So lief das Spiel:

Einen mutigen Auftritt forderte Trainer Alexander Nouri von seiner Mannschaft und ungewohnt forsch trat Bremen auch in der Anfangsphase auf. Hohes Angriffspressing, wie bislang kaum gezeigt in dieser Saison, beschäftigte Gladbach und gab in den ersten zehn Minuten kaum Luft zum strukturierten Spielaufbau. Mit zunehmender Spieldauer gewannen die Gäste allerdings mehr und mehr Spielanteile. Die erste nennenswerte Chance des Spiels ereignete sich erst in der 21. Minute durch einen Kopfball von Thomas Delaney in die Arme von Yann Sommer.

Bundesliga
Hasenhüttl zum FC Bayern? Das sagt der Leipzig-Coach
16/10/2017 AM 07:02

In der Folge schlugen die Gäste aber zweimal zu: Eine Fußabwehr von Jiri Pavlenka nach Schuss von Thorgan Hazard erlief Lars Stindl im Strafraum und verwandelte aus spitzem Winkel ins lange Eck (27.), wenige Minuten später köpfte Jannik Vestergaard nach Ecke von Oscar Wendt den Ball zum 2:0 in die Maschen (34.). Bei beiden Aktionen verteidigte Werder nicht konsequent und agierte auch insgesamt zu passiv. Gladbach dagegen war mit einfachen Mitteln und viel Einsatz die spielbestimmende Mannschaft, während offensive Ausflüge von Werder Seltenheitswert genossen. Die beste Chance hatte Delaney, der nach einem Freistoß aus sechs Metern die Kugel jedoch über das Gehäuse drosch (44.).

Nouri wechselte zu Pause und stellte um, den besseren Start erwischte jedoch Gladbach: Schlussmann Pavlenka musste zunächst sein Können bei einem Schuss von Hazard zeigen (49.), kurz darauf setzte Wendt einen Chip-Ball von Raffael aus kurzer Distanz knapp neben das Tor. Erst ab der 55. Minute wachte Bremen langsam auf. Wille und Einsatz waren da und phasenweise wurde Gladbach in der eigenen Hälfte eingeschnürt, ein Schlenzer von Zlatko Junuzovic (61.) war allerdings die einzige nennenswerte Möglichkeit – insbesondere Stürmer Ishak Belfodil fand kaum Anbindung ans Spiel.

Ab der 70. Minute kippte zudem die Begegnung wieder in Richtung der Gäste. Zwischenzeitlich bewahrte Pavlenka mit einer starken Parade gegen Hazard (68.) seine Mannschaft sogar vor einem höheren Rückstand. Gladbach kontrollierte die Endphase, ließ hinten kaum was zu und konnte das Spielgeschehen überwiegend in die Hälfte der Bremer verlagern. Beinahe wäre Stindl noch sein zweiter Treffer gelungen, aber eine Flanke von Ibrahim Traore köpfte der Nationalspieler aus elf Metern an den Pfosten (84.). Am Ende ein völlig verdienter Sieg der Borussia.

Die Stimmen:

Max Eberl (Manager Borussia Mönchengladbach): "Ein ganz wichtiger Auswärtssieg, aber auch verdient. Wir waren von Anfang an konzentriert, waren effektiv vor dem Tor und haben hinten kaum etwas zugelassen, möglicherweise hätten wir auch noch das eine oder andere Tor mehr machen müssen."

Zlatko Junuzovic (Werder Bremen): "Wir sind generell nicht ins Spiel gekommen. Gladbach hat gut den Ball zirkulieren und uns laufen lassen, wir waren immer zu spät. Wir lagen verdient hinten, haben es in der 2. Halbzeit etwas probiert, waren aber gefühlt immer hinten dran. Eine bittere Niederlage, weil wir uns viel vorgenommen hatten."

Frank Baumann (Sportvorstand Werder Bremen): "Die erste Halbzeit war nicht gut. Da haben wir viel vermissen lassen, damit können wir nicht zufrieden sein. Es war kein Selbstbewusstsein da und da entscheidet auch der Kopf. Wir waren wie gelähmt, daran müssen wir arbeiten. In Köln wird Nouri trotzdem auf der Bank sitzen."

Alexander Nouri (Trainer Werder Bremen): "Die erste Halbzeit war deutlich zu wenig. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. In der 2. Halbzeit wollten wir neue Impulse setzen und waren aber besser. Ich hätte mir aber gewünscht, dass wir unsere gute Phase länger aufrechterhalten hätten, um auch ein Tor zu erzwingen. Wir arbeiten hart daran und die Bindung zur Mannschaft ist nach wie vor da."

Das fiel auf: Unmut der Bremer-Fans

Oft genug wurde das Bremer-Publikum für seine Geduld und Nachsicht gerühmt. Mit dem Auftritt gegen Borussia Mönchengladbach war aber offenbar eine Grenze überschritten worden. Bereits zur Halbzeit wurde die Mannschaft mit einem Pfeifkonzert bedacht, nachdem die ersten 45. Minuten einmal mehr zum offensiven Offenbarungseid wurden. Kaum Dynamik, kaum Aktionen, kaum Zug zum Tor – Werder agierte wie mit angezogener Handbremse. Zur Halbzeit sah Nouri erstmals von seiner dogmatischen 3-1-4-2-Grundformation ab und Werder zeigte kurzzeitig im 4-4-2, was das Publikum sehen will: offensiven Fußball, Einsatz und Wille. Ein kurzes Aufbäumen. Am Ende war es das dritte Spiel ohne Treffer. Und die Pfiffe nach Spielende nahmen noch einmal deutlich an Lärmpegel zu.

Tweet zum Spiel:

Die Statistik: Drei

Seit 304 Minuten ist Werder nun ohne eigenen Treffer. Nur drei Tore nach acht Bundesliga-Spielen bedeuten zudem einen neuen negativen Vereinsrekord.

Bundesliga
Gladbach bezwingt Leipzig und macht Bayern zum Tabellenführer
VOR 20 MINUTEN
Bundesliga
Trotz drückender Überlegenheit: Frankfurt nur Remis gegen Bremen
VOR 6 STUNDEN