Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Morbach
Es wird in dieser Saison ein immer wiederkehrendes Ritual werden, nach dem 2:1 im Nachbarschaftsduell gegen Bayer 04 Leverkusen reagierte André Schubert auf die Frage nach seinem zunehmend luxuriösen Kader deshalb schon mal etwas barsch.
"Ich kann ja nicht jede Woche acht Gespräche führen, warum dieser oder jener Spieler auf der Bank sitzt“, echauffierte sich der Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach - und nach vier Siegen aus den ersten vier Pflichtspielen der noch jungen Saison hatte er alle Argumente auf seiner Seite.
Champions League
Tor-Duo Raffael und Hazard: Gladbach und die Lust auf mehr
UPDATE 25/08/2016 UM 10:10 UHR
Am Mittwoch lösten die Fohlen mit einem berauschenden 6:1 gegen den handzahmen Schweizer Vizemeister Young Boys Bern die Eintrittskarte in die Champions League. Drei Tage später war nun auch der Start in die Liga geglückt, zudem gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um die internationalen Plätze.
Und trotzdem schwappten diverse Personaldiskussionen auf Schubert zu: Warum Ibrahima Traoré statt Patrick Herrmann? Warum Oscar Wendt anstelle von Fabian Johnson? Und vor allem: Warum André Hahn für Thorgan Hazard, den dreifachen Torschützen gegen Bern?

Joker Hazard leitet den Sieg ein

Hahn, erwiderte der Coach schnippisch, habe im letzten Duell mit Leverkusen zwei Tore geschossen, sei kopfballstärker als Hazard - dem die letzten Einsätze zudem kräftemäßig zugesetzt hätten. Das Führungstor gegen Bayer hatte Angreifer Hahn (nach einigen vergebenen Chancen zuvor) in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit außerdem erzielt.
Während der leichtfüßige Hazard, fünf Minuten nach dem Leverkusener Ausgleich durch Joel Pohjanpalo (80.) und wenige Sekunden nach seiner Einwechslung, den Siegtreffer durch Lars Stindl vorbereitete.
"Er kommt rein und legt sofort das nächste Tor auf - das zeigt, dass wir einfach gute Qualität in dem Bereich haben", beschrieb Schubert den Charme des offensiven Gladbacher Mittelfelds genüsslich. Ehe er, ganz abgesehen vom jungen Belgier Hazard, anmerkte: "Auch Herrmann und Johnson hätten gegen Leverkusen sofort wieder von Beginn an spielen können."

Gladbach wird mit Lob überhäuft

Anschließend blickte der 45-Jährige noch rasch auf den Spielplan nach der Länderspielpause, er betonte:
Ab der Partie in Freiburg haben wir in 19 Tagen sechs Spiele – und unser Kader ist so aufgestellt, dass wir das verkraften können. Wir müssen damit umgehen, dass wir eine gute Konkurrenzsituation haben. Außerdem hat sich auch keiner beschwert.
Stattdessen werden die Gladbacher zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison bereits mit Lob überhäuft. Bayer-Trainer Roger Schmidt hätte zwar ein Remis als das gerechtere Ergebnis empfunden, sagte aber auch: "Gerade für den ersten Spieltag war das ein sehr gutes, sehr intensives Spiel. Beide Mannschaften haben mit offenem Visier gespielt, und im Fußball entscheiden am Ende eben Kleinigkeiten."
Nicht zu vergessen sei dabei: "Gladbach hat eine gute Mannschaft. Wenn sie Bälle gewinnen, haben sie sofort eine hohe Geschwindigkeit. Deshalb ist es gegen sie nicht einfach, das Spiel weit vom Tor wegzuhalten."

Christensen kommt auf Gladbach-Agenda

Borussias Start ist also komplett gelungen - und die Aussichten rosig, nicht zuletzt dank der garantierten Fixeinnahmen von 30 Millionen Euro aus der Champions League. Vorausdenker Max Eberl weiß auch schon, auf welches Feld er diesen Geldregen größtenteils umleiten möchte.
Denn ganz oben auf der To-do-Liste des Sportdirektors steht die Personalie Andreas Christensen.

Gladbach möchte Andreas Christensen fest verpflichten

Fotocredit: SID

Der 20-jährige Däne überzeugt seit einem Jahr in Borussias Innenverteidigung, bis dato allerdings als Leihspieler vom FC Chelsea. Diesen Status will Eberl unbedingt ändern, gut 20 Millionen Euro müssten für Christensens Verpflichtung vom Rheinland an die Themse fließen. Eberl berichtet:
Jetzt hängt es am Geld. Aber durch die Teilnahme an der Champions League haben wir wieder mehr Möglichkeiten.
Eberl ist jener Mann, der den Abgang von Kapitän Granit Xhaka (FC Arsenal) mit den weitsichtigen Transfers von Tobias Strobl und Rückkehrer Christoph Kramer schon wieder aufgefangen hat. Hinzu kommt die 12,5 Millionen Euro schwere Verpflichtung von Abwehrmann Jannik Vestergaard, der den beachtlichen Kader der Niederrheinischen weiter optimiert.
"Wir haben", kommentiert der 42-jährige Eberl die eigene Arbeit zufrieden, "keine Stamm-Elf mehr, sondern eine Stamm-18".
Bundesliga
Bayer-Boss zählt Seoane öffentlich an - und spricht über Tuchel
VOR 18 STUNDEN
Bundesliga
Bremen fegt Fohlen vom Platz und stellt zwei Klub-Rekorde auf
UPDATE GESTERN UM 16:18 UHR