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HSV-Machtkampf um Klubspitze: Bernd Hoffmann oder Jens Meier?

Machtkampf um Klubspitze erschüttert HSV
Von SID

14/02/2018 um 12:30Aktualisiert 14/02/2018 um 12:36

Comeback oder Kontinuität? Lautsprecher oder Leisetreter? Bernd Hoffmann oder Jens Meier? Mitten in der schweren sportlichen Krise tobt beim Hamburger SV ein Machtkampf um das Präsidentenamt. Ex-Vereinsboss Hoffmann drängt zurück an die Klubspitze und fährt vor dem Wahl-Showdown am Sonntag schwere Geschütze auf. Kontert Meier mit Joker Horst Hrubesch?

"Wenn man das regelmäßige Spielen um Platz 15 bis 17 und jedes Jahr 15 bis 20 Millionen Euro Verlust für eine kontinuierliche Entwicklung hält, dann kann man sagen: 'Weiter so'", sagte Hoffmann bei "Sky90" und sprach von einer "dramatischen wirtschaftlichen" Lage bei seinem früheren Arbeitgeber. Der HSV werde "ein großes Problem damit haben, für nächstes Jahr eine Erst- oder Zweitligalizenz zu bekommen".

Rums! Mit seinen öffentlichkeitswirksamen Aussagen läutete Hoffmann - von 2003 bis 2011 Vorstandsvorsitzender der Hamburger - den Endspurt eines wochenlangen Wahlkampfes ein, der am Sonntag entschieden wird. Wenn die HSV-Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung über den Klubpräsidenten des Gesamtvereins abstimmen, geht es auch um die Grundsatzfrage: Neuausrichtung unter Lautsprecher Hoffmann oder Kontinuität unter Leisetreter Meier. Der HSV e.V. ist mit 76,19 Prozent größter Anteilseigner der HSV Fußball AG. Zum Vergleich: Investor Klaus-Michael Kühne hält 20,57 Prozent der Anteile.

Unterschiedliche Ausrichtungen von Hoffmann und Meier

Amtsinhaber Meier, der dem HSV seit Januar 2015 vorsteht und mit seiner pragmatischen Art vor allem nach innen wirkt, liegt neben der HSV Fußball AG vor allem die Entwicklung des Gesamtvereins am Herzen. Herausforderer Hoffmann will bei einer Wahl dem Vernehmen nach auch Aufsichtsratschef des Klubs werden und sich stärker in die Belange der Profis einmischen. Der 55-Jährige kokettiert gern mit den sportlichen Erfolgen seines achtjährigen Engagements, in das die letzten Auftritte in der Champions League und in der Europa League fallen.

"Wir hatten eine erfolgreiche Zeit mit fast 80 Europapokalspielen", sagte Hoffmann dem "NDR-Fernsehen". Auch wirtschaftlich habe er "einen gut aufgeräumten Verein hinterlassen". Seitdem habe es 150 neue Spieler und 15 verschiedene Trainer gegeben.

Meier lassen die erneuten Frontalangriffe seines Widersachers kalt. "Ich finde es ziemlich vermessen, dass jemand kommt, der sieben Jahre raus war, nun sagt, das kann ich alles besser. Das finde ich bemerkenswert", sagte der 51-Jährige der "Bild". Dass Hoffmann seit seinem Ausscheiden beim HSV keine führende Managementfunktion in einem Unternehmen inne hatte, sei zudem "nicht die beste Referenz".

Meier kann auf Hrubesch bauen

Meier ist überzeugt, dass er den Verein auf eine gesunde Basis gebracht hat. Selbst im Falle eines Abstiegs würde er optimistisch bleiben: "Wir haben eine Struktur geschaffen, um gegebenenfalls einen Wiederaufstieg sofort anzugehen", sagte er der "Sport Bild". Um die Mitglieder auf seine Seite zu ziehen, könnte Meier am Sonntag auch auf den Namen Horst Hrubesch setzen. Die HSV-Legende soll laut Informationen des "Hamburger Abendblatts" im Falle einer Wiederwahl dem Aufsichtsrat beratend zur Verfügung stehen.

Meier selbst ist seit zehn Jahren Vorsitzender der Geschäftsführung des Hamburger Hafens. Im Bereich Profifußball setzt er auf eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit. "Wir wollen die Spieler selbst entwickeln und von schnellen, teuren Entscheidungen wegkommen", sagte das Klub-Oberhaupt, das qua Amt auch im HSV-Aufsichtsrat sitzt: "Wir haben über viele Jahre den Fehler gemacht, dass wir immer nach dem Königstransfer gesucht haben, der alles alleine voranbringt."

Schwierige finanzielle Situation beim HSV

Genau dieses Vorgehen hat den HSV in der Vergangenheit an die wirtschaftlichen Grenzen geführt. Im vergangenen Jahr bekam der finanziell schwer angeschlagene Klub seine Lizenz nur unter Auflagen. Und Hoffmann stimme "nicht besonders viel optimistisch, dass das in diesem Jahr anders sein könnte, wenn man im Winter keinerlei Handlungsfähigkeit mehr hat, auf dem Transfermarkt tätig zu werden, und sich auf Platz 17 befindet".

Und so werde es laut Hoffmann zwischen dem 19. Februar, dem Tag nach der Präsidentenwahl, und dem letztmöglichen Zeitpunkt Mitte Mai "Hauptthema sein, die Bedingungen bei der DFL zu erfüllen". Meier beschwichtigte trotz über 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten. "Die Verschuldungssituation ist keineswegs beunruhigend, sondern vielmehr deutlich komfortabler als zu unserem Amtsantritt", sagte er in einem "Abendblatt"-Interview.

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