Thomas Tuchel hat ein Gute-Laune-Problem. Der XXL-Kader des BVB birgt Explosionsgefahr und schlägt schon jetzt einigen Spielern auf die Stimmung.
Dabei hat Borussia Dortmund bisher alle sechs Pflichtspiele gewonnen - mit der bemerkenswerten Bilanz von 20:3-Toren. Nur beim 4:3 im Hinspiel in Norwegen kassierte der Tabellenführer der Bundesliga überhaupt Gegentore.
Auch das Rückspiel gilt als Selbstläufer (Donnerstag, ab 2030 Uhr im Liveticker bei eurosport.de), die eigentliche Herausforderung ist ohnehin eine andere. Bis zum 31. August muss der hochgelobte Coach Thomas Tuchel das Personal ausdünnen, auch wenn er dies so explizit nicht sagt.
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29 Mann tummeln sich derzeit auf dem Trainingsplatz – zu viel, um zielgerichtet arbeiten zu können.

BVB-Coach Thomas Tuchel (li.) findet bislang die richtigen Worte in Dortmund

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Wer muss gehen?
Der BVB würde sich am liebsten noch von vier, fünf Profis trennen, aber keiner will wirklich weg.
Fast alle schwärmen von Tuchel, seinen speziellen Trainingsmethoden, seiner Detailbesessenheit, seinen Strategien, seinen Ansprachen, und irgendwie wollen auch alle dabei sein bei der Dortmunder Renaissance.
Genau diese Euphorie beschäftigt und belastet Tuchel. Er hat ein Personalproblem, das er lösen muss und quält sich damit.
"Mir fällt es seit meiner Zeit als Jugendtrainer immer schwer, mich von Spielern zu trennen. Man lernt sich kennen, es entstehen Bindungen und Nähe“, erklärte der Nachfolger von Kult-Trainer Jürgen Klopp. "Klar ist, dass wir den jungen Spielern hier im Klub die Möglichkeit geben wollen, näher heranzukommen. Klar ist auch, dass ich lieber mit einem engen Kader arbeite.“
Polyvalenz ist gefragt
Typisch Tuchel. Selbst aus unangenehmen Wahrheiten versucht er positive Botschaften zu machen: "Man muss nicht jede Position doppelt besetzt haben. Ich brauche keine 20 Spezialisten.“ Soll heißen: Es müssen noch ein paar Akteure gehen und die Qualität leidet trotzdem nicht. Im Gegenteil. Die Übungseinheiten können noch individueller und effektiver gestaltet werden.
Tuchel setzt auf polyvalente Spieler, so wie Weltmeister Matthias Ginter, der nach einem völlig verkorksten Debütjahr unter Klopp schon vor dem Abschied stand und nach intensiven Gesprächen mit dem neuen Coach und einer kleinen Umschulung auf einmal sogar von einem Stammplatz hinten rechts träumen darf.
Ginter könne vier Positionen spielen, so Tuchel, in der Mitte links oder rechts, auf der Sechserposition oder eben rechts in der Viererkette.

Matthias Ginter (l.) hat ein kompliziertes erstes Jahr beim BVB hinter sich

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Ginter ist ein Tuchel-Spieler, der andere BVB-Weltmeister ohne eine Sekunde Spielzeit, der polyvalente Kevin Großkreutz dagegen eher nicht.
Vertrauen in die eigene Leistung
Großkreutz darf gehen und soll gehen, genauso wie Jakub Blaszczykowski, Moritz Leitner und Oliver Kirch. Dann wäre es schon etwas übersichtlicher in der Umkleidekabine - und trotzdem müssten noch sieben gestandene Stars auf der Bank oder Tribüne Platz nehmen, wenn alle fit sind.
Über Namen oder geplante Abgänge will Tuchel nicht öffentlich reden.
Viel lieber doziert er über den Stellenwert der Europa League und das gesteigerte Selbstvertrauen durch den gelungenen Saisonstart.
"Wir merken schon, dass Siege durch nichts zu ersetzen sind. Wir merken, dass wir uns in die Lage bringen, immer nachzulegen, immer wieder zu gewinnen“, erklärte der 41-Jährige. "Die Mannschaft spürt, wofür sie arbeitet. Sie bleibt hartnäckig und beharrlich. Und natürlich wächst daraus dann Selbstvertrauen. So präsentieren wir uns aktuell ja auch. Wir sind sehr geschlossen, haben Vertrauen in unsere eigene Leistung und in unsere Verhaltensweisen. Wir wollen unbedingt in die Europa League."
Bis zur Winterpause kommen auf den BVB bei erfolgreicher Europa League-Qualifikation noch maximal 23 Pflichtspiele zu. Bis spätestens Dienstag kommender Woche will Tuchel das Gedränge im Kader gelöst haben.
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