf?

Für die Bayern bleiben derweil allenfalls Plätze in der FIFA-Weltelf, die ebenfalls am Montagabend bekannt gegeben wird.
Elf Bayern waren nominiert, Neuer ist höchstwahrscheinlich dabei, David Alaba hat gute Chancen, Boateng, Philipp Lahm und Thomas Müller sind Außenseiter. Extra in die Schweiz fliegen wollte dafür niemand, trotz Einladung. "Wir haben uns hier in Doha auf die Rückrunde vorzubereiten", sagte Neuer.
2017 würden sie aber wieder gerne dabei sein, in den Top drei. "Es wäre schön, wenn einer von uns dabei ist. Mal gucken, ob wir das hinbekommen", so Boateng.

Neuer: Nur in geraden Jahren möglich

Ein Anwärter ist Neuer, weil es ja die EM gibt, zum Extra-Auszeichnen. "In einer Saison, in der kein Turnier stattfindet, ist es schwer als Torwart in die Top drei zu kommen", weiß der Nationaltorhüter.
Da muss schon viel funktionieren. Bei mir hat 2014 mit der Weltmeisterschaft einfach alles gepasst. Das hat mich stolz gemacht.
Ebenso wie die Auszeichnung der etwas obskuren IFFHS, die ihn nun zum dritten Mal in Folge zum Welttorhüter kürte - was nichts mit der FIFA-Gala zu tun hat.

Costa strebt das Podium an

Auch Douglas Costa strebt eines Tages das Podium an. "Wenn ich so weitermache, werde ich in zwei, drei Jahren vielleicht nicht der Beste der Welt sein, aber ich will unter die ersten fünf oder in die Top drei. Ich denke, das ist möglich", sagt er bei "O Globo".
Gegenüber der "Sport Bild" präzisierte er:
Mein Traum wäre es, in München zu einem der drei besten Spieler der Welt zu reifen.

Lewandowski: 2015 mehr Tore als Messi und Neymar

Lewandowski durfte im Herbst nach seinem Fünferpack gegen den VfL Wolfsburg kurz mal von einer Top-drei-Platzierung träumen, letztlich ging aber auch er leer aus.
Immerhin: Der Pole erzielte 2015 für Klub und Nationalmannschaft mit 49 schon die zweitmeisten Tore hinter Cristiano Ronaldo (57) und vor Messi (46) und Neymar (45). Vielleicht wird ja 2016 Lewys Jahr mit 50+ Toren.

Thiago bereitet lieber vor

Ein weiterer Kandidat ist Thiago - wenn der 24-Jährige endlich mal ein Jahr verletzungsfrei bleibt und seine Form stabilisiert. Die Klasse am Ball dazu hat er ohne Frage, aber er schießt zu wenige Tore. "Ich bin ein Vorbereiter, das mag ich lieber als Tore schießen", sagte er in Doha. Und zum Ballon d’Or:
"Ich denke, dass es ein Ziel für alle Spieler der großen Klubs ist. Meistens gewinnen diejenige, die die Tore schießen, deswegen ist das ein bisschen entfernt für mich. Aber es ist sicher die höchste individuelle Auszeichnung, wenngleich mir Meisterschaft, Pokal und Champions League ehrlich gesagt lieber sind."
WM-Siegtorschütze Mario Götze würde sich selbst in Zukunft auch gerne mal in Zürich sehen:
Natürlich habe ich den Traum, selbst mal da ganz oben zu stehen. Dafür arbeite ich hart.

Cannavaro bleibt der letzte Defensive

Für Boateng dagegen sind die Zeiten vorbei, in denen Defensivspieler die Chance auf Weltfußballerehren hatten.
Fabio Cannavaro (2006) war der letzte, dem dies gelang, dank Weltmeistertitel und Paraderolle bei Real Madrid. "Als Abwehrspieler wird's schwer, wir stehen nicht so im Fokus. Offensivspieler schießen die Tore, machen die Tricks", sagte der Nationalverteidiger.
Auch wenn er neulich in Doha fast schon weltfußballerverdächtig mit der Hacke einnetzte: "Das eine Tor im Training reicht nicht."
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