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Nach Schweinsteigers Weggang vom FC Bayern zu Manchester United: Guardiola wird zum Buhmann der Fans

Fan-Zorn wegen Schweinsteiger: Guardiola der Buhmann beim FC Bayern

13/07/2015 um 15:24Aktualisiert 14/07/2015 um 09:34

Bayerns Fan-Seele kocht. Der Abschied von Bastian Schweinsteiger zu ManUnited schmeckt den Anhängern nicht. Trainer Pep Guardiola rückt zunehmend ins Zentrum der Kritik, das Misstrauen wächst. Der Katalane sieht sich den Vorwürfen von Alleinherrschaft und Wertentfremdung ausgesetzt - und steht stärker unter Erfolgsdruck denn je. Dabei gibt es plausible Gegenargumente.

Bayerns Fan-Seele brodelt. Und Pep Guardiola gerät zusehends ins Auge des Orkans.

"Es war mir eine große Ehre, sein Trainer zu sein", flötete der spanische Star-Coach über Bastian Schweinsteiger, der gen Manchester United entschwindet, und berichtete von einem Gespräch. "Ich habe zu ihm gesagt: 'Entscheide, wie du glücklich bist.'" Das wirkt edel und großmütig.

Andere behaupten, Guardiola habe jede Anstrengung gescheut, um Schweinsteigers Abschied auf die Insel zu verhindern. Über einen "emotionslos moderierten Weggang" schreibt der "Spiegel", die "tz" sieht einen Verein, "dessen Identitätskrise immer offensichtlicher wird".

Als Karl-Heinz Rummenigge den Fans in der Arena die Schweinsteiger-Nachricht überbrachte, setzte es wüste Pfiffe. Das Volk tobt.

Das Misstrauen gegenüber Pep Guardiola hat sich durch Schweinsteigers Wechsel potenziert; latent schlummerte es bereits zuvor. Nach dem Double in seiner ersten Saison sprang im Vorjahr "nur" die Meisterschaft heraus. Die Gründe (Verletzungen, Form, Pech) wurden vielfältig erörtert - gemeinhin überzeugen konnten sie scheinbar nicht.

Erst "Mull", dann der Kult-Physio, dann der "Fußballgott"

Jetzt das. Bastian Schweinsteiger geht. Der "Fußballgott". Die DNA des FC Bayern, sein Rückgrat und Gewissen. Nach 500 Pflichtspielen. "Er ist eine Ikone, so einen wird es nicht mehr geben. Bastian Schweinsteiger ist in einem Atemzug mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller zu nennen", adelte ihn sein Triple-Trainer Jupp Heynckes im "kicker".

Keine Zukunft: Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Pep Guardiola

Keine Zukunft: Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Pep GuardiolaImago

Auch die Rolle der Chef-Etage wird hinterfragt. Manche meinen, dass sich Rummenigge & Co. dem Trainer Guradiola vorbehaltlos ausliefern, um ihn zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen: durch einen Kader nach seinem Gusto. Was aber, wenn der 44-Jährige im nächsten Sommer weiterzieht?

Macht sich der deutsche Rekordmeister zu abhängig von ihm?

Für Pep steigt der Erfolgsdruck, noch einmal. Sollte es in der kommenden Saison nicht wie gewünscht laufen - und das heißt bei Bayern mittlerweile, das Champions-League-Finale zu verpassen -, wird die Basis den Schuldigen definieren. Bastian Schweinsteiger ist es nicht.

Guardiola und seine "Wunschspieler"

Pep-Transfers? Die Spanier Thiago (l.) und Xabi Alonso

Pep-Transfers? Die Spanier Thiago (l.) und Xabi AlonsoAFP

Übrigens sprach Sammer gar nicht über Schweinsteiger. Er zielte auf Douglas Costa ab, den 30-Millionen-Mann - einen vermeintlichen "Wunschspieler" Guardiolas. Wie so viele. Eigentlich alle, die seit seinem Amtsantritt nach München strömten, zuallererst die Spanien-Connection um Thiago, Xabi Alonso und Juan Bernat. Zuweilen war von einer "Hispanisierung" Bayerns die Rede; das kanzelte Rummenigge als "dumpfe und provinzielle Denkweise" ab.

Gleichermaßen, trommelte der FCB-Boss, sei eine "Flucht" Schweinsteigers vor Guardiola "ins Reich der Fabel zu verweisen".

Dennoch: Die Außendarstellung ist negativ. Trotz Gegenargumenten. Beispiel Toni Kroos, den Guardiola im Sommer 2014 "unbedingt behalten" wollte, wie der Nationalspieler bei "Sky" offenbarte. "Wir haben es probiert, leider wollte er eine andere Herausforderung", sagte Pep Guardiola damals.

"Thiago oder nix", Peps geflügelter Ausspruch muss offenbar als Symbol für Alleingänge herhalten. Gerecht ist das nicht immer. Alonso diente als logische Wahl für zwei Jahre, Bernat zündete wie eine Rakete, Mario Gomez und Luiz Gustavo passten nicht ins System. Die Differenzen mit Mario Mandzukic waren wohl auch außersportlicher Natur.

"Pep konnte ihm keine Garantie geben"

Und Bastian Schweinsteiger? Der erfüllt sich seinen Premier-League-Traum. Womöglich nicht ganz freiwillig, doch sein Faible für England ist bekannt. "Er will einfach diese neue Erfahrung ", sagt Rummenigge. Vor allem im Hinblick auf die Europameisterschaft 2016: Der DFB-Kapitän braucht Einsätze und Vertrauen, da kommt der van-Gaal-Faktor gerade gelegen. Der Niederländer formte Schweinsteiger ja erst zu einem formidablen "Sechser", 2009 war das.

Im April 2014 traf Schweinsteiger (hier mit Franck Ribéry) noch gegen Manchester - und für Bayern

Im April 2014 traf Schweinsteiger (hier mit Franck Ribéry) noch gegen Manchester - und für BayernAFP