Imago

FC Bayern: Sandro Wagner ist ein X-Faktor

Publikumsliebling Wagner ist ein X-Faktor für Bayern

17/04/2018 um 10:35Aktualisiert 17/04/2018 um 17:35

Sandro Wagner erfüllt seinen Job beim FC Bayern München als Statthalter von Robert Lewandowski eindrucksvoll gut und ist so ein echtes Plus im Vergleich zur vergangenen Saison. In der Bundesliga sorgt er für Lewandowskis nötige Erholung, doch auch die Jokerrolle in großen Spielen passt zum Mittelstürmer. Zur WM fährt er eh, davon ist er jedenfalls felsenfest überzeugt.

Vielleicht muss man als Erstes ein Jahr zurückschauen, als der FC Bayern gegen Real Madrid spielte, Heimspiel, Viertelfinal-Hinspiel der Champions League.

Da saß Robert Lewandowski leidend auf der Tribüne. Verletzt, nach einer unglücklichen Szene in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund. Thomas Müller mühte sich als Sturmspitze gegen Reals Innenverteidiger nach Kräften, doch es reichte nicht - 1:2. Bayern schied nach einem heroischen, aber letztlich erfolglosen Rückspiel (2:1, 2:4 n.V.) aus.

Wagner ist ein echter Typ

Jetzt haben die Bayern da einen. Einen echten Typen. Das wird schon nach fünf Sekunden im Gespräch mit dem neuen Stürmer des FC Bayern klar.

Seine 1,94 Meter Körpergröße sind eine eindrucksvolle Erscheinung, sein lockeres Mundwerk, sein Selbstbewusstsein, sein Humor, seine Ehrlichkeit - das alles trägt dazu bei, dass Sandro Wagner ausnehmend authentisch wirkt und es eben nicht als Floskel wahrgenommen wird, wenn er sagt:

"Ich bin einfach glücklich, wieder zuhause zu sein."

Mehr als ein Lewandowski-Backup

Gestatten, Sandro Wagner, Lewandowski-Backup.

Wobei, eigentlich: mehr als das. Einer, der heim gekehrt ist. Aber gereift, als Mann.

Rückblick: Wagners Wurzeln liegen in München, doch als Youngster konnte er sich nicht durchsetzen.

Doch er lernte. In Bremen, Berlin und Hoffenheim, lies die Flausen allmählich sein, reifte. Und traf sehr oft ins Tor. Beim zweiten Anlauf in seiner Heimat präsentiert sich der 30-Jährige professionell, integer und ehrgeizig.

Stehender Beifall für Sandro Wagner

Acht Tore in zwölf Pflichtspielen, darunter der Doppelpack gegen Borussia Mönchengladbach, sind eine ansehnliche Bilanz für den Backup für Robert Lewandowski.

Tatsächlich: Eine Riesenentlastung für alle Beteiligten. Lewandowski wird am Wochenende bei Hannover 96 nicht in der Startelf stehen und damit seinen Einsatz gegen Real Madrid kommenden Mittwoch riskieren müssen. Wagner macht das schon.

Am vergangenen Samstagabend durfte er erstmals in der Allianz Arena von Beginn an spielen - und wurde bei seiner Auswechslung in der 70. Minute mit stehenden Ovationen verabschiedet. Plötzlich Publikumsliebling. Home sweet Home.

Video - Sammer exklusiv: "Kovac hat die Bayern-DNA"

01:41

Wagner empfiehlt sich für Löw

"Es herrscht ein sehr guter Spirit in der Mannschaft. Den müssen wir mitnehmen in die nächsten Wochen. Es kommen brutal schwere Spiele und wir wollen das Maximum erreichen", macht Wagner später mit Blick auf die anstehenden Halbfinal-Spiele gegen Bayer Leverkusen im DFB-Pokal und Real Madrid klar.

Wagner trägt seinen Teil zur guten Teamatmosphäre bei, indem er seine Rolle voll akzeptiert, die sich ihm bietenden Gelegenheiten nutzt und sich somit auch für Bundestrainer Joachim Löw für die WM-Nominierung empfiehlt.

Nachfragen dazu nerven Wagner übrigens. Im Sommer zur WM? "Davon gehe ich aus, ehrlich gesagt", sagte er am Samstag:

"Ihr fragt den Hummels oder Müller ja auch nicht jeden Tag, ob sie mitfahren."

Auch als Joker gefragt

Wer Wagners Wirkungskreis im Saison-Endspurt aber nur auf die Bundesliga begrenzt sieht, der irrt.

Als Joker kann er in den Cup-Wettbewerben ebenso wertvoll sein, traf für die Bayern auch schon gegen Besiktas nach Einwechslung.

Sollte in der Schlussphase beispielsweise ein Brecher mit Kopfballfähigkeiten von Nöten sein - Wagner ist bereit. Über seinen Bald-Gegenüber Cristiano Ronaldo sagt Wagner: "Den finde ich richtig geil."

Wagner freut sich auf Kovac

Wagner weiß, dass er gebraucht wird. Vielleicht nicht wie Ronaldo. Aber der 30-Jährige weiß auch, das Lewandowski möglicherweise mit einem Wechsel liebäugelt. Und dass im Sommer ein neuer Trainer kommt.

Über Niko Kovac sagt er immerhin: "Er kommt über die Mentalität, das kommt mir entgegen. Es ist schon ein guter Trainer, sonst würde der FC Bayern ihn nicht holen."

Klar wird sein, dass er sich auf Wagner verlassen kann, so wie es Jupp Heynckes jetzt tut.

"Sandro ist im Januar zu uns gestoßen. Normalerweise ist das nicht ganz so einfach, aber er hat sich wunderbar integriert", weiß Heynckes und lobte zudem den Trainingsfleiß seines Schützlings:

"Ich denke, dass er noch mal einen großen Sprung gemacht hat, auch an unserem Spiel teilzunehmen."

Viel Lob für Wagner

Präsident Uli Hoeneß stimmte in den Lobgesang mit ein:

"Immer wenn er gebraucht wird, ist er da. Er hat einen tollen Charakter."

Sie alle empfinden, was auch Wagner als essentiell kennzeichnet: "Es fühlt sich nicht so an, als ob ich erst drei Monate da bin. Darüber bin ich sehr glücklich und dafür bin ich dankbar."

Es ist die Kombination aus Qualität, Selbstverständnis und Demut, die ihn so wertvoll macht. Auf die Duelle mit Cristiano Ronaldo ("Den finde ich super!") freut er sich bereits jetzt.

"Der stellt was dar, der schießt seine Tore. Ich glaube, ich habe nicht mal im Training so viele Tore geschossen. Ein unglaublicher Spieler."

Vor einem Jahr ebenfalls unglaublich: Wagner spielt jetzt auch im Konzert der Großen.

0
0