Auf dem Rathausbalkon, hoch droben am Marienplatz, stand Uli Hoeneß und sprach zum Fußball-Volk. "Ich bin überzeugt, dass es eine Ausnahme ist, dass wir nur einen Titel in diesem Jahr haben", sagte der Vereinspräsident des FC Bayern, und seine Augen glänzten.

Die Münchner sind Meister, aber das heißt ja nicht, dass alles super ist. Die Sommerpause stellt den Machern um Hoeneß ein paar Aufgaben für die kurz- und mittelfristige Zukunft.

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1. Kader auf- und umrüsten

"Wenn man unseren Kader verstärken will, muss man ziemliche Granaten kaufen", trommelt Hoeneß im "BR". Das klingt nach einer neuen Strategie, genau wie sein Satz im "ZDF"-Interview:

Vielleicht wird es etwas geben, was es beim FC Bayern noch nicht gegeben hat…

Laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist eine Transferoffensive intern bereits verabschiedet. "Es gibt einen klar abgestimmten Fahrplan, was unsere Personalpolitik betrifft. Dieser Plan ist vom Vorstand mit dem Trainer und mit dem Aufsichtsrat detailliert diskutiert und beschlossen worden. Und den versuchen wir jetzt umzusetzen", sagt er der "SZ".

In der entscheidenden Phase der Saison 2016/17 konnten die Münchner ihre Ausfälle und/oder angeschlagenen Spieler (Manuel Neuer, Robert Lewandowski, Jérôme Boateng, Mats Hummels) nicht adäquat kompensieren - einer der Hauptgründe fürs verhältnismäßig frühe Ausscheiden in den Cup-Wettbewerben.

Die ewig diskutierte Alternative zu Stürmer Lewandowski ist schwer zu finden, einen Nachfolger für Rechtsverteidiger Philipp Lahm gibt's wohl nicht, weil Joshua Kimmich die Position übernehmen soll. Anstelle von Mittelfelddirigent Xabi Alonso, der wie Lahm zurücktritt, dürfte eine frische Kraft stoßen. Bloß: welche?

2. Junge Spieler besser integrieren

Hoeneß hat zuletzt einige interessante Anmerkungen zum Bayern-Aufgebot getätigt. "Einfach ist es nicht", sagte er zur Thematik, einen "Mix" aus erfahrenen und jüngeren Spielern hinzukriegen.

Dabei hat der Bayern-Patriarch eine Schwachstelle identifiziert:

Das Problem für die Jungen ist, dass sie im Moment keine Chance bekommen. Es muss jetzt gelingen, die Jungen heranwachsen zu lassen, die rechtzeitig ihre Chance kriegen und an dem Tag da sind, wenn die anderen aufhören. Das ist die Kunst.

Ex-Bayern-Sportvorstand und Eurosport-Experte Matthias Sammer glaubt, dass die "jungen Spieler stärker integriert" werden. Kimmich (22), Kingsley Coman (20) und Renato Sanches (19, falls er bleibt) sind hier an erster Stelle zu nennen.

Im Sommer öffnet das Nachwuchsleistungszentrum im Münchner Norden, Hermann Gerland wird vom Co-Trainer der Profis zum sportlichen Leiter der Akademie umfunktioniert. Dem "SID" erzählt er:

Ich habe Uli gesagt, dass es dauern wird und ich nichts garantieren kann. Aber eines kann ich versprechen: Ich werde Vollgas geben. Und die, die nicht Vollgas geben, haben hier nichts zu suchen.

Hoeneß beurteilt den 70-Millionen-Bau als Auslöser: "Das sind Steine, wir müssen jetzt Beine finden."

3. Gerland als Fachmann und Figur ersetzen

Der Bochumer Gerland (62) ist längst ein Stück bayerisches Kulturgut geworden - und ein Verlust für die Profimannschaft des FC Bayern, als Fachmann wie allseits geschätzte Figur.

"Der 'Tiger' war sehr sehr wichtig für die jungen und auch die älteren Spieler. Er hat den FC Bayern immer verkörpert und den neuen Spielern beigebracht, was es bedeutet, beim FC Bayern zu spielen", sagt Lahm zu Eurosport.

Wir hatten in den letzten Jahren viele Trainerwechsel und auch internationale Trainer. Da ist es gut, wenn jemand den Verein in- und auswendig kennt und den internationalen Trainern zur Seite steht.

Gerland sagt: "Ich habe bei Louis van Gaal aufgepasst, bei Pep Guardiola, Jupp Heynckes und Carlo Ancelotti." Letzterer brachte voriges Jahr seinen Sohn Davide als Assistenten mit, im Winter ging mit Paul Clement ein anderer Helfer, um bei Swansea City als Chef zu arbeiten.

Die Münchner werden Ancelotti einen weiteren Co-Trainer zur Seite stellen (müssen), die Besetzung ist ein durchaus zentraler Posten für anstehende Aufgaben. Geboten: eilige Sorgfalt.

4. Einen Sportdirektor/Sportvortand installieren

Seit Sammers freiwilligem Abschied im Frühjahr 2016 ist die - damals für ihn geschaffene - Planstelle des Sportvorstandes vakant.

"Wir versuchen, in den nächsten Monaten jemanden zu finden, das muss nicht zum 1. Juli sein", verrät Hoeneß nun, wobei geklärt werden muss, ob es erneut ein Vorstand (mit entsprechenden Befugnissen) oder doch ein Sportdirektor sein soll. In Hoeneß' Augen braucht's Folgendes:

Ein Bindeglied zwischen Mannschaft und Vorstand, denn da haben wir eindeutig ein Defizit.

Prämisse: interne Einigkeit. Während Hoeneß für Gladbachs Max Eberl plädiert haben soll, präferierte Rummenigge offenbar die Lahm-Lösung. Schließlich sagten beide ab.

5. Mia-san-Mia-Gefühl stärken

Der Bayer Bastian Schweinsteiger ist seit 2015 weg, der Bayer Lahm hört jetzt auf, der Bayer Thomas Müller erlebte eine unterdurchschnittliche Saison - und der Bayer Holger Badstuber wird nicht zurückkehren zu jenem Verein, für den er 15 Jahre spielte.

Die spektakulär nüchterne Bekanntgabe, dass sein Vertrag nach der Schalke-Leihe nicht verlängert werde, hat reichlich Unmut erzeugt in Fan-Kreisen.

Auch beim letzten Heimspiel gegen Freiburg wurde der Name Badstuber mit keinem Wort erwähnt. Die Südkurve reagierte mit wütenden "Badstuber, Badstuber"-Rufen und enthüllte ein Protest-Plakat:

So verabschiedet man keinen verdienten Spieler. 3 Seiten für einen Sponsor, 3 Zeilen für Holger??!!

Mia san Mia, das in neun Buchstaben komprimierte Selbstverständnis des FC Bayern, muss sich mal wieder neu herausbilden. Etwas mehr Pietät seitens der Bosse würde schon helfen.

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