Zettelwirtschaft

Pep Guardiola ist lernfähig. Der Bayern-Coach kopierte beim Arbeitssieg gegen den Aufsteiger die Zettel-Rotation von Gladbachs Trainer André Schubert und hatte damit ebenfalls Erfolg.
Wir erinnern uns: Vor zwei Wochen lagen die Gladbacher bei 1899 Hoffenhein mit 2:3 zurück, als Schubert in der 80. Minute Nico Elvedi für Julian Korb einwechselte und dem jungen Schweizer zwei Zettel mit auf den Platz gab - mit Anweisungen für Granit Xhaka und Lars Stindl. Er habe auf einigen Positionen umgestellt, da habe es sich angeboten, zentralen Spielern Anweisungen zukommen zu lassen. Die Folge: Gladbach rettete ein 3:3
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Guardiola steckte seinem Kapitän Philipp Lahm schon in der 56. Minute einen Zettel zu. Es musste etwas passieren, weil es gegen den starken Neuling Ingolstadt noch immer 0:0 stand. Zwei Minuten später lief Stefan Lex zum zweiten Mal auf Bayern-Keeper Manuel Neuer zu, der einmal mehr den Rückstand verhinderte.
Lahm brauchte eine ganze Weile, bis er die Trainer-Order zuende las, dann gab er das Papier an Javi Martinez weiter - aber was stand eigentlich genau drauf? "Er hat geschrieben, dass ich ein Tor schießen soll. Weil ich ein Musterprofi bin, habe ich das gemacht", scherzte Lahm.
Guardiola gab mehr Einblick:
Wir wollten nicht nur einen Spieler wechseln, sondern drei oder vier. Da ist es einfacher, wenn ein Spieler mit den anderen kommuniziert, als wenn ich jeden Spieler raushole. Wir wussten, dass wir über die Außenstürmer Druck aufbauen mussten - auf den linken Verteidiger."
Der Katalane nahm Lahm ins Mittelfeld, holte Martinez in die Innenverteidigung zurück, Holger Badstuber sollte den linken Verteidiger geben und Rafinha den rechten.
Die Umstellungen funktionierten. Robert Lewandowski machte nach einem Traumpass von Jérôme Boateng mit seinem 15. Saisontor das 1:0 (65.), und Lahm setzte mit seinem ersten Liga-Treffer seit Oktober 2014 die Schlusspointe (75.). Die fünfte Herbstmeisterschaft in Folge war perfekt.
Nach dem Arbeitssieg sprach Guardiola dem FCI ein "großes Kompliment" aus: "Wir haben gegen die beste Mannschaft gespielt, die wir in dieser Saison getroffen haben."

Verletzungsseuche

Pep Guardiola reagiert zunehmend genevrt, wenn er auf die erneute Verletzungsseuche seiner Mannschaft angesprochen wird. Es ist wie verhext. Sechs Hochkaräter muss der Bayern–Coach derzeit ersetzen: Arjen Robben, Franck Ribéry, David Alaba, Douglas Costa, Mario Götze und Medhi Benatia. So wird das nichts mit dem ersehnten Champions-League-Triumph - und so wurde es auch fast nichts gegen den FC Ingolstadt, der hoch verteidigte, aggressiv in die Zweikämpfe ging und so den Rekordmeister vor Probleme stellte.
Wenigstens gab es bei den Bayern gegen den Neuling keine weiteren ernsthaften Verletzungen. Badstuber musste nach einem Zusammenprall mit Lukas Hinterseer bereits in der 15. Minute genäht werden und konnte nur mit einem Turban weiterspielen. Sein Einsatz im Pokal am Dienstag gegen Darmstadt 98 soll allerdings nicht gefährdet sein.

Bayern-Innenverteidiger Holger Badstuber musste gegen Ingolstadt mit einem Kopfverband durchhalten

Fotocredit: Imago

Guardiola monierte, mit diesem Rumpfkader nicht ernsthaft um den Champions-League-Titel kämpfen zu können. Tatsache ist: Er konnte gegen Ingolstadt immerhin Thiago, Xabi Alonso und Sebatian Rode einwechseln. Robben könnte für die letzten beiden Spiele in diesem Jahr – gegen Darmstadt im Pokal und bei Hannover 96 – zurückkehren.

Arturo Vidal noch immer nicht der gewünschte Impulsgeber

Der chilenische Neuzugang von Juventus Turin wurde als Aggressive Leader verpflichtet – bisher konnte der Copa América-Sieger diese Erwartungen (noch) nicht erfüllen. Vidal spielt solide, aber nicht so dominant wie gewünscht. Gegen Ingolstadt musste er in der 51. Minute raus.
Der 37-Millionen-Euro-Neuzugang wirkt körperlich nicht auf der Höhe, eine Pause würde ihm gut tun.
Vor der WM 2014 wurde er am Meniskus operiert und hat seitdem so gut wie durchgespielt. Zuerst eine lange Saison mit Juventus Turin, die erst mit dem verlorenen Champions-League-Finale endete, dann die kräftezehrende Copa América mit Chile. Nach dem Copa-Sieg und einem Mini-Urlaub ging es bei den Bayern gleich weiter. Große Auszeiten bekam er bisher nicht. Vidal bestritt in der Liga alle Begegnungen. Bei Länderspieleinsätzen in der Heimat soll er sogar fitgespritzt worden sein.
Verheizen ihn die Bayern, bevor im Frühjahr die wichtigen Spiele kommen? Bayerns technischer Direktor Michael Reschke, der den Vidal.Transfer einfädelte, bezweifelt das: "Arturo ist einer für die großen Spiele. Er wird in einem großen Spiel ein entscheidendes Tor schießen." Was zu beweisen wäre.
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