Aus der AllianzArena berichtet Florian Bogner

Ralph Hasenhüttl hatte gerade die Tabellenführung mit RB Leipzig verpasst, lugte aber dennoch freundlich bis keck zu Jupp Heynckes rüber.

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29/10/2017 AM 11:35

Nachdem der Leipziger Coach im Bauch der Allianz Arena dem Trainer des FC Bayern München artig seine Glückwünsche für 2:0 (2:0)-Sieg und Platz eins in der Bundesliga dargeboten hatte, fügte er grinsend an:

Das ging ja verdammt schnell – Du hast nicht lange gebraucht und ihr seid ganz vorne.

Bayern holt mit Heynckes acht Punkte auf Dortmund raus

Zum Nachrechnen: Nur zwei Wochen zuvor hatte Bayern vor Heynckes' drittem Comeback als FCB-Coach noch fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund, jetzt drei Punkte Vorsprung.

Die Zwischenbilanz des 72-Jährigen als Coach polierten am Samstagabend James Rodríguez (19.) und Robert Lewandowski (39.) mit ihren Toren auf.

Total liest sich das mit Heynckes 2017 dann so: Fünf Spiele, vier Siege und ein erfolgreicher Pokalkrimi, 12:1 Tore (ohne das Elfmeterschießen in Leipzig). Arjen Robben, staunend:

Seit Jupp da ist, haben wir fast alles zu Null gespielt und den maximalen Erfolg.

Defense first

Heynckes machte am Samstag erneut unmissverständlich deutlich, welche Stelle des Torverhältnisses ihm dabei besonders wichtig ist: die hintere.

Wo Spieler wie Jérôme Boateng ("Ganz schlecht mit einem Mann mehr, das müssen wir auf jeden Fall besprechen, das geht so nicht") oder Arjen Robben ("Wenn du ohne Tempo spielst, schießt du auch keine Tore") sich kritisch über die eher zaghafte Leistung und Ausrichtung im zweiten Durchgang in Überzahl äußerten, drückte Heynckes auf die Bremse:

Wir hätten auch noch höheres Tempo gehen können, aber das ist bei einem solchen Spiel nicht wichtig, da zählen nur die drei Punkte. Für mich war es wichtig, wieder zu Null zu spielen. Es liegen noch viele Gegner und Herausforderungen vor uns, das ist so schon okay.

FC Bayern - RB Leipzig

Fotocredit: Getty Images

Rechtsverteidiger Joshua Kimmich berichtete davon, dass ihn der 72-Jährige in der zweiten Halbzeit an der Seitenlinie regelrecht an weiteren Vorstößen hintern musste, erkannte aber auch den Nutzen:

Es wird darauf geachtet, dass wir als komplette Mannschaft, als kompletter Verbund zusammen verteidigen. Das sieht man an den Resultaten. Wenn das so ist und wir häufig zu Null spielen, dann haben wir vorne ein paar Spieler, die wissen, wo das Tor steht.

Heynckes stabilisiert das Zentrum

Auch wenn es gegen dezimierte Leipziger, die nach dem 0:2 in den "Verwaltungsmodus" (Hasenhüttl) schalteten, nicht zwingend notwendig war, so bleibt unterm Strich doch stehen: Heynckes hat den Bayern wieder das Verteidigen eingebläut.

Nominell half am Samstag ein stabiles Mittelfeld mit Javi Martínez als resoluten Sechser sowie Thiago und Sebastian Rudy als Achter davor.

Und wer sah, wie Rechtsaußen Arjen Robben erneut bei Ballverlust dem Spielgerät hinterher jagte oder auch James Rodríguez auf dem anderen Flügel schnöde Defensivarbeit verrichtete, hatte den Eindruck, dass da schon wieder sehr viel zusammen passt bei den Bayern – von den Personalnöten in der Offensive mal abgesehen.

Siehe da: Bayern-Angriffe durch die Mitte

Ganz nebenbei war im Bayern-Spiel am Samstagabend auch eine neue Dimension zu bestaunen.

Hatten die Heynckes-Mannen zuvor beinahe jeden Angriff wie eh und je vorbildlich über die starken Außen vorbereitet, waren es vor Willy Orbans Roter Karte (13.) und Lewandowskis 2:0 doch glatt Flachpässe durch die Mitte, die Leipzig weh taten. Das reichte an diesem Abend auch schon. Heynckes:

Wir haben clever gespielt und hinten nichts anbrennen lassen. Das ist mir lieber als 3:0 oder 4:0 zu gewinnen.

Eine Frage der Dosis

Eine Mannschaft inmitten mehrerer englischer Wochen auf links zu krempeln, wäre auch etwas zu viel verlangt von einem 72-Jährigen. Da muss ein wenig Handauflegen und Besinnung auf die Basics - gemeinsam verteidigen - sowie die eigenen Stärken reichen. Dazu kommt die richtige Dosierung.

"Die Mannschaft ist schon strapaziert, das war im Pokal ein Gigantenkampf in Leipzig", sagte der Bayern-Coach:

Im Mittwoch-Samstag-Rhythmus kann man nur bedingt etwas ändern, man muss auch drauf achten, dass man nicht ‘überpaced’ und dass Muskelverletzungen entstehen.

Lewandowski Opfer der Belastung

So wie zuletzt bei Thomas Müller (Muskelbündelriss) oder Kingsley Coman, den es gleich an mehreren Stellen zwickt, beide wie Franck Ribéry (Außenbandriss) nicht gegen Leipzig dabei.

Sorgenvoll blickten die Bayern-Fans am Samstag auch auf Lewandowski, der sich kurz vor der Halbzeit hinten an den linken Oberschenkel griff und lieber schnell den Dienst einstellte - eine Vorsichtsmaßnahme nach krampfähnlichen Symptomen, für Heynckes eine logische Konsequenz des Dauerspiels des einzigen bayrischen Mittelstürmers:

Das hat natürlich mit der Belastung der letzten Wochen zu tun, weil er immer gegen zwei, drei Mann spielt und meiner Meinung vorne noch zu wenig Unterstützung bekommt. Aber das sind Dinge, die wir uns erarbeiten müssen.

Next: Glasgow, Dortmund

Sprach’s und bemühte es gleich wieder, das Mantra der Defensive:

Natürlich ist die Decke vorne dünn. Wenn man am Ende nur noch Mittelfeldspieler vorne spielen hat, muss man wenigstens zu Null spielen und das haben wir gemacht.

Die nächsten Aufgaben werden nicht einfacher. Am Dienstag wartet die Festung Celtic-Park mit dem FC Celtic in Glasgow auf Bayern, am Samstag Borussia Dortmund. Bis dahin schauen sie weiter gerne auf die neue Tabelle.

Boateng:

Wir wissen alle, was vor zwei Wochen noch geschrieben wurde - und jetzt sind wir Tabellenführer. Ich glaube nicht, dass man damit gerechnet hat.
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