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Zum Geburtstag von Jupp Heynckes: Verbeugung vor dem Bayern-Trainer

Zum Geburtstag: Eine tiefe Verbeugung vor Jupp Heynckes

09/05/2018 um 12:25Aktualisiert 10/05/2018 um 10:41

Am 9. Mai feiert Jupp Heynckes seinen 73. Geburtstag. Eine Verbeugung vor dem scheidenden Trainer des FC Bayern München.

Lieber Herr Heynckes,

herzlichen Glückwunsch! Am 9. Mai werden Sie 73 Jahre jung - nicht alt -, und jeder, der auch nur einen Funken Empathie verspürt, wird ehrlich gemeinte Grußbotschaften übersenden. Das Schöne ist: Davon gibt es eine Menge. Weil Sie ganz sicher ein außergewöhnlicher Trainer sind, aber noch sicherer ein außergewöhnlicher Mensch.

Allein ihre Pressekonferenzen vor Bundesliga-Spieltagen: Das ist so viel mehr als das ewige Frage-Antwort-Spiel zu Ausgangslage und Personalsituation. Wenn Sie mit der Souveränität eines Grandseigneurs über weiche Faktoren des Sports oder die aktuelle Weltlage referieren, sind das fast Philosophiestunden, die zur Prime Time in den Öffentlich-Rechtlichen kommen sollten und nicht auf YouTube.

FC Bayern 2017/18: Lebensschule mit Jupp

Vergangenen Oktober unterbrachen Sie ihre Rente. Sie haben das nicht getan, weil Sie Aufmerksamkeit und Bestätigung brauchten und Geld gleich gar nicht. Sie haben ihrem Freund Uli Hoeneß einfach nicht absagen können, Haus und Hof und Hund verlassen, allein im Hotel gewohnt und einen bemerkenswert kränkelnden FC Bayern revitalisiert.

Aus Bürde wurde Würde. Sie beklagen sich nicht über Schiedsrichter (wie in Madrid), Sie krakeelen nicht über Verletzte, Sie vermitteln jenen Respekt, der häufig fehlt in unseren aufgekratzten Zeiten. Vertreter der alten Schule? Ja, hoffentlich. Bayerns Saison 2017/18 könnte die Überschrift tragen: Lebensschule mit Jupp.

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Straffe Linie, natürliche Autorität, soziale Kompetenz. Nein, ein Gebilde wie der FC Bayern trainiert sich eben nicht von allein, nur wenige, von irgendwelchen übergeordneten Fußballgöttern auserwählte Instanzen, besitzen das Rüstzeug dazu. Und ganz wenige prägen diesen Klub über den Trainerberuf hinaus. Und der Rest heißt Jupp Heynckes.

Es ist ja kein Zufall, dass Hoeneß so lang, intensiv und mitunter naiv um Sie warb, was im Umkehrschluss bedeutete, dass er bloß einem nun 73-Jährigen zutraute, das Bayern-Boot kühn durch Wellen des sich aufschaukelnden Fußballkapitalismus zu manövrieren.

Hoeneß' Versuche dürfen Heynckes schmeicheln

Sie wollen nicht weitermachen, was allzu verständlich ist; ein bisschen im Kontrast zum Posten des Bundestrainers, den Sie laut eigener Aussage dreimal ausgeschlagen haben. Schade eigentlich, das wäre doch etwas gewesen… So bildeten Hoeneß' Versuche eine letzte ultimative Verbeugung, die Ihnen schmeicheln darf. Fassen Sie es als Anerkennung auf.

Lieber Herr Heynckes, es war ein Fest. So denkt ein Gros der (Fußball-)Öffentlichkeit, es müssen nicht einmal Bayern-Fans sein. Jede Wette: Würden Sie morgen erwägen, in die Politik einzusteigen, bekämen sie 90 Prozent der Stimmen.

Lassen Sie's besser sein. Politik ist ja noch schlimmer als Fußball.

Bleiben Sie gesund - und so, wie Sie sind.

Alles Gute!

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