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Der LIGAstheniker: Was ist los mit BVB, RB & Co.? So mutlos war die Liga lange nicht!

Der LIGAstheniker: So mutlos war die Liga lange nicht!

12/02/2018 um 21:15Aktualisiert 13/02/2018 um 17:30

Langeweile in der Liga, keine Innovationen in Sicht. Die Bundesliga scheint sich auf dem Weg ins Mittelmaß zu befinden. Während der FC Bayern München einsam seine Kreise zieht, kuscht die Konkurrenz wieder einmal vorm Rekordmeister. Wie das Kaninchen vorm Krokodil. Höchste Zeit für LIGAstheniker Thilo Komma-Pöllath, seinen Finger in die Wunde zu legen.

Die ganze Mut- und Ideenlosigkeit der Liga wird jeden Sonntagvormittag live übertragen, so als wäre sie ihr einzigartiges Verkaufsmerkmal. Oder wie die Vertriebler sagen: der USP.

In den beiden großen Fußballtalkshows im Lande sitzen Experten und Kommentatoren über den samstäglichen Spieltag zu Gericht. Manchmal hält auch einer der Granden in einer quasitherapeutischen Einzelsitzung Hof, vor einigen Wochen war es Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, diesmal BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Kritiker sind dann nicht erwünscht beim "Sky"-Kollegen "Wontorra", dabei wäre die ein oder andere reflektierte Einordnung dringend nötig.

Im deutschen Fußballfernsehen geht das auch ohne. Kommt also die Frage auf die Übermacht der Bayern zu sprechen, dann klingt Watzke wie das Kaninchen vorm Krokodil: Die Bayern machen gerade alles richtig, da könne man halt nichts machen. Der zugeschaltete Leipzig-Boss Oliver Mintzlaff nickt dazu und wiederholt den Satz fast wortgleich. Als wäre die Bundesliga ein darwinistisches Naturgesetz und nicht die wichtigste Leistungsschau des deutschen Sports ist, deren Prämisse es sein muss: jeder kann jeden schlagen.

Keine Innovation von den Klubbossen

Die Selbstberuhigungstaktik der beiden Klubbosse ist dabei die Antwort auf die jüngste Grundsatzkritik von DFL-Chef Christian Seifert, der die Liga auf dem Weg ins Mittelmaß sieht – sportlich wie wirtschaftlich. Spricht man Watzke auf Seifert an, wird der sofort persönlich. Der solle erst mal selbst einen Klub führen, dann wisse er, wovon er spreche, wie schwierig das sei. So klingt das dann. Bei soviel Majestätsbeleidigung findet ein argumentativer Austausch gar nicht statt. Und trotzdem: Nicht die beiden mächtigsten Klubbosse Rummenigge oder Watzke, deren ureigenes Interesse es müsste, haben eine öffentliche Diskussion zur Öffnung und Erneuerung der Liga angestoßen, sondern der Ligachef.

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Und plötzlich wird über eine Play-Off-Runde diskutiert, um die sportliche Dominanz der Bayern zu brechen und über eine Aufweichung oder die Abschaffung der 50+1-Regel, um wirtschaftlich nicht den Anschluss zu verlieren an die Potenzligen in England und Spanien. In beiden Fällen handelt es sich um legitime Diskussionsgrundlagen, argumentative Ansatzpunkte, deren Für und Wider in solchen Talkshows durchreflektiert gehören würden. Doch was machen Watzke und Mintzlaff? Sie verweigern sich jedem innovativen Gedanken, tun so als wäre alles in bester Ordnung. Einmal raunt Watzke: "Affenzirkus"“. Er meint den Play-Off-Modus, das in etwa entspricht seinem derzeitigen Reflexionsniveau.

Das Mittelmaß beginnt ab Platz zwei

Dabei ist es ja gar nicht so, dass die beiden wirklich glauben würden, alles wäre in bester Ordnung. Sie verschleiern besten Falls ihre wahren Absichten. Watzke ist angeschlagen, ob der missratenen Saison seines "Mittelklasseklubs" (Jörg Wontorra). Bei allem eingenommenen Geld, ein Kader der nicht stimmig ist, ein Trainer, dem man die BVB-Zukunft (noch) nicht zutraut, ein neuer nicht in Sicht, das brachliegende Kapital von Spielern wie Götze und Schürrle und was ist, wenn die Champions League-Quali misslingt?

Ein durchaus realistisches Szenario, angesichts der anhaltenden Rotation auf dem zweiten Tabellenplatz. Ganz nach dem Motto, wer will nochmal, wer hat noch nicht, wechselten sich in dieser Saison BVB, Leipzig, Frankfurt, Leverkusen, Hoffenheim in schöner Regelmäßigkeit als erster Bayern-Verfolger ab. Aber was heißt Bayern-Verfolger bei 18 Punkten Rückstand? Treffender wäre: der Erste vom ganzen Rest.

Besser kann man das von Seifert diagnostizierte Mittelmaß kaum illustrieren. Und richtig hanebüchen wird es, wenn Leipzig-Chef Mintzlaff Hannovers Präsident Martin Kind dazu gratuliert, dessen 50+1-Klage ruhen zu lassen. Ausgerechnet Mintzlaff also, dessen Klub bei seinem Sponsor mit annähernd 100 Mio. Euro in der Kreide steht und damit besagte Regel längst geschickt und geduldet umläuft. Warum also etwas ändern, um die anderen in den Genuss der eigenen Privilegien kommen zu lassen?

Liga mutlos

Es herrscht eine eigenartig beleidigte, larmoyante Stimmung bei den Klubs, die nur den Blick auf sich selbst freigibt und jede Innovationsidee im Keim erstickt. Der Blick nach innen statt die Vision nach oben. Wo sind die mutigen sportlichen Konzepte, die Bayern den Kampf ansagt?

Stattdessen klingt das bei Watzke so: Die Bayern machen momentan alles richtig, da können wir nichts machen. Bei soviel Mutlosigkeit steht der Meister 2018/19 heute schon fest, zum siebten Mal in Folge: Bayern München. Das ist dann wirklich einzigartig.

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