Yann Sommer schüttelt den Kopf. Nein, nein, so ist es nicht. "Wir wollen gar nicht auf Understatement machen", sagt der Torhüter von Borussia Mönchengladbach dem "kicker". Er möchte nur Sorge tragen, dass der Blick für die Realitäten gewahrt werde.
"Die Saison war toll, aber sie ist Vergangenheit. Das Einzige, was uns davon bleibt, ist die Champions League", sagt Sommer nach einer Spielzeit, die Gladbach auf Rang drei und damit in die "Königsklasse" führte. "Der schönste, aufregendste Klubwettbewerb der Welt", schwärmt der Schweizer, er kennt Europas Eliteliga vom FC Basel.
Sommers Ansage
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10/08/2015 AM 20:21
Die erstmalige Teilnahme ist Gladbachs Lohn für ein außergewöhnliches Jahr, ein "Bonus", wie Sommer es nennt. Aber mehr auch nicht. Denn jetzt beginnt alles von vorne. "Entscheidend wird sein, ob es uns gelingt, an die vergangene Saison anzuknüpfen", weiß Sommer, der selbstbewusst anfügt: "Wir müssen uns bestimmt nicht verstecken!"
Die Meisterschaft ist ein Tabuthema, doch mit jugendlichem Elan startet Borussia angriffslustig in die Bundesliga. "Platz eins und zwei sind wohl eine Hausnummer zu groß. Aber die Top fünf wollen wir weiter unter Druck setzen", erklärt Sportdirektor Max Eberl vor dem Auftakt bei Borussia Dortmund (Samstag ab 18:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.de).
Die Fans des fünfmaligen deutschen Meisters träumen von Titeln, Lucien Favre geht mit der gesteigerten Erwartungshaltung allerdings gelassen um. Euphorie sei doch immer da, man müsse sie halt beherrschen, sagt er.
"Bäckermeister" Favre: Die Mischung macht's
Die Ruhe des Schweizer Erfolgstrainers überträgt sich auf seine Spieler. Trotz der Abgänge der Leistungsträger Max Kruse (Wolfsburg) und Christoph Kramer (Leverkusen) überzeugten die Gladbacher in der Vorbereitung und nach anfänglichen Problemen im Pokal beim FC St. Pauli (4:1). Neuzugänge wie Lars Stindl haben sich glänzend integriert, und Sommer freut sich schon auf den Gang nach Dortmund, wo er einen "Knaller voller Prestige, Spannung und Emotion" erwartet.
Gut möglich, dass Favre beim BVB wie im Pokal auf die beiden Youngster Andreas Christensen (19) und Marvin Schulz (20) in der Innenverteidigung vertraut. "Am Millerntor zu bestehen ist das eine, in Dortmund gegen Reus und Aubameyang zu bestehen das andere", warnt jedoch Eberl.
Dabei scheint Favre durchaus die richtige Mischung gefunden zu haben. "Eine Mannschaft ist wie ein Kuchen", hat der 57-Jährige in der "Rheinischen Post" gesagt. "Die Zutaten müssen passen. Und wenn sie an einer Stelle Salz statt Zucker hinzugeben, ist der Kuchen hinüber. Jeder Spieler ist nur eine Zutat."
Eberl: "Das wäre der Anfang vom Ende!"
Auch wenn am Niederrhein derzeit alles nach Wunsch läuft, will Eberl von einem Angriff auf Branchenprimus Bayern München nichts wissen: "Es wäre wahrscheinlich der Anfang vom Ende, wenn wir das tun. Da gibt es andere Vereine, die den Anspruch haben müssen."

Lucien Favre trainiert Gladbach seit 2011

Fotocredit: Imago

Favre sieht andere Teams vor allem deshalb im Vorteil, weil sie im Gegensatz zur Borussia keine Stammspieler abgeben mussten: "Das ist der Unterschied, aber wir brauchen nicht klagen. Mit unserem Spieleretat liegen wir in der Bundesliga im Mittelfeld. Das ist Gladbachs Grenze."
Und es wäre ja nicht das erste Mal, dass sich diese Gladbacher Grenze ein bisschen nach oben verschiebt...
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