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Beim Hamburger SV hofft man nach der Niederlage in Hoffenheim auf ein Wunder

Hoffnung, Umbruch, Durchhalteparolen: Triste Realität beim HSV
Von SID

15/04/2018 um 15:45Aktualisiert 15/04/2018 um 21:40

Der gemütliche Fernsehabend mit einem Kaltgetränk und Knabbereien fällt für Christian Titz aus. Wenn sich Mainz und Freiburg am Montag (20:30 Uhr live im Eurosport Player) zum Kellerduell treffen, kann der Trainer des Hamburger SV kaum hinschauen. Das würden die Nerven nicht mitmachen. Einen Wunsch für die Partie hat der 47-Jährige aber trotzdem. "Es wäre schön, wenn Mainz nicht gewinnen würde."

Denn sonst wäre der Absturz des HSV in die 2. Liga wohl kaum noch zu verhindern, schließlich hat sich die Lage des Bundesliga-Dinos nach dem 0:2 (0:2) bei 1899 Hoffenheim noch einmal verschlechtert.

Und sollte nun auch noch Mainz gewinnen, hätte der Vorletzte vier Spieltage vor Schluss bereits acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Der erste Abstieg des HSV wäre kaum noch zu vermeiden. Schon jetzt stehen die Chancen äußerst schlecht - auch wenn Gideon Jung meinte: "Es ist noch nicht zu spät."

Titz: "Werden nicht aufgeben"

Auch Titz klammert sich an Durchhalteparolen ("Unsere Mannschaft gibt sich nicht auf"), er packte dann sogar die Mutter aller Phrasen im Abstiegskampf aus. "So lange es rechnerisch noch möglich ist, werden wir nicht aufgeben", sagte er. Aufgegeben hatten sich die Hamburger zuvor zu keinem Zeitpunkt. Dennoch stand am Ende eine Niederlage, die noch weitaus höher hätte ausfallen können.

Der seit Wochen in Topform spielende Serge Gnabry (18.) und Adam Szalai (27.) trafen vor 30.150 Zuschauern in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena für die TSG, die dank der siebten Partie ohne Niederlage ihren Kurs Richtung Europacup hält. Dagegen warten die Hanseaten seit knapp acht Monaten auf einen Auswärtssieg.

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Dass der einzige Dreier in der Fremde am zweiten Spieltag bei Schlusslicht 1. FC Köln gelang, sagt fast alles über die Qualität der Norddeutschen, die insgesamt nur fünf Siege auf dem Konto haben. Das 3:2 am vergangenen Spieltag gegen Schalke 04 scheint nur ein Ausrutscher nach oben gewesen zu sein.

"Dennoch lassen wir uns nicht unterkriegen. Die Niederlage darf uns nicht aus der Bahn werfen", sagte der frühere Hoffenheimer Sejad Salihovic, der alles auf das nächste Spiel gegen Freiburg setzt: "Die vergangenen Wochen geben uns Hoffnung. Auch diesmal waren gute Ansätze dabei. Gegen Freiburg müssen wir natürlich unbedingt gewinnen."

Magath mit Kritik-Rundumschlag

Klub-Idol Felix Magath holte nach der Niederlage im "NDR Sportclub" dagegen zum Rundumschlag aus:

"Was mittlerweile unter der Bezeichnung 'HSVer' für den Verein tätig ist, da würde ich diese Bezeichnung nicht verwenden."

Erkritisierte sowohl die Vereinsführung als auch die Spieler. Der bedingungslose Einsatz für den Verein sei schon lange nicht mehr zu sehen, erklärte der Europapokalsieger der Landesmeister von 1983 mit dem HSV.

Und der 64-Jährige setzte noch eins drauf:

"Es wird überhaupt nicht darüber gesprochen, dass ständig Geld verschleudert wird für eigenes Unvermögen. Die Verantwortung dafür trägt niemand. Der HSV war schon in den letzten Jahren ein Verein, der in Fußballdeutschland nicht mehr ernst genommen wurde."

Die Situation sei ein "Jammer", der 2014 verstorbene Kult-Masseur Hermann Rieger "wird sich im Grab umdrehen, wenn er das, was jetzt hier passiert, mitansehen muss".

Hoffmann kündigt Umbruch an

Auch Hoffenheim hat ein vorentscheidendes Spiel vor der Brust. Sollte ein Sieg bei RB Leipzig gelingen, rückt sogar die Champions League für den Vorjahres-Vierten in greifbare Nähe. "Wir wollen nach Möglichkeit noch maximal klettern", sagte Sportchef Alexander Rosen.

In Hamburg haben sie hingegen ganz andere Sorgen, es geht um die Existenz. Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann kündigte deshalb für den Sommer einen einschneidenden Umbruch an. "Wir werden uns auf jeden Fall neu aufstellen", sagte der 55-Jährige in der NDR-Sendung "Nur der HSV... Absturz oder Aufbruch!", Hoffmann sprach von "umkrempeln" und davon, dass man "jeden Stein umdrehen" wolle. Selbst im Falle des Wunders vom Klassenerhalt will er sich nicht vom Reformkurs abbringen lassen. "Das machen wir völlig unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit", sagte er.

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