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BVB: Fährt kein Spieler von Borussia Dortmund zur WM 2018?

Trostloses BVB-Szenario: Deutschland ohne Dortmunder zur WM?

17/04/2018 um 09:37Aktualisiert 17/04/2018 um 17:37

Steht kein Spieler von Borussia Dortmund bei der WM in Russland im Kader der deutschen Nationalmannschaft? Dieses trostlose Szenario ist rund zwei Monate vor Beginn des Turniers alles andere als abwegig. Realistisch gesehen, hat nur noch ein einziger BVB-Spieler Chancen, im Sommer zum 23er-Kader von Joachim Löw zu gehören. Für Mario Götze und einen weiteren Helden von 2014 sieht es düster aus.

Der BVB verliert das Revierderby mit 0:2 gegen den FC Schalke 04 und drei Spieler, die sich Hoffnungen auf die WM 2018 in Russland machen, sitzen große Teile des Spiels auf der Bank. Die Rede ist von Julian Weigl, André Schürrle und Mario Götze.

Während Weigl schon vor der für ihn unglücklich verlaufenden Saison lediglich Außenseiterchancen auf einen Kaderplatz im defensiven Mittelfeld eingeräumt wurden, wäre eine Nichtnominierung des Duos, welches verantwortlich für das Tor zum Weltmeistertitel 2014 war (Schürrle gab in der 113. Minute die Vorlage zu Götzes Siegtreffer), eine mittelgroße Katastrophe.

Eine Zeit, in der Dortmund einen großen Teil der Nationalmannschaft stellte.

Eine Zeit, in der Dortmund einen großen Teil der Nationalmannschaft stellte.Getty Images

Und diese zeichnet sich immer deutlicher ab. Einzig verbliebene schwarz-gelbe Hoffnung ist Marco Reus, der jedoch erst einmal fit bleiben muss. So stehen die Chancen der deutschen BVB-Stars auf die WM.

André Schürrle

Eigentlich befindet sich Schürrle schon seit seinem Wechsel 2013 von Bayer Leverkusen zum FC Chelsea in der Formkrise. Dennoch holte ihn der VfL Wolfsburg 2015 zurück in die Bundesliga, zahlte rund 32 Millionen Euro und verkaufte ihn eineinhalb Jahre später für 30 Millionen zu Borussia Dortmund. Dort hangelt er sich seitdem von Spiel zu Spiel, ohne dabei durchdringend zu überzeugen.

André Schürrle von Borussia Dortmund

André Schürrle von Borussia DortmundImago

In der Nationalmannschaft zeigte Schürrle zwischenzeitlich Lukas-Podolski-like immer wieder seine Klasse. Highlight: die starke WM 2014 samt Doppelpack im Halbfinale gegen Brasilien (6:0 und 7:0) und Vorlage zum goldenen Siegtor im Finale.

Dass sich diese Szenen in Russland wiederholen, ist stand jetzt nahezu ausgeschlossen. Schürrles letztes Länderspiel ist über ein Jahr her (26. März 2017), seitdem ist er entweder verletzt oder außer Form. Neben der ohnehin schon großen Konkurrenz im Mittelfeld wurde der 27-Jährige inzwischen von diversen jungen Spielern überholt. Man denke an Leroy Sané, Julian Draxler, Julian Brandt oder Serge Gnabry.

WM-Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent

Mario Götze

"Er ist ein talentierter Spieler." Die Worte, mit denen BVB-Trainer Peter Stöger nach der 0:2-Klatsche auf Schalke Weltmeister Götze beschrieb, stehen sinnbildlich für die Wertschätzung, die dem 25-Jährigen aktuell entgegengebracht wird. Götze ist in Dortmund nur noch zweite Wahl und das, obwohl er in einem Interview mit der "Bild-Zeitung" vor wenigen Wochen noch beteuerte: "Ja, ich bin zu 100 Prozent fit und belastbar."

Eigentlich sollte er nach seiner Stoffwechselerkrankung in diesem Jahr als Führungs- und vor allem Schlüsselspieler Einfluss aufs Dortmunder Spiel nehmen. Nach schwankenden Leistungen unter Peter Bosz fiel Götze unter Stöger aber in ein Leistungsloch, stand in 15 Bundesligaspielen unter dem Österreicher nur sieben Mal in der Startelf und lieferte einen Scorerpunkt (Tor gegen Hamburg).

Mario Götze hofft noch auf seine WM-Teilnahme

Mario Götze hofft noch auf seine WM-TeilnahmeSID

Fakt ist: Spielt er im Verein keine Rolle mehr, kann er das auch in der Nationalmannschaft nicht tun. Wie sollte er sich so nach seiner Nichtnominierung für die Freundschaftsspiele gegen Spanien und Brasilien Ende März auch für die WM empfehlen?

WM-Wahrscheinlichkeit: 15 Prozent

Julian Weigl

Dortmunds Mittelfeld-Motor der vergangenen Saison war einer der Geheimtipps für die kommende Weltmeisterschaft. Dafür hätte die Karriere des 22-Jährigen aber weiterhin so steil verlaufen müssen, wie in den vergangenen zwei Spielzeiten. Tut sie aber nicht.

Momentan befindet sich Weigl in seinem ersten dortmunder Tief. Mit einer Verletzung war er unter Bosz in die Saison gestartet, kämpfte sich dann schnell in die Startformation zurück, in der er auch in der Anfangszeit unter Stöger blieb.

In den letzten fünf Bundesligaspielen war dies nicht mehr der Fall. Weigl wurde zunächst nur noch eingewechselt, dann bleib er komplett ohne Spielminuten.

Julian Weigl in einem seiner wenigen Länderspiele für Deutschland

Julian Weigl in einem seiner wenigen Länderspiele für DeutschlandImago

Dass er sich so noch einmal auf den Zettel von Löw spielt, ist fast undenkbar. Zumal auf seiner Vita nur fünf Länderspiele (das letzte am 22. März gegen England) auftauchen. Im defensiven Mittelfeld ist das DFB-Team zudem mit internationalen Topstars wie Sami Khedira, Ilkay Gündogan, Toni Kroos und Youngstern wie Leon Goretzka oder Emre Can bestens bestückt.

Es müsste schon mit jeder Menge Verletzungspech zugehen, damit Weigl noch in den Kader rückt.

WM-Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent

Marco Reus

Eigentlich ist es relativ einfach: Wenn Reus fit bleibt, ist er ein sicherer WM-Fahrer. Blöderweise liegt genau da das Problem. Nach seiner schweren Knieverletzung aus dem Pokalfinale im Mai 2017 gab er am 10. Februar 2018 sein Comeback. Seitdem fiel er auch schon wieder zweieinhalb Wochen wegen muskulärer Probleme aus.

Philipp Lahm, Per Mertesacker, Mario Götze und Marco Reus im DFB-Trikot

Philipp Lahm, Per Mertesacker, Mario Götze und Marco Reus im DFB-TrikotImago

Reus ist verletzungsanfällig wie kaum ein anderer Nationalspieler. Die WM 2014 verpasste er wegen eines Anrisses des Syndesmosebandes, die EM 2016 in Frankreich wegen einer Schambeinentzündung. Trotz seiner mittlerweile 28 Jahre bringt es Reus nur auf 29 Länderspiele (9 Tore). Ein unglaublicher Wert, sieht man Reus im fitten Zustand über den Platz rennen. Dass er es endlich zu einem großen Turnier schafft, ist ihm zu wünschen.

Wie gesagt: Eigentlich ist es ganz einfach.

WM-Wahrscheinlichkeit: 50/50

Andere Spieler:

Die Chancen von Erik Durm und Roman Weidenfeller (beide Weltmeister von 2014) dürfen getrost mit null Prozent beziffert werden. Weidenfeller beendet am Saisonende seine Karriere, Durm spielte in dieser Saison noch keine Minute beim BVB, weil er erst mit einer Hüftverletzung ausfiel und aktuell an einem Außenbandriss laboriert.

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