Es war ein ungemütlicher November für Trainer Carlo Ancelotti und den FC Bayern.

Bei Minusgraden in Russland hatte es die Münchner eiskalt erwischt. 2:3 hieß es am Ende gegen Rostow in der Champions League, der Gruppensieg war damit futsch.

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11/12/2016 AM 10:14

Für alle war offensichtlich: Etwas Elementares stimmt nicht bei den Bayern. Also kam Ancelotti ins Grübeln, denn auch beim anschließenden 2:1 gegen Bayer Leverkusen in der Bundesliga war die Performance seines Teams nicht berauschend.

Als Konsequenz änderte er gegen Mainz sein System. Es war die Abkehr von seinem präferierten System, dem 4-3-3, in dem die Formation der Spieler der nach oben spitz zulaufenden Silhouette eines Weihnachtsbaumes gleicht. Und siehe da: Mit der Rückkehr zum 4-2-3-1 kam auch die Dominanz wieder. Ein Großteil der Spieler im Kader wurde für dieses System geholt, damit gewannen die Bayern 2013 auch die Champions League.

"Wir können beide Systeme spielen, aber die Spieler fühlen sich mit dem 4-2-3-1 am wohlsten", brachte es Ancelotti nach dem überzeugenden 5:0 gegen den VfL Wolfsburg am Samstag auf den Punkt. Klar, Robert Lewandowski, Arjen Robben, Franck Ribéry und Thomas Müller sind so perfekt eingespielt.

Ob es Ancelottis Idee war, die Taktik derart anzupassen oder der Impuls aus der Mannschaft kam und der Trainer sich hat überzeugen lassen, ist nicht klar. Fakt ist jedoch, dass es aufgrund dieser Maßnahme neben Gewinnern auch Verlierer gibt.

Die Gewinner:

Thomas Müller: Was haben die Fans und Kollegen mit ihm gelitten... Dem Torjäger klebte unentwegt das Pech an den Stiefeln. Davon unabhängig konnte er im 4-3-3 seine Stärken kaum einbringen, denn dort musste er ganz rechts ran. Als Außenstürmer verfügt er jedoch nicht über ausreichend technische Mittel, um die Gegner schwindelig zu spielen. Müller braucht die Freiheit, sich zu bewegen, wohin er will. Zwischen den Linien ist er für den Gegner nicht greifbar, kann Vorlagen liefern, Unruhe stiften und selbst in Lücken vordringen. Pep Guardiola hat das erkannt und positionierte ihn hinter Robert Lewandowski, Ancelotti hat das nun offenbar auch begriffen. Gegen Mainz und Wolfsburg brillierte Müller, schoss folgerichtig sein erstes Saisontor in der Bundesliga. Müller ist definitiv der größte Profiteur des neuen Systems.

Arjen Robben: Fitness ist die eine Sache, die er zwingend benötigt, die andere ist das Selbstvertrauen durch regelmäßige Einsätze. Im 4-3-3 befand er sich mit Müller im Konkurrenzkampf um die Position rechtsaußen. Durch die Umstellung ist dort nun unumstritten. Der Routinier kann trotz seines mit 32 Jahren fortgeschrittenen Alters weiterhin den Unterschied ausmachen. Kaum ein Gegner findet ein Mittel gegen seinen linken Zauberfuß. "Ich fühle mich im Moment sehr gut. Ich denke, das sieht man auch auf dem Platz. Ich habe viel Spaß", stellte er zuletzt klar. Stimmt.

Die Verlierer:

Xabi Alonso: Die Mittelfeldzentrale hat nun eine andere Struktur. Mit einer "Doppel-Sechs", bestehend aus einem Abräumer und einem Spielgestalter, wird das Zentrum defensiv wie offensiv gestärkt. Dumm nur, dass Xabi Alonso mittlerweile in keine der angegebenen Kategorien mehr fällt. Zuvor hatte er als erster Passgeber vor der Abwehr als Stratege fungiert, kam aber ins Straucheln, wenn es schnell wurde. Weil auch das Umschaltspiel der Bayern nicht funktionierte, sah er in Eins-gegen-Eins-Situationen oft schlecht aus. Mit Arturo Vidal und Künstler Thiago stimmt die Balance in der Zentrale wieder.

Joshua Kimmich: Der Shooting-Star dieses Jahres muss sich jetzt erstmal neu finden. Zwei Mal in Folge ließ ihn Ancelotti zunächst auf der Bank. Er hat bereits unter Beweis gestellt, wie wertvoll er sein kann und ihm gehört definitiv die Zukunft. Doch momentan sind Philipp Lahm als Rechtsverteidiger und Thiago als "Achter" gesetzt. Kimmich ist somit also zumindest ein "kurzfristiger" Verlierer.

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