Getty Images

FC Bayern - das Beben der Bosse Rummenigge und Hoeneß: Alles über Tuchel, Kovac und Fairness

Das Beben der Bayern-Bosse: Klartext zu Kovac, Tuchel und über Fairness

15/04/2018 um 18:14

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß haben nach dem Sieg des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach die Gelegenheit ergriffen und in der Mixed Zone einen beachtenswerten Auftritt hingelegt. Im Doppelpack traten sie vor die Presse und stellten ihre Sicht der turbulenten Dinge um Thomas Tuchel, Niko Kovac und vermeintliche Verzweiflung bei der Trainer-Suche dar.

Aus der Allianz Arena berichtet Daniel Rathjen

Um 20:47 Uhr wurde es plötzlich nochmal spannend in der Allianz Arena. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß waren nach einer kurzen Lobes-Ansprache an ihre Bayern-Mannschaft aus der Kabine gekommen und steuerten nun in der Mixed Zone, dort, wo die Pressevertreter ihre Interviews führen können, synchron und entschlossen auf die erste Journalisten-Traube zu. Die Bosse im Doppelpack vor den Mikrofonen - das hatte es zuvor selten bis nie gegeben. Der Grund war klar: Sie wollten einiges klarstellen. Und das taten sie.

Die Absage von Thomas Tuchel? Gab es de facto nicht. Hoeneß erklärte:

"Er hat uns mitgeteilt, dass er sich anders entschieden hat. Aber wir haben ihm ja auch nur ein gemeinsames Treffen angeboten. Ein Vertragsangebot hatte er nicht."
"Aus unserer Sicht ist alles sauber und seriös abgelaufen. Wir haben uns fair verhalten und auch nicht die Medien informiert. "

Hoeneß ergänzte: "Wir wollten Frankfurt schnell informieren, damit sie mehr Zeit haben, einen neuen Trainer zu finden. Dass aus dieser eigentlich großzügigen Geste ein Bumerang gemacht wird, verstehen wir überhaupt nicht."

Tuchel-Absage: Schade, aber kein Schock

Es lag auf der Hand, was "Ulikalle" mit ihrem Duett suggerieren wollten: Wir stehen Seite an Seite, wir stehen beide in der Verantwortung, zwischen uns passt kein Blatt. Auch ihrer Wirkung, die so noch verstärkt wurde, sind sie sich durchaus bewusst gewesen. Und irgendwie erweckten sie auch den Anschein großer Erleichterung, dass mit Kovac nun die wichtigste Personalie für die neue Saison unter Dach und Fach ist.

Dass nicht alles ideal verlaufen ist, wissen sie selbst. Zu lange hatte Hoeneß darauf gehofft, Trainer Jupp Heynckes noch zu einem weiteren Jahr überreden zu können. Vergeblich, wie er Anfang März feststellen musste.

Video - Respektlose Bayern bei Kovac-Deal? Thon: "Bobic ist selbst Schuld"

00:52

Danach passierte das, was Hoeneß wie folgt auflistete: Nach der endgültigen Absage von Heynckes meldeten sich die Bayern zunächst bei Tuchel. Zu spät. Dieser stand schon bei einem anderen Verein im Wort (vermutlich Paris Saint-Germain). Hoeneß dazu: "Das war schade, aber kein Schock."

Daraufhin, so betonten die Bosse, einigten sich alle Entscheider auf Niko Kovac als Wunsch-Kandidaten. Diskussionsbasis dafür war laut Rummenigge eine "Analyse" - angefertigt von Salihamidzic. Durch das freundschaftliche Verhältnis, das Salihamidzic und Kovac pflegen, plus dessen Ausstiegsklausel in Frankfurt für den Fall eines Angebots von Bayern, war es dann auch leicht für den Rekordmeister, ihn tatsächlich zu bekommen. Rummenigge betonte:

"Wir sind sehr glücklich darüber, weil wir volles Vertrauen und großes Zutrauen in seine Arbeit haben."

Es klang durchaus glaubhaft.

Kovac nur dritte Wahl

Dennoch bleibt der Eindruck, dass Kovac eigentlich nur die dritte Wahl ist. Keine gute Voraussetzung für den Start. Heynckes war die erste, Tuchel, der vor Kovac kontaktiert wurde, offenbar die zweite. Dieses Bild konnten die Bosse nicht zurechtrücken.

Video - Sammer exklusiv: "Kovac hat die Bayern-DNA"

01:41

Auch die Geschichte, dass sämtliche Vertragsgespräche geführt und sogar das Angebot an einem Tag, nämlich am vergangenen Donnerstag, abgegeben worden sein soll, bleibt zumindest zweifelhaft. Diese Schilderung erinnert eher an ein am Telefon abgeschlossenes Zeitungs-Abo und nicht an die Vergabe des wichtigsten Jobs im deutschen Vereinsfußball.

Eindeutiger war das öffentliche Zusammenrücken der Bosse. Ihr Auftritt war sowohl eine Demonstration der Stärke als auch der Start in die letzte Etappe ihrer gemeinsamen Jahre, in denen sie ihr Erbe für die Nachfolger bestellen wollen.

Hoeneß und Rummenigge haben sicher einige Fehler gemacht, doch in der Vergangenheit auch sehr viele richtige Entscheidungen getroffen. Die Zukunft wird zeigen, ob die jetzt von ihnen zur Schau gestellte Gelassenheit über die Saison hinaus Bestand hat.

0
0