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Der LIGAstheniker ledert los: 18 Schmähgedichte als Saisonbilanz

18 Schmähgedichte: Der LIGAstheniker verteilt Zeugnisse

14/05/2018 um 16:41Aktualisiert 14/05/2018 um 18:41

Der LIGAstheniker ledert los: In 18 Schmähgedichten zu den Klubs der Bundesliga zieht er Saisonbilanz und nimmt sich von Meister FC Bayern München bis zu den Absteigern Hamburger SV und 1. FC Köln die Vereine zur Brust. Denn dass der LIGAstheniker eine Schwäche für die Liga hat, dürfte bekannt sein (daher der Name). Mitnichten aber hat er eine Schwäche für die Schwäche dieser Liga.

"Es gibt 18 Bundesligisten - einer wird Deutscher Meister, die anderen spielen gegen den Abstieg."

Manchmal muss man selbst einem Dr. Markus Söder rechtgeben.

Der LIGAstheniker hat jedem Klub eine Beurteilung ins Saisonzeugnis geschrieben:

1 Die Bayern sind zum sechsten Mal in Folge Deutscher Meister. Damit das so bleibt, hat der bayerische Ministerpräsident das "FAG" in den Gesetzgebungsprozess eingebracht. Im neuen "Fußballaufgabengesetz" soll festgeschrieben werden, dass in Zukunft nie wieder ein anderer Verein als die Bayern Deutscher Meister werden kann. Einziger Streitpunkt bei dem Treffen der drei Scheinheiligen vor einigen Tagen: Söder will das Stadion in Kruzifix-Arena umbenennen.

2 Die Schalker sind zum siebten Mal deutscher Vizemeister. Damit das so bleibt, bitte nachschlagen im Gesetzestext des "FAG". Großer Widerstand oder eine Massendemo ist nicht zu erwarten, nach dem Schlusspfiff nach dem letzten Spiel gegen Frankfurt liefen die Schalker mit einem riesigen Transparent mit der Aufschrift "Deutscher Vizemeister S04" über den Rasen. Als Vorstand Alexander Jobst gefragt wurde, welchen Titel die Schalker eigentlich feiern würde, nannte er seinen Lieblingsfilm mit Kim Kardashian: "Die Rückkehr der Leidenschaft!"

Während die Münchner also literweise Lebensmittel (Weißbier!) verschütten, zählen auf Schalke wieder innere Werte.

3 Was die Hoffenheimer in der Champions League zu suchen haben (außer Vorrundenkanonenfutter), kann man mir ja bei Gelegenheit noch mal erklären. So ängstlich wie ihr lustiger Trainer Julian Nagelsmann sollten sie dabei nicht auftreten. Der erzählte groß von seiner Prinzessinnenkrone, die er sich im Falle der CL-Qualifikation aufsetzen würde. Nur öffentlich gezeigt hat er sich damit lieber nicht. Das wäre endlich mal ein starker Beitrag aus dem Profifußball in der #metoo-Debatte gewesen. Oder wollte er sich lediglich bei den "Königlichen" ranwanzen?

4 Dass der BVB sich noch für die Champions League qualifiziert hat, kam auch für Sportdirektor Michael Zorc völlig überraschend. Um Geld zu verdienen, hat er für die kommenden Tage in den Hochburgen des Weltfußballs Zwickau, Herne und Los Angeles Freundschaftsspiele ausgemacht, die dem aktuellen Selbstverständnis des Klubs näher kommen. Interessant was Nuri Sahin nach der Hoffenheim-Blamage über seinen Urlaub sagte: Vielleicht hilft es uns, wenn wir uns sechs Wochen nicht sehen.

Vielleicht sollte der BVB seine analoge Mannschaft abmelden und nur noch im E-Sports antreten. Da kann man Champions League spielen ohne sich jeden Tag sehen zu müssen.

Video - kicker.tv - Der Talk: Effenberg, Rolfes und Kerner über Gewinner & Verlierer der Saison

52:22

5 Leverkusen: Schade um die Bayer-Elf, die ich persönlich nie mochte, die aber zeitweise einen wirklich herrlichen Fußball gespielt hat. In der Champions League hätten aber auch sie nichts zu suchen gehabt. Das ist vielleicht die Erkenntnis dieser Saison: CL-tauglich ist im Bundesgebiet nur die Mannschaft aus dem Söderstaat, siehe 1.

6 RB Leipzig: Bleibt er nun der Hasenhüttl, oder geht er nun der Hasenhüttl? Was für ein nerviges Tamtam. Wie man hört, geht der Rangnick dem Hasenhüttl derart auf die Nerven, dass "Hasi" sogar freiwillig die österreichische Nationalmannschaft übernehmen würde. Doch aus den Fängen dieser Brause-Sekte ist nun mal nicht so leicht frei zukommen…

7 VfB Stuttgart: Ich muss mich unbedingt bei Tayfun Korkut entschuldigen, dem ich an dieser Stelle übel mitgespielt habe, als er den VfB übernahm. Ich wollte, dass Hannes Wolf die Saison übersteht. 31 Punkte aus 14 Spielen, macht 2,2 Punkte pro Spiel hat BILD errechnet. Glückwunsch zum Titel: "Deutscher Rückrundenvizemeister VfB". Hat Erdogan schon gratuliert?

Tayfun Korkut vom VfB Stuttgart

Tayfun Korkut vom VfB StuttgartGetty Images

8 Eintracht Frankfurt: Der neue Bayern-Trainer Niko Kovac hat es geschafft, seit seiner Unterschrift bei den Bayern, seine Eintracht in wenigen Wochen derart herunterzuwirtschaften, dass der Europapokal für die Zurückgelassenen nur am TV stattfindet. Da sehen sie dann ihren Ex-Trainer im Edelzwirn am Spielfeldrand in Mailand, Madrid oder Monaco - Hauptsache ganz oben. Und die Eintracht ist wieder da, wo sie vorher war: im Mittelmaß. Hindert Kovac und Bobic aber nicht daran immer wieder zu betonen: Hier entsteht was ganz Besonderes. Was denn eigentlich?

9 Gladbach: Lese gerade, dass Hecking seinen Profis mit Rauswurf droht. Dachte immer, dass er Fohlen trainiert?

10 Hertha: Soviel Mittelmaß erträgt nur die Hauptstadt. Da ja gerade ein neuer Sanktionskatalog in der EU diskutiert wird um die Wertegemeinschaft zu vertiefen: Frage: Darf ein Ungar überhaupt einen Bundesligisten trainieren? Natürlich darf er. Aber doch nicht soooo….

11 Werder Bremen: Florian Kohfeldt ist ein Trainer ganz nach meinem Geschmack. 35 Jahre jung, ebenso jovial wie kritisch, sagt offen, dass man sich nicht auf Dauer mit Mittelmaß begnügen dürfe und glaubt, dass man "schon irgendwas finden werde, um noch ein Bier trinken" zu können auf das versöhnliche Ende der Saison. Ein westfälischer Taifun. Mein Geheimtipp für die Saison 18/19.

Florian Kohfeldt (Werder Bremen)

Florian Kohfeldt (Werder Bremen)Getty Images

12 Augsburg: Ein Baum von einem Klub! Sorry, ich find' die wirklich gut, aber mehr fällt mir wirklich nicht ein.

13 Hannover: Auf die Idee muss man mal kommen: Martin Kind vermisst bei seinem Sportdirektor Horst Heldt Loyalität und Vertrauen. Gut, der Heldt wollte in diesem Jahr schon zum FC nach Köln und zum VfL nach Wolfsburg. Und wer weiß wohin sonst noch. Aber ehrlich: Ich werfe doch auch keiner Escortdame Untreue vor, nur weil sie mal mit einem anderen mitgeht? Also: Rauswerfen oder Silentium!

14 Dass die Mainzer ihren Trainer Sandro Schwarz während der Saison nicht entlassen haben, ist ihre größte Leistung und verdient den "Bambi" 2018 in der Kategorie „Charity des Jahres“.

15 Freiburg: Auch die Breisgauer gewannen einen „Meistertitel“. Zumindest fühlte sich Sportvorstand Jochen Saier nach dem Schlusspfiff und dem sicheren Klassenerhalt so. Dumme Frage: Wenn sich alle wie Meister fühlen, warum muss es dann noch einer werden? Und: Stimmt es, dass Christian Streich pausieren will? Burn-Out? Herzklinik? Ich fass es nicht. Christian, bitte nicht! Und wenn doch, sagen Sie mir in welcher Klinik, ich komme Sie besuchen…

Streich und der SC Freiburg bleiben erstklassig

Streich und der SC Freiburg bleiben erstklassigSID

16 Wolfsburg: Wenn der Labbadia nach dem HSV vor drei Jahren jetzt auch noch Wolfsburg den Klassenerhalt gegen Kiel sichert und als "Retter" durch Land und Talkshows zieht, dann bekomme ich ein handfeste Depression. Da Bruno keine eigene Idee vom Spiel hat, aber jedes Jahr Teams vor dem Absturz stehen und Bruno an den TV-Mikros durch seine wohltemperierte italo-hessische Gesichtsbräune und sein volles Haar so überaus attraktiv und sympathisch wirkt, wird er auch in den kommenden 20 Jahren bis auf Bayern alle andern Klubs vor dem Abstieg bewahren.

Laut Forbes und "Football Leaks" wird Labbadia dabei mehr Geld verdienen als Guardiola, Klopp und Mourinho zusammen. Bruno sagt: "Alles hochsterilisiert!"

17 HSV: Dass ich das noch erleben darf, dass in der Liga Inkompetenz tatsächlich auch bestraft wird. Der neue Boss Bernd Hoffmann hat ja schon erklärt, dass Investor Kühne ein wichtiger Partner bleibt, aber die Bittstellerei ein Ende haben muss. Wie das gehen soll, so ähnlich wohl wie bei dem anderen Grattler-Klub im Süden, 1860 München, mit seinem Investor Ismaik. Zusammen haben sie es bis in die Regionalliga geschafft. Irgendwie auch eine Art Meisterschaft!

18 Köln: Der FC, man muss ihn einfach liebhaben und könnte ihn ständig bützen für soviel Vereinsliebe. Hector, dieser Achill des deutschen Fußballs, wird auch noch in der Oberliga gegen Borussia Freialdenhoven für den FC kicken und trotzdem bei Jogi gegen Messi. Aber wer 14 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz hat, der ist natürlich korrekterweise abgestiegen. Manchmal hilft die ganze Liebe nichts, wenn um dich herum nur gef…t wird.

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Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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