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Blog von Sigi Heinrich: Steffi Jones' Demontage ist auch eine Niederlage für den DFB

Heinrich-Blog: Jones' Demontage ist auch eine Niederlage für den DFB

13/03/2018 um 14:22Aktualisiert 13/03/2018 um 15:26

Oliver Bierhoff lässt die Muskeln spielen, der DFB zieht die Reißleine: Sigi Heinrich schreibt in seinem Blog über das Aus von Steffi Jones als Bundestrainerin und stellt dabei das Händchen des DFB infrage. Denn die späte Demontage der unerfahrenen Bundestrainerin nach vielen in den Wind geschossenen Warnsignalen ist auch eine Niederlage für den DFB.

Wer bisher beim DFB eine Anstellung fand, musste schon fast silberne Löffel stehlen, um mit dem bösen Wort "Kündigung" konfrontiert zu werden. Und so teures Besteck hat nicht mal einer der reichsten Sportverbände der Welt. Deshalb waren die Jobs begehrt. Das ist vorbei.

Jetzt hat auch der DFB mit der härtesten und letztmöglichen aller Maßnahmen reagiert: Dem Trainerwechsel.

Bierhoff ist der starke Mann im DFB

Deutlich ist dabei vor allem eines geworden: Der starke Mann im DFB heißt Oliver Bierhoff, denn es war, so heißt es, seine "Empfehlung" des Direktors aller Nationalmannschaften hierzulande, Jones sofort von ihren Aufgaben zu entbinden.

Jetzt, nach zwei Niederlagen und einem Unentschieden beim SheBelieversCup in den USA hat Bierhoff erstmals so richtig seine Muskeln spielen lassen. Die Gründe für diesen radikalen und ungewöhnlichen Schnitt sind dabei vielfältig.

Zum einen machte wohl der in die USA mitgereiste Sportliche Leiter des DFB, Joti Chatzialexiou, Nachlässigkeiten in der Teamführung aus, die ihn nicht unbedingt zu begeistern schienen und die sicher auch dazu beigetragen haben, dass die erhoffte Leistung einer der bislang besten Frauennationalmannschaften der Welt, weit hinter den Erwartungen zurückblieb.

Oliver Bierhoff

Oliver BierhoffSID

Die Angst geht um beim DFB

Dazu kam eine gehörige Portion Angst.

Denn in Bälde stehen Qualifikationsspiele der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr auf dem Programm und ein Scheitern würde all die Erfolge der Vergangenheit in den Schatten stellen.

Frauenfußball hat sich auch im Fernsehquotenbereich gut entwickelt, allerdings ist das auf Vereinsebene nie angekommen. Die Angst und die Erinnerung an das frühe Ausscheiden (im Viertelfinale) bei der Europameisterschaft im letzten Jahr haben die Kündigung von Jones mächtig befeuert.

Jones die große Verliererin

Steffi Jones ist die große Verliererin. Sie bestritt 111 Länderspiele für Deutschland, war drei Jahre Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauenfußball-WM 2011 und wurde vom DFB immer bevorzugt behandelt.

Nach 2011 war sie Direktorin beim DFB und übernahm dann 2016 den Job der ewigen Bundestrainerin Sylvia Neid.

Jetzt ist sie demontiert worden auf sehr schmerzhafte Art und Weise.

Und doch ist es keine Überraschung denn schon bei der Amtseinführung als Bundestrainerin gab es genug warnende Stimmen, die allesamt auf die mangelnde Erfahrung von Steffi Jones als Trainerin hingewiesen haben.

Steffi Jones

Steffi JonesSID

Das muss sich der DFB ankreiden lassen

Dass Jones sich persönlich nicht dagegen wehrte, den begehrten Job zu erhalten, ist verständlich.

Dass hingegen der DFB mit all seinen Direktoren und Beratern stur diese Personalie durchzog, wohl sogar wider besseren Wissens, muss sich die Führungsriege des Verbandes jetzt klar ankreiden lassen.

Ja, der DFB hat nach der verkorksten Europameisterschaft sogar den Vertrag mit Jones verlängert.

Wohl auch wider besseren Wissens. Der deutlichste Warnschuss, dass sich die Frauennationalmannschaft auf einer Talfahrt befindet, war die historische 2:3 Niederlage in der WM-Qualifikation gegen Island. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte man Klartext reden müssen.

Doch auch diesmal fand der DFB nicht den Mut, eine seiner Lieblingsangestellten in Frage zu stellen.

Gefühle statt professioneller Prüfung

Die Entlassung von Steffi Jones ist so auch eine Niederlage für den DFB. Die Berufung von Horst Hrubesch eine Übergangslösung.

Die nächste Personalie für den Frauenfußball wird wohl einer intensiveren und gründlicheren Prüfung vorausgehen.

Im Fall von Jones hat sich der DFB zu sehr von Gefühlen und alten Verdiensten leiten lassen. Sehr professionell war das nicht. Und Jones muss auch dafür jetzt ihren Kopf hinhalten.

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