Robert Lewandowski steht nicht im Verdacht, phänotypische (oder irgendwelche anderen) Ähnlichkeiten mit Pep Guardiola aufzuweisen, aber am Samstag fragte man sich ja: Pep, bist du es?
"Er hat super-überragend gespielt, er war Wahnsinn", sagte Lewandowski in geschliffenem Guardiola-Mantra über Thomas Müller, der beim 8:0-Schlachtfest des FC Bayern München gegen den Hamburger SV zwar kein Tor schoss, aber stärkster Bayer war.
Lewandowski traf dreifach, Kingsley Coman doppelt, Arjen Robben einmal, Douglas Costa servierte zwei- und Müller dreimal; zurückhaltender war Thiago, diesmal im 4-2-4 aus einer tieferen Anordnung kommend, womit wiederum Müller glänzen konnte. Und dann saß Franck Ribéry erstmals seit einem Monat auf der Bank.
Bundesliga
Elf der Woche: Bayern, Bayern, Bayern...
26/02/2017 AM 20:42
Somit beschäftigt der FC Bayern praktisch sieben Offensive für vier, eher drei Positionen. Spannende Sache: Wer hat welche Chancen, in den Top-Top-Spielen (Hola, Pep!) aufgestellt zu werden?

Robert Lewandowski

Elf Tore aus neun Bundesligapartien, insgesamt 28 in 32 Pflichtspielen, cool und clever beim Hattrick gegen Hamburg: Viel mehr geht nicht. FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge packte die ultimative Seligsprechung aus:
Robert gehört in die Kategorie Gerd Müller.
Der Erbe des Bombers reagierte in einem Mix aus Demut und Draufgängertum: "Es freut mich, wenn ich mit so großen Stürmern verglichen werde. Aber ich schreibe meine eigene Geschichte und will etwas machen, was die anderen noch nicht gemacht haben."
Wäre morgen Champions-League-Finale, spielt er zu: 100 Prozent. Eh klar.

Thiago

Der Spanier ist weder geborener noch sozialisierter Stürmer, was ihn zuletzt nicht daran hinderte, die Zehner-Rolle auszufüllen. Famos. Im vierten Bayern-Jahr (dem ersten ohne Pep) ist er nicht super-super, sondern mindestens super-super-super. Keine Ironie.
Als Sechser gegen den HSV auf altem Terrain, dort Struktur- wie Impulsgeber des Münchner Vortrags. Interessant wird, wie Trainer Carlo Ancelotti plant, wenn Xabi Alonso bereit ist und seinen Platz eigentlich sicher haben sollte.
Wäre morgen Champions-League-Finale, spielt er zu: 100 Prozent. Startelf oder nix.

Thomas Müller

Ja mei, der Müllerthomas. Samstags regnete es Lob, wenngleich Guardiola in Gestalt von Lewandowski erschien (siehe oben). Müllers "beste Leistung der Saison" erkannte Rummenigge, für Ancelotti war er der "Schlüssel", und Robben sagte:
Selbst wenn er den Ball gar nicht trifft, ist er wichtig. Alle Leute, die viel Ahnung von Fußball haben, müssen das sehen.
1000-Spiele-Coach Ancelotti soll Ahnung vom Fußball haben, und Müller bewies, dass seine Vorzüge am Gewinnbringendsten als freies Radikal zu entfalten sind. Das Problem: Thiago als Sechser aufzubieten, beherbergt ein defensives Risiko - wenn der Gegner nicht HSV heißt.
Wäre morgen Champions-League-Finale, spielt er zu: 49 Prozent.

Douglas Costa

Nächster Streitfall. In Abwesenheit von Ribéry eine Ich-AG auf der linken Bahn, davor im Job-Sharing mit dem Franzosen. Costa ist wahrscheinlich derjenige Bayer, dem mangelnder Einsatzwille am wenigsten zu unterstellen ist (neben Müller, natürlich). In Entscheidungsfindung und Rückwärtsbewegung aber mit Verbesserungsbedarf. Gegen den HSV war's freilich mehr Verbesserung als Bedarf.
Wäre morgen Champions-League-Finale, spielt er zu: 80 Prozent. Aber nur, weil Ribéry noch nicht in Top-Form ist.

Arjen Robben

33 Jahre jung (nicht alt), nun mit 125 Pflichtspieltoren für Bayern dekoriert, wie Claudio Pizarro. Ärgert sich auch beim Stand von 3:0 - und auch gegen den HSV - herrlich rührend über eine verschluderte Chance. Sofern fit, weiterhin nicht zu ersetzen, obwohl 33 Jahre jung (nicht alt).
Wäre morgen Champions-League-Finale, spielt er zu: 100 Prozent. Cardiff calling für Mr. Wembley.

Kingsley Coman

Guardiola spendete Applaus, unter Ancelotti sanken Comans Aktien, besonders wegen Verletzungssorgen. Am Wochenende gelangen dem 20-Jährigen seine ersten Torbeteiligungen der Saison, schon bei Hertha BSC (1:1) war es sein couragierter Antritt, der den Freistoß provozierte, welcher zum Ausgleich in der 96. Minute führte.
Endlich sportliche Argumente zur Festanstellung, bisher ist Coman ja lediglich von Juventus Turin ausgeliehen. Rummenigge verriet, dass er wohl verpflichtet wird:
Wir haben eine Neigung, und die heißt, die Option zu ziehen.
Wäre morgen Champions-League-Finale, spielt er zu: 0 Prozent. Auf die Startelf bezogen. Als Joker womöglich wichtig…

Franck Ribéry

Zickt der Körper nicht, profitiert der FC Bayern vom bald 34-Jährigen, nach wie vor. Im DFB-Pokal gegen Schalke 04 (Mittwoch) oder beim 1. FC Köln (Bundesliga, Samstag) folgt das Comeback nach Oberschenkelblessur. Tendenz: In den großen Spielen beginnt Ribéry statt Costa.
Wäre morgen Champions-League-Finale, spielt er zu: 10 Prozent. Allerdings: Wäre das Finale morgen in einem Monat, spielt er zu 70 Prozent. Alles Ansichtssache...
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